Historisches

Gesellschaft der Freunde (Freundeskreis)

 


 


Rundschreiben 1928-1950

Rundschreiben der Gesellschaft der Freunde der Rotenburger Schule (Schlaffhorst‑Andersen)


maschschr. Rundschreiben

Leipzig, den 20. Januar 1928

Ihre Durchlaucht

Fürstin Emma zu Solms-Lich

Lich/Oberhessen

Mit der Rotenburger Woche vom Juli 1926 wurde zum ersten Male der Versuch gemacht, die Arbeit der Rotenburger Schule (Schlaffhorst-Andersen) theoretisch und praktisch einem größeren Freundeskreise vorzuführen. Die Rotenburger Schule macht sich zur Aufgabe die Erziehung des Menschen in seiner Gesamtheit durch die Arbeit an Atmung und Stimme. Mit dieser wichtigen Aufgabe sollte sich jeder von uns, dem die Zukunft des deutschen Volkes am Herzen liegt, auseinandersetzen und sie fördern. Die helle Begeisterung, die während der Tagung bei den Teilnehmern ausgelöst wurde, führte zu einem Zusammenschluss von Freunden dieser Arbeit. Im Dezember 1927 wurde dieser Vereinigung eine festere Form gegeben, um die Wirkungsmöglichkeit des Einzelnen zu steigern und der schon ansehnlichen Rotenburger Gemeinde das Bewußtsein ihrer Zusammengehörigkeit zu erhalten. Die Satzung dieser „Gesellschaft der Freunde der Rotenburger Schule (Schlaffhorst-Andersen)“ liegt bei. Sie stellt sich unter anderen zunächst die folgenden Aufgaben:

Behörden, Lehrer, Aerzte, Musiker u.a. für die Rotenburger Arbeit zu interessieren,

jungen Leuten, die hervorragend für die Rotenburger Arbeit geeignet sind, die Ausbildung zu ermöglichen,

räumliche Erweiterung von Mutterhaus und Versuchsschule herbeizuführen,

weitere Kreise durch Tagungen, Vorträge, Chorkonzerte u.s.w. mit der Rotenburger Arbeit bekanntzumachen.

Weitere Auskünfte über die Rotenburger Schule und Arbeit vermittelt gern die Geschäftsstelle.

Wir bitten das Rotenburger Werk durch Ihre Mitgliedschaft zu unterstützen und sich der anliegenden Postkarte zur Anmeldung und Aufgabe weiterer Anschriften zu bedienen.

GESELLSCHAFT DER FREUNDE DE ROTENBURGER SCHULE

                 (gez.) Franz           (gez.) Werner      (gez.) Reichel          (gez.) Ziemer

Anlagen:

Satzung

Vortrag

Anmeldekarte nebst Zahlkarte.


maschschr. Rundschreiben

Weihnachten 1929

An unsere Freunde!

Seit im Dezember 1927 die Gesellschaft der Freunde der Rotenburger Schule ins Leben gerufen wurde, sind 2 Jahre vergangen. Wenn bisher noch keine ordentliche Mitgliederversammlung einberufen wurde, so lag dies an den wirtschaftlichen Verhältnissen, die größte Sparsamkeit verlangten. Der Vorstand der Gesellschaft der Freunde hat aber in dieser Zeit weiter stille Arbeit geleistet zur Erreichung der angestrebten Ziele. In verschiedenen Eingaben an das Ministerium ist es gelungen, die Behörden für die Rotenburger Arbeit zu interessieren. Die Celler Tagung im August 1928 war ein sichtbares Zeichen für das Zusammengehörigkeitsgefühl von Schule und Freunden.

Es ist uns daher ein Vergnügen, einen Abdruck der Begrüßungsrede, die Fräulein Clara Schlaffhorst bei dieser Tagung gehalten hat, unseren Mitgliedern als Weihnachtsgabe zu überreichen. Wir hoffen, mit diesem wertvollen Vortrag unseren Freunden eine Freude zu bereiten. Alle werden hinter den Worten etwas von der lebendigen Quelle spüren, von der unsere ganze Bewegung gespeist wird; alle werden daraus eine Anregung schöpfen, sich mit Wesen und Zweck der Rotenburger Arbeit, mit der wir uns verbunden fühlen, erneut vertraut zu machen. Schließlich möchten wir Ihnen noch davon Kenntnis geben, daß wir voraussichtlich im April 1930 eine ordentliche Mitgliederversammlung nach Berlin einzuberufen beabsichtigen, zu der die Leitung und der Chor der Rotenburger Schule ihre Mitwirkung freundlichst in Aussicht gestellt haben. Näheres wird den Mitgliedern zu gegebener Zeit noch bekanntgegeben werden. — Mit frohen Wünschen zum Weihnachtsfest und zum bevorstehenden Jahreswechsel grüßt der Vorstand der

Gesellschaft der Freunde der Rotenburger Schule

     (gez.) Franz     (gez.) Werner      (gez.) Reichel     (gez.) Ziemer



maschschr. Rundschreiben mit eigenhändigen Unterschriften

Gesellschaft der Freunde                                Schriftleitung

der Schule Schlaffhorst-Andersen                   Hustedt-Jägerei b.Celle, den 21. März 1937.

