Historisches

11. Arbeit an den Archivarien

 


 

Vortrag am Ender der Arbeit (Kröger)

Sehr verehrte Gäste, liebe KollegInnen und SchülerInnen,

zunächst möchte ich mich dafür bedanken, daß ich Ihnen hier und heute von meiner Arbeit der letzten zwei Jahre berichten kann und darf. Den ersten Dank bin ich dabei der Schulleitung schuldig, die die Stelle einrichtete und sich durch eigene finanzielle Mittel an den entstehenden Kosten beteiligte. Dann darf natürlich auch nicht die Leistungsbereitschaft des Arbeitsamtes vergessen werden, das Vorhaben über zwei Jahre hinweg zu fördern. Erinnern möchte ich auch an die großzügige Spende der Handwerkskammer.

Danken möchte ich ‑ ohne Namen zu nennen ‑ auch all denjenigen, die mir hilfreich unter die Arme gegriffen haben, sei es bei Verständnisproblemen theoretischer wie praktischer Art oder etwa durch die Überlassung von Material.

Doch leider konnten nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, die die Arbeit im Archiv bot. Gerne hätte ich bereits zu Beginn meiner Tätigkeit konkretere Fragestellungen zu aktuellen Themen gehabt, denen eine historische Perspektive z.T. hätte zugute kommen können. Immerhin ergaben sich im zweiten Jahr meiner Tätigkeit hier in Bad Nenndorf einige Möglichkeiten. Ferner hätte ich mir eine enge Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis der Lehrervereinigung um Frau Prof. Rauschnabel gewünscht. Von dem, was ich über dessen Tätigkeit in Erfahrung bringen konnte, wird dort seit vielen Jahren exzellente Arbeit geleistet. Leider blieb mein Versuch, zu einer Zusammenarbeit zu gelangen, erfolglos. Als Zweckoptimist trage ich dennoch die Hoffnung, daß die Arbeitsergebnisse eines nicht allzu fernen Tages zusammenwachsen mögen. Man hätte gemeinsam sicherlich viel mehr erreichen können. So bleibt nur zu hoffen, daß sich die doppelt geleistete Arbeit in Grenzen hält.


Zunächst möchte ich versuchen mit der Hilfe von Hedwig Andersen und Clara Schlaffhorst selbst, Ihnen die Anfänge der beiden Schulgründerinnen um 1900 näherzubringen. Dies Unterfangen kann nur ganz wenige Aspekte berücksichtigen: Zu viel brodelte an Ideen und Nöten um diese Zeit. Und nach allem, was sich rekonstruieren läßt, nahmen Andersen und Schlaffhorst vieles davon wahr, ja beteiligten sich aktiv an den Zeitfragen. Durch eigene Erkrankung sensibilisiert fanden die beiden in der Atmung ihren individuellen, ihr ganzen weitere Leben bestimmenden Weg. Wohl im Jahr 1896 übersetzten sie Leo Koflers Buch „The Art of Breathing“ ins Deutsche. In den Arbeiten an dieser Übersetzung liegt der Grundstein für das „Werk Schlaffhorst-Andersen“.

Im Vorwort zur achten Auflage der „Kunst des Atmens“ von 1912 schreiben Andersen und Schlaffhorst:

Als im Jahre 1897 das vorliegende Buch in Deutschland erschien, da kam es gerade zur rechten Zeit, um einem bereits empfindlich gewordenen Bedürfnis nach theoretischer Klarheit und praktischem Übungsmaterial in bezug auf die Atmung abzuhelfen. Außerhalb der Sängerkreise aber stießen die Grundsätze des Buches, namentlich die Idee, daß das Atmen eine Kunst sei und daß man es lernen müsse, ja daß man Atemgymnastik treiben könne, im Publikum teils auf mitleidiges Lächeln, teils auf offenen und versteckten Hohn, bei der Mehrzahl der Ärzte aber teils auf vollkommene Passivität, teils auf entschiedenen Widerstand.

