Logo

 
 

Briefe von Clara Schlaffhorst an Elisabeth Goebel (1935-1944)

 

1935  1936  1937  1938  1939  1940  1941  1942  1943  1944  Anhang 

  
 


Hustedt, 30. September 1935

Sehr geehrtes, liebes Fräulein Goebel !

An inliegender Karte ersehen Sie, daß ich Ihnen schon vor 8 Tagen einen Gruß schicken wollte. Es lebt doch irgendwo zwischen Ihnen und uns weiter; es gelang mir nicht, die Karte kam wieder, weil ich 8 statt 81 geschrieben hatte. In meinem Buch steht aber Nummer 8 vermerkt. - Nun sende ich Ihnen die Karte auf diesem Wege und hoffe, sie trifft Sie bei fester Arbeit und bester Atmung. Wir rutschen schon nicht mehr vorwärts, sondern es geht im Siebenmeilenschritt. Alles ist froh darüber und täglich fliegen mir neue Worte zu ! Man soll aber nicht glauben, daß die Schwere beendet ist - sie hält treulich Schritt. Hoffentlich können auch Sie weiter.

Bitte Grüße Ihrer Freundin und Ihnen.

Ihre H. A.


Hustedt, 17. November 1935

Liebes, sehr geehrtes Fräulein Goebel !

Rund vier Wochen sind seit meinem Geburtstag dahingeflogen, ja beinahe gesaust und noch liegen unzählige Briefe zur Beantwortung da. Nun, da Ihre Freundin wirklich hier ist, können Sie denken, wie sehr oft wir Sie hierher wünschen. Das Leben ist grausam, wenn es gerade die trennt, die vereint etwas Gutes schaffen würden. Könnten wir hier oder sonstwo mit Ihnen beiden an der Hebung des Menschtums arbeiten ! Geduld, Geduld - Sie beide werden es noch erreichen. Ihre Freundin geht hier ganz mit, zu aller und unser beider - Hedwig und meiner Freude. Ist das nicht schön !! Sie überrascht es gewiß nicht; aber wir haben so etwas unbockiges - also ganz Großes, Kluges noch nicht erlebt unter unserer Gefolgschaft. Sie geht nicht nur mit, sondern hilft mit, arbeitet zur Begeisterung mit allen Theorie in einer Weise, nach der ich immer Sehnsucht gehabt habe. Und diese Schmach - ich konnte noch nie dabeisein ! "nur nicht denken", nur weiter - mit jedem Atemzug.

Danke Ihnen herzlich für Ihre lieben Worte. Ja, ich muß leben, denn so schöpferisch wie nach meinem Geburtstag war ich noch nie. Mitten in meinem eigenen Singen gebiert die Seele stetig neu - groß - einzig - aber hoffentlich Erreichbares. Gern schrieb ich Ihnen Ideen; wenn ich nur ahnte, was sich in Ihnen erhalten hat und wo Stockungen sind. Was Sie dort aushalten müssen, weiß ich aus eigener Erfahrung. Viel Glück wünsche ich Ihnen zu Ihrer Examensarbeit. - Alle sitzen am Kamin, ich muß dorthin, seit ich alleine bin. Ilse Töpfer ist in Berlin. -

Viele herzliche Grüße, auch von meiner Freundin stets

Ihre Clara Schlaffhorst.

Auch ich warte, daß Sie wieder hier sind, oh.


Hustedt, 30. November 1935

Liebes Fräulein Goebel,

nach einem wundervollen - "Wunder-vollen" Tag und Abend, an dem Ihre Freundin noch zur Freude aller hier weilte, sollen Sie noch einen kurzen Gruß haben. Mündlich werden Sie Bände zu hören bekommen, ich hoffe, Fräulein Dr. Noack wird Ihnen am laufenden Band, d.h. in rhythmischer Folge berichten. Achten Sie nur drauf, daß Sie nicht ins alte Gehirn gleitet. - Ihnen möchte ich nach Ihrem letzten Brief noch schreiben, daß Sie versuchen sollten, von der Nase aus Stützpunkte dem Zwerchfell zu geben; und zwar im Tiefgriff, nicht im Lebensatem bei Ton g vorne - c Mitte - f hinten in den Schenkeln, der Zwerchfellwurzeln beim Ausatmen. - Und nun weiter zu zweien -

Alles Gute und viele Grüße von uns beiden Hustedtern,

Clara Schlaffhorst und Hedwig Andersen.
 

 

1935  1936  1937  1938  1939  1940  1941  1942  1943  1944  Anhang