Sehr geehrtes Mitglied!

1.  Seit längerer Zeit war vorgesehen, die satzungsgemäß fällige Mitgliederversammlung, bei der unter anderem Rechnungslegung, Entlastung und Neuwahl des Vorstandes zu erfolgen haben, im Rahmen einer öffentlichen Tagung der Schule Schlaffhorst Andersen zu Veranstalten. Fräulein Schlaffhorst hält jedoch den Zeitpunkt jetzt nicht für günstig, und die Tagung ist auf ihren Wunsch verschoben worden.

Da aber vielen Mitgliedern die Reise allein zur Versammlung nicht lohnen würde, und doch auf der andern Seite eine angemessene Beteiligung die Versammlung sinnvoll und für die Weiterarbeit förderlich macht, stellen Fräulein Schlaffhorst und Fräulein Andersen ihr Haus in der Zeit vom Mittwoch, 12. Mai (Anreisetag) bis zum Donnerstag, 20 Mai (Abreisetag) für eine Mitgliederarbeitswoche zur Verfügung, in deren Verlauf am Montag, 17.Mai 16 Uhr die Versammlung stattfinden wird. Die Mitglieder haben somit Gelegenheit, den Besuch der Versammlung mit einer Woche persönlicher Arbeit im Hustedter Mutterhause zu verbinden.

Da es sich um die Pfingstwoche handelt, hoffen wir, dass möglichst viele Mitglieder sich werden freimachen können, wenn auch nicht in jedem Falle für die ganze Woche, so doch für mehrere Tage. Mitglieder, bei denen der Besuch allein an der Geldfrage scheitern würde, bitten wir, einen Antrag auf Reise, notfalls auch auf Aufenthaltszuschuss an die Gesellschaft zu stellen. (Kosten für Unterkunft und Verpflegung täglich 5 RM, wozu etwaige Stundengelder kommen, die für einen normalen Arbeitstag 4 RM betragen.) Damit diesen Anträgen weitgehend entsprochen werden kann ‑ was aus laufenden Mitteln schwierig sein dürfte ‑ bitten wir die Mitglieder, die dazu in der Lage sind, einen Sonderbeitrag für diesen Zweck zu stiften.

2.  Die Mitgliedsbeiträge für l936 sind fast ausnahmslos pünktlich überwiesen worden, und wir danken Ihnen herzlich dafür! Für den Mitgliedsbeitrag 1937, soweit er nicht erfreulicherweise bereits selbständig bezahlt wurde, legen wir eine Zahlungsaufforderung und Zahlkarte bei.

Den anliegenden Rechnungsbericht über die Jahre 1935/36 bitten wir zu prüfen und zur Versammlung mitzubringen.

Außerdem erhalten Sie eine Einladung zur Mitgliederversammlung und einen Vordruck für die Antwort.

Alle sonstigen Fragen und Antworten bitten wir der Mitgliederversammlung vorbehalten zu dürfen.

Mit bestem Gruß!



Wilh. Menzel

Gräfin Bredow

Anita Grauding

Dora Idler

1. Vorsitzender Hirschberg i. Schles. Hermann Göringstr, 102

2. Vorsitzende Seefeld i./Pom.

Schriftführerin Hustedt Jägerei bei Celle

Schatzmeisterin Leipzig Beethovenstr. 14



maschschr. Rundschreiben

Hustedt, 18.V.37.

Niederschrift

über die Mitgliederversammlung der Gesellschaft der Freunde
der Schule Schlaffhorst-Andersen.
Hustedt bei Celle, 17.V.1937, 4 Uhr nachmittags.