Wie sehr hat sich in diesen fünfzehn Jahren die Sachlage geändert! Heute hat sich in weiten Kreisen die Überzeugung Bahn gebrochen, daß die Regulierung und Kultivierung des Atmungslebens nicht ein törichtes und überflüssiges Beginnen, sondern ein zur Erhaltung, bzw. Wiedererlangung der Gesundheit äußerst geeignetes Hilfsmittel ist. Die Atemgymnastik ist in vielen Schulen eingeführt, in den meisten Sanatorien als wichtiger Heil- und Entwicklungsfaktor außerordentlich geschätzt; verschiedene Bücher über Atmung und Atemgymnastik, die alle mehr oder weniger offenherzig auf Kofler fußen, sind erschienen und zahlreiche Lehrkräfte wirken für die Verbreitung der Atemkunde, teils im Anschluß an die Ausbildung der Stimme, teils in Verbindung mit andern Übungen zur Kultur des Körpers.

... Was die Einatmungstätigkeit anlangt, so hat Leo Koflers Darstellung der vereinten Tätigkeit aller Atmungsmuskeln der im Gesangfach über diesen Punkt herrschenden Unsicherheit ein Ende gemacht und mit dem bis dahin üblichen »Methoden«schwindel gründlich aufgeräumt. Sie ist bisher, als auf streng physiologischer Basis beruhend, weder von fachtechnischer, noch von wissenschaftlicher Seite bestritten worden, sondern allgemein als richtig anerkannt und hat sich auch in der Praxis als äußerst förderlich für die Gesundheit wie für die Elastizität der Stimmbänder erwiesen. Es würde zu weit führen, wollten wir hier nur das in dieser Richtung zu unsrer Kenntnis gelangte Material anführen. Jedenfalls ist die Atmung berufen, auch auf therapeutischem Gebiet in Zukunft noch eine große Rolle zu spielen.

Einem weiteren Rückblick resümiert Schlaffhorst die anfänglichen Probleme, die einer Klärung näher gebracht werden mußten:

Aber auch über das rein körperlich Wahrnehmbare der Atmung herrschten vor dreißig Jahren und herrschen zum Teil vielleicht auch heute noch die widersprechendsten Ansichten in der Wissenschaft. Ob Hoch- oder Tief-, Flanken-, Zwerchfell- oder Bauchatmung; ob die Frau diesen oder jenen Typus aus physiologischen Gründen haben müsse oder dürfe; ja, ob das Korsett nützlich oder schädlich oder gar notwendig; ob Nasenatmung beim Sprechen und bei schnellen Bewegungen möglich sei — mit solchen und ähnlichen Fragen mußten wir uns damals ernsthaft herumschlagen.

Die Gymnastin Hedwig Kallmeyer hatte zu Beginn des 20. Jahrhunderts ähnliche Erfahrungen gemacht. Sie schrieb rückblickend, indem sie sich an das Buch von Paul Schultze-Naumburg über „Die Kultur des weiblichen Körpers als Grundlage der Frauenkleidung“ aus dem Jahr 1901 erinnert: Es zeigte an der Hand vieler Bilder in erschreckender Weise die Schädigungen des Frauenkörpers durch das Korsett. In eine wahre Folterkammer gewährte dieses Buch Einblick. Der deutsche Frauenkörper war in einer geradezu trostlosen Verfassung. Ich empfand, daß die Reform der Frauenkleidung allein nicht imstande sein würde, die Frau aus ihrer Not herauszuführen. Gymnastik und besonders Atemschulung mußten hinzutreten.

1906 ging sie zu Geneviève Stebbins nach New York, um bei ihr Gymnastik, Stimmbildung und Vortragskunst zu studieren. Für Stebbins war die Atmung das A und O. Sie wollte die Durchgeistigung des Menschen und eine Brücke schlagen zwischen Körper und Geist. Atmung, das Geistigste im Körperlichen, sollte die Verbindung schaffen. Als Kallmeyer erfüllt von diesen Ideen nach Deutschland zurückkam, wagte sie es nicht, wie sie später schrieb, diese Dinge in ihrem vollen Umfange zu lehren, denn die meisten Menschen hätten mich nicht verstanden.

Anders Hedwig Andersen und Clara Schlaffhorst. Sie hatten nicht nur den Mut zum Ablegen des Korsetts, von dessen „Sicherheit“ sich Schlaffhorst zunächst nur ungern trennen wollte, sondern auch dazu, im Unterricht diesen Brückenschlag zu wagen. In der Öffentlichkeit wurde davon jedoch noch nicht viel sichtbar. Hier stand der hygienische Aspekt der Atmung im Vordergrund, der erste etwa auf 1900 datierbare Werbezettel pries an:

·       Erlernung der natürlichen, auf vereinter Thätigkeit aller Atmungsmuskeln beruhenden Einatmung.

