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z.Zt. Bad Eilsen, den 5. Juni 1941
Liebes Fräulein Goebel !
Ihr Brief vom 20. Mai und die Karte vom 26. April
- also doch falsch: natürlich umgekehrt - liegen schon lange zur
Beantwortung in
mir. Aber ich wartete noch die Nachricht vom Amtsgerichtsrat Goette ab.
Heute kam sie. So etwas wie Ferienruhe nach dieser Richtung giebt es
weder in der Arbeit, noch in den Ferien. Besagter Herr rief mich vor
Wochen an's Telefon. Man rief mich nicht; denn ich ruhte
gerade, schlief sogar und da gab's eine falsche Antwort. Er wollte nur
wissen, ob die Abmachung betreffs des Chorkonzertes im Januar bleibt ?
Von Harling sagt glatt ab, worüber ich sehr ärgerlich war, und dies
wieder durch einen Brief persönlich gut machen wollte. Nun schreibt er
mir, daß er sich sofort mit Gümmer in Verbindung gesetzt und eine
zusagende Antwort bekommen hätte; er legt das Chorkonzert für Winter
1942/43 fest. Da nennt man wie ? Pech und vielleicht auch nicht ! Ich
danke Ihnen für die etwaige Zusage - alle außer drei Faulen haben
freudigste Zustimmung gegeben. Denn wenigstens zum gemeinsamen Arbeiten
für Solosingen und falls unser Dirigent etliche Tage kommen sollte, für
etwaiges Chorsingen. Ich kann diesen einen Teil meiner Lebensarbeit
nicht stecken bleiben lassen;es muß zum Schluß kommen. Der Arm
möchte noch manchmal eigene Wege gehen (eben tat er es extra fein).
Das ist die eine Sache: die zweite in der Kulturkammer - Landesleiter
Gau, Lüneburg - erhielt ich eine Aufforderung junge, aufstrebende
Kräfte zu nennen, die in Aufführungen ihr Können zeigen sollen. Diese
dürfen das 30. Lebensjahr noch nicht überschritten haben. Das giebt
wenige davon. Aber auch Konzerte reiferer Künstler in Musik - Gesang -
Klavier sogar Instrumentalkünstler, können vom Herrn Landrat
Unterstützung für eventuelle Konzerte erhalten. Ich habe mich gemeldet
und man hat es dankend quittiert. und damit komme ich nun zu Ihnen,
liebes Herz. Da findet sich ein Weg zum Bekanntwerden Ihrer Gaben; es
stand auch eine Erwähnung Klavier achthändig auf zwei Klavieren. Sie
hätten also Auswahl. Ich finde diese Art der Öffentlichkeit durchaus
fördernd für alle diejenigen, die nicht schon auf eigenen Füßen stehn.
Soviel davon. Ach, ich habe noch Manches; aber reden wird mir leichter.
(Wir haben hier Gluthitze - alles auch sonst, was uns wohl tut; ich bin
gesund wie ehemals, nur der Arm braucht Pflege. Meiner Freundin geht es
täglich besser mit Fernlesen, kommt auf 6 Meter.)
erstens
die Freude über Weimars Gelingen. Wenn Anita nur gesünder wäre ! Die
Strapazen sind doch groß ! Daran denken doch nur wir. Mir ist
nun nicht der dahinterstehende Mensch als Resultat wichtig, sondern die
Tatsache, daß die Menschheit erfaßt, durch welche Kraft der Mensch das
vermag. Die Kraft selbst muß davor stehen. Wie oft erleben wir es schon
in unseren Räumen, daß alle mitjauchzen, sobald Natur sich als Form
erweist. Aber der Anfang ist getan; und soll es fortschreitend werden.
Anita Grauding ist ja, wie Sie es selbst erlebt, in der "Zuneigung" ein
Stück Weges geschritten. Ich danke Ihnen für Ihre Worte.