Die zu Beginn der Versammlung vorgenommene Prüfung der Vollmachten ergab für die anwesenden Mitglieder folgende Stimmverteilung:

 

Eigene Stimme

übertragene Stimmen

Gesamte Stimmzahl

Frau Irma v.Arnim, Berlin

1

2

3

Frl. Bertha Benedix, Kiel

1

-

1

Frau Lotte Bleuel-Bucher, Breslau

1

2

3

Gräfin Maria Bredow, Seefeld

1

4

5

Frl. Annemarie Fischer, Eutin

1

-

1

Frl. Helene Gertz, Kiel

1

6

7

Frl. Elisab.Goebel, Kiel

1

-

1

Frl. Anita Grauding, Hustedt

1

27

28

Frl. Helene Hammacher, Essen

1

3

4

Frl. Irmgard v.Harling, Eversen

1

1

2

Frl. Dora Idler, Leipzig

1

26

27

Frl. Ursula v.Kalben, Vienau

1

-

1

Frl. Dorothea Kalk, Freienwalde

1

2

3

Herr Dr. Friedr. Kammerer, Wolfenbüttel

1

-

1

Herr Stud.Rat Martin Krüer, Peine

1

-

1

Frl. Ilse Krüger, Oberweimar

1

11

12

Herr Landesbaurat Lowes, Nordhausen

1

1

2

Frau Lowes, Nordhausen

1

-

1

Herr Wilh. Menzel, Hirschberg

1

5

6

Frl. Martaluise Merckens, Bonn

1

1

2

Herr Dr. Meyer zu Schwabedissen, Bielefeld

1

-

1

Frl. Erne u. Magda Nissen, Berlin vertret. durch Frau v.Arnim, Berl.

2

-

2

Frl. Elisab. Noack, Kiel

1

-

1

Frl. Grete Ottmer, München

1

8

9

Herr Dr. Karl Pörschke, Kiel

1

-

1

Frl. Annemarie Penner, Barmen

1

1

2

Frl. Annemarie Roloff, Hustedt

1

-

1

Frl. E. Ruppel, Stettin

1

-

1

Frl. Edith Schmidt, Preetz

1

-

1

Frl. Helene Schönfeld, Düsseldorf

1

-

1

Frl. Gertrude Schümann, Hamburg

1

4

5

Frl. Anka Schulze, Rotenburg

1

14

15

Frau Marie Selbmann/Schlaffhorst, Rotenburg

1

-

1

Frau Irmgd. Seyd, Wuppertal Barmen

1

1

2

Frl. Waltraut Seyd, ‑ “ ‑

1

-

1

Fürstin Carl zu Solms Lich, Lich

1

4

5

Prinzess. Elisab. zu Solms Lich

1

4

5

Frau Gertr. Thymian, Berlin

1

1

2

Frl. Ilse Toepfer, Berlin
vertr. durch Frau v.Arnim, Bln.

1

15

16

Frl. Gertr .Wetzel, Braunlage

1

-

1

 

 

 

184

Keine Vollmacht hatten eingesandt

 

 

23

Gegenwärtiger Mitgliederstand

 

 

207

[2] Es folgt die Erledigung der Tagesordnung

I.      Ernennung von Ehrenmitgliedern

II.     Rechnungslegung.

III.    Neuwahl des Vorstandes

IV.    Einige Maßnahmen für die Weiterarbeit, beschlossen vom Vorstand auf seiner Sitzung am 21.II. in Hustedt.

V.     Sonstige Anträge und Anregungen für die Weiterarbeit.

 

Zu Punkt I.

Der Vorsitzende, Herr Dr. Menzel, begründet den Antrag des Vorstandes, der dahin geht, der engen Zusammenarbeit und dem herzlichen Einvernehmen zwischen der Gesellschaft und den beiden Gründerinnen der Schule durch die in § 3 der Satzungen vorgesehene Ernennung zu Ehrenmitgliedern der Gesellschaft die angemessene Form zu geben.

Der Antrag wird einstimmig mit 184 Stimmen angenommen.

Fräulein Schlaffhorst und Fräulein Andersen nehmen den Antrag an.

Die Zahl der vertretenen Stimmen erhöht sich damit auf 186.

Zu Punkt II.

Herr Menzel wiederholt die Angaben des Kassenberichtes, der den Mitgliedern zusammen mit der Einladung zur Mitgliederversammlung am 31.3. zugesandt wurde.

Es ergibt sich am 1.1.1937 ein Barvermögen von  2385,71 RM

dazu Darlehenskonten in Höhe von                      3885,--

Gesamtvermögen der Gesellschaft                        6270,71 RK

Die Bücher sind geprüft und richtig befunden durch Herrn Walther Schmidt, Leisnig in Sa. und Herrn Landesbaurat Lowes.