·       Atemübungen zur Stärkung der Lungen und zur Erweiterung des Brustumfanges. Ärztlich verordnet gegen Bleichsucht, allgemeine Nervosität, speziell nervöse Herz- und Magenleiden, Lungenleiden, Asthma, Verdauungs-Störungen.

·       Übertragung der richtigen Atmungsthätigkeit auf Sprache und Gesang.

·       Kunstgemäße Beherrschung der Ausatmung als Basis der Tonerzeugung. Wiederherstellung kranker, durch Überanstrengung und unnatürliche Atmung verdorbener Stimmen. Behandlung von Sprachfehlern, Stottern etc.

Eine Aufgabenteilung zwischen Andersen und Schlaffhorst ist annehmbar; Andersen, die zumindest in Berlin als Erste die Berufsbezeichnung einer Lehrerin für Athem-Gymnastik führte, wird sich um die natürliche Einatmung, Schlaffhorst als Gesangslehrerin um die kunstgemäße Ausatmung der Schüler gekümmert haben.

Hedwig Andersen war dann diejenige die erkannte, daß die Erlernung der physiologischen Atmung nicht erst beim Erwachsenen einsetzen dürfe, also als Therapie krankhafter Erscheinungen, sondern bereits bei der Erziehung zu Hause wie in der Schule einsetzen müßte. Diese schon 1898 aufgestellte Forderung lief aber an den Möglichkeiten der Zeit vorbei, denn wer hätte diese Unterweisung leisten sollen. Sie selbst stellte 1915 fest:

so wächst es [i.e. das Kind, RK] heran, ohne wahres inneres Leben, behaftet mit den traurigen Folgen der Mundatmung und mit einer Schlaffheit der innern Muskeln, die zahlreiche körperliche Leiden und jene geistige Schwerfälligkeit im Gefolge hat, die die Verzweiflung der Lehrer bildet.

Gegen diese Vernachlässigung bilden die Atemübungen, wie sie in der Schule zwischen den Stunden gemacht werden, kein genügendes Gegengewicht, zumal sie allermeist falsch, d.h. mehr mit äußeren als mit inneren Muskeln gemacht werden und infolgedessen nicht entfernt den Erfolg haben können wie Atemübungen, wenn sie richtig gemacht werden.

Konsequenterweise wurde von Anfang an auch immer wieder der Wunsch ausgesprochen, daß die ErzieherInnen und LehrerInnen sich mit der Atmung mehr auseinandersetzen sollten. Schließlich entstand daraus die Idee für ein Kinderheim und eine Schule. Doch dazu später.

Wenn bisher als Akteurin vornehmlich Hedwig Andersen erschien, so liegt dies vornehmlich daran, daß Clara Schlaffhorst erst 1920 mit einem eigenen Aufsatz an die literarische Öffentlichkeit trat. Einer der ältesten von Schlaffhorst überlieferten Briefe beweist aber, daß sie ebenfalls schon zu Beginn des 20. Jh. über ihre später immer wieder aktualisiert formulierten Ideen Gedanken gemacht hatte. Da der Brief noch in den 30er Jahren abschriftlich unter den Ausbildungsschülerinnen kursierte. Mag man in ihm eine Art frühen Vermächtnisses sehen. Sie schrieb ihre „Gedanken über Kunst und Künstler“ im Jahre 1906 an eine Schülerin (Frl. Cantor):