Nun
zu Ihnen; ich fürchte, Sie sind so belastet durch Geben an Andere, daß
Sie nicht einmal für materielle Seiten des Lebens Zeit haben. Am 1. Mai
wartete ich vergebens auf die Zusendung der Quittung, und jetzt im Juni
auch. Da ich hier nicht genau weiß, ob ich mit meiner Kasse reiche, wir
sind hier gut verpflegt und zahlen mehr, als wir es sonst getan, so
möchte ich es von hier aus nicht schicken. Wohl aber von Bevensen,
nachdem ich Ihnen Näheres geschrieben habe. Wir sind hier bis 10. Juni
und wohnen in Bevensen bei Uelzen - Haus Grau. - Da kam eine lange
Störung. Jetzt muß ich erst noch einmal lesen, was ich nicht
geschrieben habe. Das Lamento, das mir bei all denen, die ich noch zum
Teil unbewußt, aus meinen Händen lassen mußte, wo ich bestimmt weiß,
daß sie berufen sind, zur Erfüllung ihres Gottesgeschenkes - die Stimme
- zu kommen, könnte ich mir sparen. Sie kennen es; aber einen
Stoßseufzer muß ich tun; ich tue ihn ja nicht für mich. Wie ein Traum
liegt Hustedt hinter Ihnen, liebes Fräulein Goebel; für mich liegt er
noch vor mir. Können Sie denn wenigstens an das Erreichte heran, daß
Sie Augenblicke finden, in denen Sie "gut deutsch" sprechen ? Oder gar
singen ? Ohne üben zu müssen, einfach das für sich tun, was Sie vor
Publikum trotz allem erlebten ? Ein einfaches Ja genügt mir auf der
Karte; sogar Hieroglyphen würde ich verstehen. - Sie scheinen viel
Krankheit um sich zu haben ! Fräulein Bostedt, Krüger ! Sie sehen, wo
es hinführt, wenn Natur sich rächt. - Ich hoffe, Sie sind selbst gesund
und guter Dinge ! Meine Freundin grüßt herzlich und von mir lauter gute
Wünsche.
Ihre Clara Schlaffhorst
Bitte Grüße an alle, die nach uns fragen.
Bevensen, 22. Juni 1941
Liebes Fräulein Goebel !
Nun habe ich mein Versprechen wegen des Geldes
doch nicht einhalten können; natürlich nur für die
Ferienzeit. Da meine Freundin
ihr Kontobuch auf der Bank liegen hatte, hat sie, von sich aus, sich
Geld senden lassen, und ich konnte nun nicht zu dem Meinigen kommen.
Das ist mir Ihnen gegenüber peinlich. Sobald ich wieder daheim und in
Ordnung bin, das heißt zu meinem Kontobuch kommen kann, erhalten Sie
Nachricht. Wir haben dieses Mal - das Schreiben von Hustedt und allen
Andern war erschwerend - eine ganz herrliche Ferienruhe, das heißt
Miteinanderarbeiten gehabt. Dazu auch ein schönes "Draußen im Walde"
Leben. Heute kam die Kriegserweiterung durch Rußland wie eine Bombe in
unsere Ruhe gefahren. Ein Wort von Raabe und die Waldeinsamkeit unter
blauem Himmel, der Vogelgesang und das Glockengeläut brachte uns wieder
ins Gleichgewicht. "Das Ewige ist Stille, laut die Vergänglichkeit, -
Schweigend geht Gottes Wille über den Erdenstreit". Möge sich Sein
Wille, Deutschland zu erhalten, auch ferner auswirken. Von Fräulein
Friede's Wagner Konzert erhalten wir schöne Nachrichten. Sie ist mit
Blumen übersät empfangen und hat begeisternd gesungen. Kritik können
Sie dereinst lesen. So viel Briefe kamen noch nie in die Ferien; bald
ist Schluß damit. - Wir grüßen Sie beide herzlich und hoffen, daß es,
da Fräulein Krüger gesund ist, Ihnen gut geht.
Immer Ihre Clara Schlaffhorst
Hustedt, 27. November 1941
Liebes Fräulein Goebel !
Heute
nur schnell, damit Sie Antwort auf Ihren Brief haben, ein paar Zeilen
mit Grüßen und Dank für gute Nachrichten. Was Sie von allen Seiten her
belastet sind, weiß ich an meines Herzens Wehe. Doch man muß heutzutage
schweigend dulden. Es kommt vieles so anders, als man es für seine
wohlgepflegten Stimmen wünscht; und statt, daß sie die Herrschaft
findet über alles, was geschieht, erdrückt man sie aus Not um manches
Unwesentliche. Und doch kommen alle wieder, denn die zeit des Erkennens
rückt jedem auf den Leib. Wir beide ahnten viel von der kommenden Not;
aber eine solche Zeitstimmung erhofften wir uns für die heranwachsende
Jugend nicht. Noch können Sie Ihre Freude daran haben, für Andere da zu
sein, und ich wünsche es Ihnen auch weiter, daß Sie Stand halten
können. Nur nicht über das Maß hinaus. Ich bitte Sie herzlich darum.