Im Namen der Gesellschaft dankt Herr Dr. Menzel der Schatzmeisterin, Fräulein Dora Idler und Herrn Walter Schmidt für die sorgfältige Arbeit.

Herr Lowes beantragt die Entlastung der Schatzmeisterin und des übrigen Vorstandes. Die Entlastung erfolgt einstimmig mit 186 Stimmen.

Zu Punkt III.

Es liegt ein Antrag von Fräulein Ilse Toepfer, Berlin auf Änderung der Zusammensetzung des Vorstandes, da die Arbeit des Vorstandes in seiner gegenwärtigen Zusammensetzung ungenügend, ja, in mancher Hinsicht sachlich schädlich gewesen sei. Der Antrag wird im Wortlaut verlesen. Frau von Arnim, Berlin, die von Fräulein Toepfer mit der Vertretung beauftragt ist, erläutert den Antrag näher. Da Fräulein Toepfer nicht zugegen ist, enthält sich der Vorstand vor der Abstimmung jeder Stellungnahme gegen den Antrag.

Die Abstimmung ergibt             16  Stimmen für den Antrag

                                                  2  Stimmenthaltungen

                                               168  Stimmen gegen den Antrag.

Der Antrag ist damit abgelehnt.

[3] Im Namen des Vorstandes stellt Gräfin Bredow den Antrag auf Wiederwahl des Vorstandes mit folgender Begründung:

1.)     Der Vorstand hat das Vertrauen von Fräulein Schlaffhorst und Fräulein Andersen.

2.)     Die Arbeitsleistung des Vorstandes hat den gerechterweise zu stellenden Forderungen entsprochen.

3.)     Diese Arbeitsleistung ist ermöglicht durch reibungslose persönliche Zusammenarbeit des gesamten Vorstandes. Alle wichtigen Maßnahmen sind gemeinsam beraten und beschlossen worden. Erforderte bei rasch zu fassenden Entschlüssen die räumliche Trennung die Einzelhandlung von Vorstandsmitgliedern, so hat sie stets die nachträgliche Billigung des Gesamtvorstandes erhalten.

4.)     Die großen Anforderungen an Personen- und Sachkenntnis bedingen möglichste Stetigkeit der Geschäftsführung.

Die Abstimmung ergibt           166  Stimmen für den Antrag

                                                  2  Stimmenthaltungen

                                                16  Stimmen gegen den Antrag.

Damit bleibt der Vorstand wie bisher, nämlich:

1. Vorsitzender: Herr Dr. Wilhelm Menzel, Hirschberg/Schlesien. Hermann Göringstr. 102

2. Vorsitzende: Gräfin Maria Bredow, Seefeld / Pommern.

Schriftführerin: Fräulein Anita Grauding, Hustedt Jägerei über Gelle

Kassenführerin: Fräulein Dora Idler, Leipzig. Beethovenstr. 14

und ist auf zwei weitere Jahre gewählt.

 

Zu Rechnungsprüfern werden einstimmig gewählt:

Herr Walter Schmidt, Leisnig i. Sachsen

Herr Landesbaurat Lowes, Nordhausen.

Arbeitsausschüsse wurden nicht gewählt, da die Bildung von Ausschüssen nach der Satzung Sache des Vorstandes ist und von Fall zu Fall erfolgen wird.

 

Es folgt der Bericht über die Tätigkeit des Vorstandes und über die seiner Geschäftsführung.

Die Gesellschaft hat dem Werk von Fräulein Schlaffhorst und Fräulein Andersen zu dienen.

Diese Sachlage ergibt für den Vorstand eine große Bescheidenheit in der Beurteilung der Möglichkeiten seines Tuns. Gegenüber der schöpferischen Leistung von Fräulein Schlaffhorst bedeutet seine Tätigkeit eine mehr äußere Hilfeleistung.

[4] Der Vorstand erklärt ausdrücklich, dass er deshalb alle wesentlichen Maßnahmen im Einverständnis mit Fräulein Schlaffhorst und Fräulein Andersen getroffen hat und treffen wird, und dass er den beiden Leiterinnen zur Verfügung gestanden hat, wenn sie seinen Rat wünschten. Seine Aufgabe sieht der Vorstand darin, Fräulein Schlaffhorst nach Möglichkeit die Wege für ihre schöpferische Tätigkeit zu ebnen, ihr den Rückhalt in der Einigkeit und dem Glauben der zum Werk gehörenden Menschen zu geben, dessen sie zum Schaffen bedarf, ihr die Menschen zuzuführen, in denen sie wirken kann, die Arbeit in sich selbst und im Dienst der Sache stehenden Menschen weiter zu treiben.

