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Hustedt, 30. September 1935
Sehr geehrtes, liebes Fräulein Goebel !
An inliegender Karte ersehen Sie, daß ich Ihnen schon vor 8 Tagen einen Gruß schicken wollte.
Es lebt doch irgendwo zwischen Ihnen und uns weiter; es gelang mir
nicht, die Karte kam wieder, weil ich 8 statt 81 geschrieben hatte. In
meinem Buch steht aber Nummer 8 vermerkt. - Nun sende ich Ihnen die
Karte auf diesem Wege und hoffe, sie trifft Sie bei fester
Arbeit und bester Atmung. Wir rutschen schon nicht mehr vorwärts,
sondern es geht im Siebenmeilenschritt. Alles ist froh darüber und
täglich fliegen mir neue Worte zu ! Man soll aber nicht glauben, daß
die Schwere beendet ist - sie hält treulich Schritt. Hoffentlich können
auch Sie weiter.
Bitte Grüße Ihrer Freundin und Ihnen.
Ihre H. A.
Hustedt, 17. November 1935
Liebes, sehr geehrtes Fräulein Goebel !
Rund
vier Wochen sind seit meinem Geburtstag dahingeflogen, ja beinahe
gesaust und noch liegen unzählige Briefe zur Beantwortung da. Nun, da
Ihre Freundin wirklich hier ist, können Sie denken, wie sehr oft wir
Sie hierher wünschen. Das Leben ist grausam, wenn es gerade die
trennt, die vereint etwas Gutes schaffen würden. Könnten wir hier oder
sonstwo mit Ihnen beiden an der Hebung des Menschtums arbeiten !
Geduld, Geduld - Sie beide werden es noch erreichen. Ihre Freundin geht
hier ganz mit, zu aller und unser beider - Hedwig und meiner Freude.
Ist das nicht schön !! Sie überrascht es gewiß nicht; aber wir haben so
etwas unbockiges - also ganz Großes, Kluges noch nicht erlebt unter
unserer Gefolgschaft. Sie geht nicht nur mit, sondern hilft mit,
arbeitet zur Begeisterung mit allen Theorie in einer Weise, nach der
ich immer Sehnsucht gehabt habe. Und diese Schmach - ich konnte noch
nie dabeisein ! "nur nicht denken", nur weiter - mit jedem Atemzug.
Danke
Ihnen herzlich für Ihre lieben Worte. Ja, ich muß leben, denn so
schöpferisch wie nach meinem Geburtstag war ich noch nie. Mitten in
meinem eigenen Singen gebiert die Seele stetig neu - groß - einzig -
aber hoffentlich Erreichbares. Gern schrieb ich Ihnen Ideen; wenn ich
nur ahnte, was sich in Ihnen erhalten hat und wo Stockungen sind. Was
Sie dort aushalten müssen, weiß ich aus eigener Erfahrung. Viel Glück
wünsche ich Ihnen zu Ihrer Examensarbeit. - Alle sitzen am Kamin, ich
muß dorthin, seit ich alleine bin. Ilse Töpfer ist in Berlin. -
Viele herzliche Grüße, auch von meiner Freundin stets
Ihre Clara Schlaffhorst.
Auch ich warte, daß Sie wieder hier sind, oh.
Hustedt, 30. November 1935
Liebes Fräulein Goebel,
nach
einem wundervollen - "Wunder-vollen" Tag und Abend, an dem Ihre
Freundin noch zur Freude aller hier weilte, sollen Sie noch einen
kurzen Gruß haben. Mündlich werden Sie Bände zu hören bekommen, ich
hoffe, Fräulein Dr. Noack wird Ihnen am laufenden Band, d.h. in
rhythmischer Folge berichten. Achten Sie nur drauf, daß Sie nicht ins
alte Gehirn gleitet. - Ihnen möchte ich nach Ihrem letzten Brief noch
schreiben, daß Sie versuchen sollten, von der Nase aus Stützpunkte dem
Zwerchfell zu geben; und zwar im Tiefgriff, nicht im Lebensatem bei Ton
g vorne - c Mitte - f hinten in den Schenkeln, der Zwerchfellwurzeln
beim Ausatmen. - Und nun weiter zu zweien -
Alles Gute und viele Grüße von uns beiden Hustedtern,
Clara Schlaffhorst und Hedwig Andersen.
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