Der singende Mensch ist durch seine Stimme von der Natur gekennzeichnet als ein Individuum, in welchem Kräfte latent ruhen, die der Entwicklung fähig sind, wenn der moralische, physische und geistige Mensch diese erträgt. Diese Entwicklung erfordert in erster Linie eine vollständige Umwertung und Umwandlung aller physischen und damit geistigen und seelischen Funktionen. Der Mensch, besonders derjenige, der mit schöner Stimme begabt, wird gerade durch das, was ihm zum höchsten Segen gereichen sollte, was ein gütiges Geschick ihm unverdientermaßen in den Schoß gelegt, zum selbstsüchtigen, eitlen, oberflächlichen Geschöpf, wenn er nicht noch beizeiten über sich und seine Fähigkeiten erwacht und instinktiv oder bewußt empfindet, daß sein Naturgeschenk nicht in allen Punkten ideal beanlagt ist und daß er durch den Beifall der Menge nicht befriedigt wird. In dem Moment fängt er an nachzudenken; er sucht und findet stets einen Menschen, Freund und Lehrer, der ihn auf den richtigen Weg leitet. Hat er dann einmal die Augen aufgetan und lernt er einsehen, worauf es im letzten Moment beim Sänger ankommt, auf die höchste Entwicklung der technischen Mittel (Atem - Stimme und Artikulation) zur Erreichung der kleinsten künstlerischen Leistung, dann erst geht ihm zum ersten Mal die Idee auf, daß er nicht die Technik dazu erlernt, um seine Gedankenwelt der Außenwelt zu vermitteln, das wäre Verstandesarbeit, sondern daß er sie als notwendige Brücke zu seinen geheimsten inneren körperlichen, seelischen und geistigen Fähigkeiten braucht, damit diese genährt, gereinigt werden und sich zu der Größe entwickeln können, nach der sie sich sehnen. Mit diesem Moment ist jedes oberflächliche Sängertum abgestreift wie eine äußere Hülle, in welcher der Mensch so lange gesteckt, oft „der Not gehorchend, nicht dem inneren Triebe“ und er ist ein Künstler in des Wortes höchster Bedeutung. Als solcher gibt er jeder, auch der kleinsten Leistung eine persönliche Note, durch die er sich von seinen singenden Kollegen unterscheidet, die nur nachahmen, statt innerlich zu durchleben, nur nachbilden, statt selbst zu erzeugen [vermag].

Diese Gedanken setzen ein ganzheitliches Menschenbild voraus. Die Verbindung von der Stimme mit von dieser ausgehenden entwicklungsfähigen Kräften wird gesehen. Besonders wichtig erscheint mir die Einschätzung der technischen Mittel von Atem, Stimme und Artikulation, deren Wert sich nicht in Äußerlichkeiten zeigt, die beklatscht werden können, oder der Selbstdarstellung dienen sollten, sondern sie werden als Brücke der sich entwickelnden körperlichen, seelischen und geistigen Fähigkeiten gesehen. Kunst auf dieser Stufe ist dann das eigene kreative Schaffen und Erleben. [***Verbindung zu Kunsterziehungsbewegung***]

Wie sah der Weg aus, den Clara Schlaffhorst und Hedwig Andersen für alle Menschen gleichermaßen gangbar fanden. Darüber schreiben die Damen leider selten explizit. Es ist die je individuelle Suche nach der „Natur in uns“ und ihrem Gesetz. Schlaffhorst und Andersen fanden diese Natur bei den meisten Menschen durch äußere wie innere Einflüsse und Zwänge verschüttet. Durch Erspüren und damit ins-Bewustsein-Heben der Regenerationskräfte und des rhythmischen Prinzips ‑ wie man heute vielleicht für Natur und Gesetz sagen würde ‑ erschlossen sich Schlaffhorst und Andersen selbst völlig neue Welten. Sie entdeckten dabei komplexe Wechselwirkungen zwischen Atmung, Stimme, Bewegung und der leiblich-seelischen Empfindung bzw. Entwicklung sowie der Freisetzung kreativer Fähigkeiten. Mit Hilfe der von ihnen erprobten Übungen führten sie ihre SchülerInnen auf demselben Weg. Es würde den Rahmen des Vortrages bei weitem sprengen und wäre anmaßend, wollte ich hier das Konzept detaillierter darstellen. Zur Erreichung war ein weitgehendes Einlassen der SchülerInnen notwendig. Schlaffhorst schrieb darüber:

Das ganze äußere Leben mit seinen Gewohnheiten in Nahrung und Kleidung, in Arbeit und Spiel, in Bewegung und Ruhe, in Haus und Schule, in Rede und Gesang muß auf eine viel schlichtere, einfachere Grundlage gestellt werden; muß vom rein Intellektuellen weiter ab und in die Natur tiefer hinein geführt werden als bisher.

Die Abwendung vom Intellektuellen als vom Willen Beeinflußten und damit potenziell Unnatürlichen stellt dann auch das pädagogische Grundkonzept dar. Schlaffhorst begrüßte dann auch die mannigfachen Reformen im Schulwesen, die Einführung von Spiel, Sport, Tanz, Turnen, Wandervogelbewegung usw. Nach ihrer Beobachtung zielte alles darauf hin, der einseitigen Ausbildung in allen geistigen Disziplinen auch eine ausgleichende Bildung des Körperlichen hinzuzufügen. Ja, es hatte längere Zeit fast den bedrohlichen Anschein, als würde man nun aus einem Extrem ins andere fallen und sich ganz in der Betonung des Körpers verlieren, wie es früher mit der Bildung des Geistes geschehen war. Doch verlören alle diese Bestrebungen viel von ihrem Nutzen, weil dabei weder die Atembewegung beachtet wird, noch der Rhythmus der äußeren und inneren Muskeln ein richtiger ist. Würde das der Fall sein, so wären alle diese Reformen ein ganz hervorragendes Mittel zur Erziehung der Natur im Gegensatz zur Erziehung des Menschen.