Diese Auffassung seiner Aufgaben liegt der Tätigkeit des Vorstandes zu Grunde ‑ sie ist es, die jetzt zu der Pfingst-Arbeitswoche und zu der Form, in der sie veranstaltet wurde, geführt hat.

Diese Auffassung ist auch bestimmend bei der Herausgabe der „Mitteilungen“. Die „Mitteilungen“ erheben keinen Anspruch auf literarische Bedeutung ‑ an Zeitschriften, die das tun, ist ohnehin kein Mangel. Die Mitteilungen sollen in erster Linie über unsere, nun einmal größtenteils in nüchterner, ständig wiederholter Kleinarbeit bestehende Arbeit berichten. Sie sollen darüber hinaus die Arbeit selbst fördern. Dafür ist nichts wichtiger, als das Fräulein Schlaffhorst und Fräulein Andersen selbst in den „Mitteilungen“ das Wort ergreifen. Wenn der Vorstand auf irgend etwas stolz ist, dann darauf, dass es ihm durch seine Anregung und Mitarbeit gelungen ist, das in den drei letzten Nummern zu erreichen. Im Namen der Gesellschaft dankt er den beiden Leiterinnen nochmals von Herzen, dass sie sich neben ihrer umfangreichen Arbeit dieser Mühe unterzogen und damit den letzten Heften das Gepräge gegeben haben. Zahlreiche Zuschriften zeigen, dass auch die Wirkung nach außen auf die, die hören wollen, nicht fehlt. Wie aber für alle Gebiete seiner Tätigkeit, so gilt insbesondere für die Herausgabe der „Mitteilungen“, dass nicht der Vorstand allein, sondern nur die gemeinsame Arbeit aller Glieder der Gesellschaft eine gute, volle Leistung ergeben kann. Um diese freiwillige, [5] selbständige Mitarbeit, die von einigen Mitgliedern bereits geleistet wird, bitten wir auch die übrigen herzlich.

Betreffs Zusammensetzung der Gesellschaft ist der Vorstand der Meinung, dass es vor allem auf den Zusammenschluss aller in der Arbeit Stehenden ankommt. An der Einbeziehung innerlich noch Fernstehender liegt zunächst nichts ‑ es kommt nicht auf die Menge, sondern auf die zuverlässige Verbundenheit der Mitglieder an. In dieser Richtung sind in den letzten zwei Jahren unleugbare Fortschritte erzielt worden. Wenn außerdem auch zahlenmäßig der Mitgliederbestand gestiegen ist (Mitgliederbestand am 23. September 1934 = 159; Mitgliederbestand am 31. April 1937 = 207) so ist das keine Folge künstlicher Bemühungen, sondern ein Zeichen für den gesunden Fortgang der Arbeit

Die einzelnen wirtschaftlichen Maßnahmen des Vorstandes sind aus den Kassenbüchern ersichtlich. Es ist unvermeidlich, dass an den einzelnen Maßnahmen Kritik geübt werden kann. Wir können aber sagen, dass es uns möglich gewesen ist, allen als berechtigt anerkannten Anforderungen nachzukommen, und daß bei der Entscheidung niemals persönliche Gründe, sondern allein die Förderung der Sache die Richtschnur war. Wir sind sicher, auch für die Zukunft die Mittel für wesentliche Aufgaben beschaffen zu können; das Leben wird sich des notwendigen Stoffes bemächtigen.

Bei aller Arbeit hat uns geleitet und beflügelt die Größe des Werkes. Sie gibt uns die große Geduld, die uns die Gründerinnen der Schule vorleben: nur allmählich kann eine Arbeit wie die unsere fortschreiten, die einst das Gesicht des deutschen Menschen wandeln wird, und die in ihrer Durchführung abhängt von der am eigenen Leib vollzogenen Wandlung derer, die sie vertreten. Sie gibt uns den beharrlichen Eifer und die große Bereitschaft zum Einsatz.

Der Vorstand empfindet die Gesellschaft als leibliche Einheit, die lebt in dem Leben ihrer Glieder, und in der diese ihr Leben erneuen im Zusammenklang des Ganzen. Wenn er seine Funktion in dieser leibhaftigen Einheit bestimmen soll, so möchte er sie der des Blutes vergleichen, das im Organismus den Ausgleich der Mittel schafft und umlaufend die Glieder erwärmt.

[6] Zu Punkt IV. (In der Niederschrift nachgeholt.)

Aus der Vorstandssitzung am 21.II.37 in Hustedt sind noch 3 Beschlüsse bekannt zu geben.