Wir haben ja hinreichend Erfahrung darin, daß einmal dann doch der
Zusammenbruch kommt, denn für die heutige Art der Lebensführung muß
erst der Mensch als neuer Deutscher nicht nur erzogen, sondern geboren
werden. Diese Gebärtüchtigkeit ist bei den heutigen Müttern noch nicht
zu finden. Im Gegenteil, es wird immer noch unwesentlicher. - Also nun
zu Ihrem Herkommen.
Weil es
unbestimmt war, hatten wir Fräulein Grauding nichts gesagt. Ich hoffe
nur inständigst, daß Sie Urlaub bekommen. Sie können doch in Ihrem
Urlaubsgesuch angeben, daß es um keine Erholung, sondern um ein
Weiterstudieren geht. Dann giebt man es Ihnen eher; denn man ist doch
überall besorgt, daß die Jugenderzieher sich stetig vervollkommnen. Im
letzten Grunde ist es Schicksal für uns Alle. Wir haben, wie Sie sich
denken können, ungeheuer viel arbeiten müssen, und brauchen die Ferien
nötig; sie sind bis zum Montag, den 5. geplant, für uns wenigstens, die
wir im Hause bleiben. Der 1. Januar soll Donnerstag sein. Mit den
ersten Tagen geht die Woche leider zu Ende. Wie wär's, wenn wir dann
mit Ihnen am 5. Januar, am Montag, anfingen ? Wenn Sie keinen Urlaub
erhalten sollten, hätten Sie auch nur noch den einen Sonnabend - Früher als am Freitag können Sie nicht reisen ?! -
Nun
habe ich es Ihnen in Kürze geschrieben, wie die Dinge hier stehen, und
Sie schreiben mir persönlich, wann Sie kommen. Das Haus ist bis in das
Frühjahr hinein schon besetzt. Wir hatten viel und haben noch große
Freude an dem Fortschreiten aus innerster Kraft. Diese mobil zu machen
ist keine Kleinigkeit bei den schweren Zeiten. Frau Dr. Noack, bitte zu
grüßen; ebenso Fräulein Bostedt - Ihnen besonders herzliche Grüße von
uns beiden.
Ihre Clara Schlaffhorst
P.S.
Der Zettel wird für Dezember besorgt. Wir hörten Professor Hüsch - und hören am 4. Kempff!!!
Hustedt, den 19. Dezember 1941
Liebes Fräulein Goebel !
Die
Bescheinigung war bereits gestern geschrieben, ich wollte Ihnen noch
ein paar Worte mitsenden, die jedes erneute Mißverständnis unmöglich
machen.
In Ihrer vorletzten Karte
fragten Sie an, ob Sie wohl früher als am 5. kommen könnten ?
Selbstverständlich kommen Sie früher, denn am 5. zu reisen, möchten wir
Ihnen nicht raten. Erne ist gestern abend unter steter
Lebensgefahr bei uns eingerückt. Wenn Sie, liebes Fräulein Goebel, am
2. fahren, das ist am Freitag, so haben Sie etliche Ruhezeit hier. Ich
prüfe den augenblicklichen Stand am Sonnabend, und dann können Sie sich
für die eigentliche Stunde Montag schon vorbereiten. Wir beide waren
hocherfreut über die gutlautende Karte. Da haben Sie jetzt mehr davon
als im Oktober, wo es mir hauptsächlich auf die Lehrzeit für
unsere ältere Generation ankam. Wir wollen uns wünschen, daß diese
Hoffnungen auf eine Arbeitszeit erster Ordnung nicht zu Wasser werden
kann. Ihnen friedvolle Tage zum Fest wünschend, grüße Sie, auch von
meiner Freundin, herzlichst
Ihre Clara Schlaffhorst.
Bitte Bettwäsche, Mundtücher, Handtücher mitbringen oder zu schicken.
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