 

Es ist schon etwas Besonderes um unser Werk und um die Auffassung, die uns eingehämmert wird. Manchmal dünkt sie einem zu schwer ‑ zu gehalten. aber Kunst ist so und es gab wohl lange keine Stätte, wo so um das Wesen, um den Kern des Schöpferischen gerungen wurde: als Schule. Die meisten, die herkommen, kommen nicht um dieses Sinnes willen ‑ sondern einfach um normal atmen zu lernen ‑ besser zu sprechen ‑ freier zu singen. Die Gedanken fassen darum das, was dahinter steht, so schwer und die meisten legen es noch falsch aus. Wie schwer ist es selbst uns, und wird es uns oft noch, die wir auch nicht kamen, um dieses inneren Sinnes willen. Wennschon wir jetzt getragen sind davon. [Brief von Ottmer, 1939]


 

Innere Entwicklung der Schule Schlaffhorst-Andersen versus verschiedene Zielgruppen: Kranke ‑ Kinder ‑ Künstler

 

Lange habe ich in den letzten Tagen mit mir gerungen, ob und wenn ja welche ‑ wenn Sie so wollen ‑ zukunftsweisenden Perspektiven ich aus der Beschäftigung mit der Geschichte von Schlaffhorst-Andersen heraus formulieren sollte, denn Geschichte sollte nicht nur als Selbstzweck betrieben werden, sondern auch einen Gegenwartsbezug haben. Das fällt bei einer noch bestehenden Institution ‑ wie dem Werk Schlaffhorst-Andersen ‑ leichter, als bei der Beschäftigung mit Themen ohne Kontinuität. Im Mittelpunkt meiner Überlegungen stand dabei die Frage, ob der Schulleitung zu empfehlen sei, sich über die Ausbildung von Atem- Stimm- und Sprechlehrern hinaus stärker zu engagieren, als man dies bisher tut.

Im historischen Rückblick zeigt sich, daß es eine Reihe von Unterschieden zwischen der Schule von Clara Schlaffhorst und Hedwig Andersen und dem heutigen Ausbildungsbetrieb der Schule Schlaffhorst-Andersen gibt.

Ein grundlegender Unterschied besteht vor allem hinsichtlich der Zielsetzung der Schulen. Heute ist das Ziel / Hauptanliegen, qualifizierte Ausbildung anzubieten und so individuelle Voraussetzungen für einen erfolgreichen Berufseinstieg der AbsolventInnen zu schaffen. Sie ist dabei als staatlich anerkannte Ersatzschule an die Verordnung über die Berufsbildenden Schulen (BbS-VO) und deren Ergänzungsbestimmungen (wozu u.a. die Stundentafel gehört) gebunden.

Ganz anders stellte sich dies in Berlin, Rotenburg oder Hustedt dar. Die Zielsetzung ist weitaus schwerer zu fassen. Darauf werde ich noch zu sprechen kommen. Fest steht allerdings, daß die Ausbildung von Lehrerinnen erst in Hustedt ‑ besonders nach der Übernahme der Trägerschaft durch die Gesellschaft der Freunde ‑ in den Vordergrund trat.

 

Es ist noch längst nicht alles geschafft, doch ich denke und hoffe, daß ein wesentlicher Schritt getan wurde.

Zum Abschluss möchte ich eine dringende Forderung aufstellen. Sie richtet sich an alle Interessentengruppen innerhalb des Gesamtwerkes Schlaffhorst‑Andersen: die Ausbildungsstätte in Bad Nenndorf mit dem CJD, als dem dahinterstehenden Ausbildungsträger, den Berufsverband der Atem-, Sprech- und Stimmlehrer (ehemals Lehrervereinigung) und den Freundeskreis der Schule Schlaffhorst-Andersen.



Ende Vortrag am Ende der Arbeit (Kröger)
 

 


11. Arbeit an den Archivarien

 

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