1.)     Um zur Mitarbeit in den „Mitteilungen“ anzuregen, wird von Nr. 9 an ein Seitenhonorar von RM 5.‑ gezahlt.

2.)     In bescheidenstem Umfang wird eine Leihbücherei einschlägiger Werke eingerichtet. 3 wöchentliche Leihgebühr 30 Pfg. Dazu 5 Pfg. Versandkosten und Porto. Eine Liste des bisherigen Buchbestandes erscheint in der nächsten Nummer der ,,Mitteilungen“.

3.)     Auswärtige Kurse werden von der Gesellschaft eingerichtet und unterstützt werden. Wir bitten diejenigen Mitglieder, die in ihrem Wohnort die Abhaltung eines Kurses für wünschenswert und durchführbar halten, um einen entsprechenden Antrag.

Zu Punkt V.     Seitens der Mitglieder wurde vor allem die Abhaltung von Kursen angeregt. Außerdem der Neudruck geeigneter Artikel früherer Hefte.

Schluss der Versammlung 6,30.

 

Am Abend fand in der Diele noch eine Besprechung über Schulfragen statt. Fräulein Benedix und Herr Dr. Pörschke erklärten sich bereit, im Zusammenwirken mit Frl. Krüger u.a. an der Zusammenstellung eines für den Elementarunterricht geeigneten Versbuches (Sprechübungen) zu arbeiten. Fräulein Anka Schulze stellte sich für einen gelegentlichen Vortrag in Kiel über Schulfragen zur Verfügung.



gez. Dr. Friedrich Kammerer.
Protokollführer

gez. Dr. Wilhelm Menzel                gez. Maria Gräfin Bredow

gez. Anita Grauding                      gez. Dora Idler.





maschschr. Rundschreiben

Gesellschaft der Freunde der                                                                          Schriftleitung.

Schule Schlaffhorst-Andersen.                                 Hustedt über Celle, 17. November 1937.

An

Fräulein Clara Schlaffhorst, Fräulein Hedwig Andersen
und die Mitglieder des Frauenchores Schlaffhorst Andersen.

Der Vorschlag der Gesellschaft für die wirtschaftliche Regelung der Chorangelegenheiten vom 9.X.37 ist überwiegend mit großem Verständnis aufgenommen worden.

Zustimmend haben geantwortet:

Fräulein Schlaffhorst und Fräulein Andersen: „Es kann wohl jeder dankbaren Herzens zustimmen. Die feststehenden Entschlüsse der Gesellschaft dienen allen zur Erhaltung und Stütze ....

Somit geben wir von uns aus unsere volle Zustimmung und erhoffen daraus den Segen für den [!] Chor auf weitere zwei Jahre.“

Außerdem 12 Chormitglieder: Frau Bleul, Fräulein Gertz, Fräulein v.Harling. Fräulein Idler, Fräulein v.Kalben, Frau v.Kalben, Fräulein Merckens, Fräulein Ottmer, Fräulein Schmidt, Fräulein Schümann, Prinzessin zu Solms-Lich, Fräulein Wiesike.

Bei allgemeiner Zustimmung hat Bedenken geäußert gegen die vorgeschlagene Verteilung etwaiger Überschüsse und gegen die Zweckmäßigkeit des Mitbestimmungsrechtes des Vorstandes bei Festlegung von Programm und Reiseroute

1 Chormitglied: Frau v.Arnim

Wesentliche Teile von Punkt 2 und 3 hat abgelehnt

1 Chormitglied: Fräulein v. Metzsch.

Fast vollständig abgelehnt sind die Punkte 2 und 3 von

3 Chormitgliedern: Fräulein Rühl, Fräulein Toepfer, Fräulein Vollmer.

Keine Antwort ist eingegangen von

2 Chormitgliedern: Fräulein von der Recke, Fräulein v.Prosch.

 

Den ablehnenden Antworten liegt ein grundsätzliches Missverständnis zu Grunde, und zwar die Meinung, der Vorschlag des Vorstandes ginge über die bisherigen Leistungen nicht hinaus, „da der letzte offizielle Beschluss vom 8.1.35 dem Chor eine Unterstützung in Höhe von 500 RM zu jeder Reise zusagt.“ Diese Auffassung trifft nicht zu. Auf der Vorstandssitzung vom 8.1.35 ist außer der Regelung der Ausbildungsdarlehn nur der Voranschlag für das laufende Jahr 1935 besprochen worden. In diesem Voranschlag sind als einmalige Zahlung RM 500.‑ für die bevorstehende vom 31.II. - 14.IV.35 durchgeführte Chorreise  (Leipzig, Dessau, Dresden, Berlin, Potsdam) eingesetzt worden (siehe Rundschreiben vom 15.Februar 1935.) Für die 1936 folgende Chorreise (Barmen, Osnabrück, Bielefeld) hatte Fräulein Toepfer im Sommer 1935 in anfänglicher Planung einer größeren Fahrt einen Zuschuss in Höhe von 1000.‑ beantragt. Der Vorstand glaubte angesichts der sonstigen Gesellschaftsaufgaben einen so hohen Zuschuss nicht verantworten zu können und bewilligte einen Zuschuss in Höhe von 300,‑. Für das Konzert in Stendal im Herbst 1936 und für das Mitternachtssingen in Hameln sind wegen des geringen Ausmaßes der Unternehmungen Zuschüsse nicht erforderlich gewesen.

Darin nun besteht das grundsätzlich Neue in dem Vorschlag der Gesellschaft vom 9.X.37, das hierin das Verfahren von Fall zu Fall bewilligter, in der angemessenen Höhe im voraus kaum berechenbarer Zuschüsse verlassen wird, und die Gesellschaft sich zum wirtschaftlichen Träger der im Januar 1938 und 1939 durchzuführenden Chorunternehmungen gegebenenfalls auch zur Deckung der Unkosten einer besonderen Übungszeit im September 1938 erbietet.

[2] Es ist also keine Rede davon, dass die Gesellschaft bei gleichbleibenden Leistungen neuerdings Anspruch auf die Konzerteinnahmen erhebt, sondern sie erklärt sich bereit, ab l.VII.38 zunächst auf 2 Jahre das gesamte wirtschaftliche Wagnis des Chores zu übernehmen. In richtiger Erkenntnis dieses Sachverhaltes schreibt z.B. ein Chormitglied (Frau v.Arnim): Ich bin für Annahme von Punkt 2 und begrüße dass das Risiko damit von der Gesellschaft getragen wird.“ Die Größe dieses Risikos ist im voraus schwer abzuschätzen und hängt wesentlich von Art und Umfang der Chorfahrten ab. Der Vorstand nimmt jedenfalls seine Übernahme so ernst, dass er gerade mit Rücksicht auf diesen Punkt den Vorschlag nicht allein verantworten zu können glaubte, sondern sich der Zustimmung von 4 langjährigen, mit der Arbeit eng verbundenen Mitgliedern versicherte.

Möglich ist das Eingehen eines solchen Wagnisses nicht auf Grund der vorhandenen, im Vergleich zu den Aufgaben so bescheidenen Barmitteln, sondern allein im Vertrauen auf die dahinter stehende Einsatzbereitschaft der Mitglieder. Dieser sichere Rückhalt macht die Gesellschaft zum gegebenen, verantwortungsfreudigen Träger allgemeiner Unternehmungen. Das gegenwärtige Anerbieten ist deshalb gewiss nicht eine besondere Tat, sondern eine naheliegende, fast selbstverständliche Maßnahme, von der wir erwarten, dass sie den Chor in seinen Entschlüssen schlagkräftiger und freier machen wird. In Übereinstimmung damit schreibt ein Chormitglied (Fräulein Idler) „Letzten Endes sind doch die langen Pausen immer wieder in Folge der finanziellen Schwierigkeiten entstanden.“

Wir halten auch daran fest, dass über diese allgemeine Sicherung der Chorarbeit hinaus der gemachte Vorschlag den Mitgliedern, die allein von ihrer Arbeit leben, die oft schon in Frage gezogene Möglichkeit weiterer Mitarbeit im Chor gewährt. Denn der Vorschlag sieht vor, daß außer allen übrigen Unkosten auf Antrag auch die Kosten der Anreise nach Hustedt und des dortigen Aufenthaltes von der Gesellschaft zu übernehmen sind. Diese Unkosten sind inzwischen von Fräulein Schlaffhorst und Fräulein Andersen für eine unmittelbar an die Weihnachtsferien anschließende Chorzeit von 8- 10 tägiger Dauer auf 4 RM täglich ohne Nebenkosten festgesetzt worden; Honorar wird nicht erhoben; die Kosten für den Dirigenten will Fräulein Schlaffhorst nach wie vor tragen.

Das Erfordernis der Antragsstellung ist verschiedentlich bemängelt worden, zum Teil vielleicht in der irrtümlichen Meinung, die Gesellschaft hätte den so gestellten Anträgen gegenüber noch irgendwelche Entscheidungsrechte, was dem Wortlaut des Vorschlages nach nicht der Fall ist, d.h. mit dem Eingang des Antrages setzt die Zahlungsverpflichtung der Gesellschaft ein. Auf Wunsch werden Antragsformulare folgenden Wortlautes zur Verfügung gehalten werden, die unterschrieben bis spätestens 14 Tage vor Beginn der Chorzeit einzusenden sind: An die Gesellschaft der Freunde der Schule Schlaffhorst Andersen zu Händen von Fräulein Dora Idler, Leipzig, Beethovenstr. 14.

Ich beantrage hiermit bei der Gesellschaft der Freunde der Schule Schlaffhorst Andersen für die am .... beginnende Chorzeit die Übernahme der Anreisekosten von ........... nach Hustedt in Höhe von ...... RM.

Gleichzeitig bitte ich die Kosten für Unterkunft und Verpflegung in Hustedt für die Zeit vom ..... bis .... = ..... Tage zu tragen, da ich sie aus eigenen Mitteln nicht bestreiten kann!

Ort:     Datum:          Unterschrift.

 

Da die Unterstützung nur dem Chorganzen gilt, kann sie für den Einzelnen nichts Peinliches haben und ist in ähnlichen Fällen bisher nicht so empfunden worden.

[3] Die Stellung eines Antrages halten wir für gerechtfertigt. Es steht außer Zweifel, daß die Chormitglieder in dieser Vorbereitungszeit in Hustedt für ihr eigenes Leben unvergleichlich mehr empfangen, als die Unkosten betragen. Es ist daher nicht anzunehmen, daß die Chormitglieder, die in der Lage sind, die Unkosten selbst zu tragen, ihre Erstattung aus allgemeinen Mitteln wünschen.

Über diese Unkosten hinaus entstehen einer Reihe von Chormitgliedern durch Stunden ‑ unter Umständen auch Schülerausfall, Einbußen, deren Einsatz selbstverständlich unmöglich ist und die entsprechend auch das Hustedter Mutterhaus erleidet. (Die im Schreiben von Fräulein Toepfer gemachte Unkostenrechnung schießt allerdings über das Ziel hinaus, da es nicht angängig ist, die weiterlaufende Zimmermiete und die Kosten für Unterkunft in Hustedt nebeneinander aufzuführen, denn an einer Stelle müssen die Chormitglieder in jedem Fall wohnen, ebenso muss ein gewisser Satz für die auch bei Verbleiben am Wohnort notwendige Verpflegung abgesetzt werden.) Wir glauben aber, daß für Mutterhaus und Chormitglieder diese Einbußen durch Innehaltung des vorgeschlagenen Termins in erträglichen Grenzen gehalten werden.

 

Die Frage der Verteilung etwaiger Überschüsse, deren vorgeschlagene Lösung von 5 Chormitgliedern bemängelt worden ist, halten wir für weniger wichtig, weil wir an der Erzielbarkeit nennenswerter Überschüsse nicht glauben, im Gegenteil der Ansicht sind, und das veranlasst ja den Vorschlag, dass der Chor voraussichtlich dauernder Zuschüsse bedürfen wird. Denn im Verhältnis zu andern Chorunternehmungen werden seine Verdienstaussichten durch dreierlei von vornherein gemindert:

1.) Während die Mitglieder anderer Chöre zumeist den gleichen Wohnsitz haben oder die Chortätigkeit hauptberuflich ausüben, sind die Mitglieder unseres Chores über ganz Deutschland verstreut, woraus sich außerordentlich hohe Reisekosten ergeben.

2.) Die Unkosten werden vermehrt durch die Vorbereitungszeit in Hustedt, die jedoch in ihrer Förderung des Einzelnen und ihrer Wirkung auf den Zusammenschluß des Chores von einzigartiger Bedeutung ist.

3.) Der Chor ist kein selbständiges Gebilde, sondern ein Glied des Ganzen. Er wird deshalb bei der Festlegung seiner Reiseroute nicht von materiellen Erwägungen ausgehen dürfen, sondern davon, wie er dem allgemeinen Fortgang der Sache, der Verkörperung der Idee am reinsten dient. Zu diesem Dienst an der Sache gehört auch weitgehende Rücksicht auf die Kräfte der Chormitglieder.

Wir haben deshalb den Verteilungsplan etwaiger Überschüsse weniger in ihrer Erwartung als um der Vollständigkeit des Vorschlages willen gemacht.

Die von einigen Chormitgliedern vorgeschlagene Abänderung auf Verteilung etwaiger Überschüsse zwischen Chormitglieder und Chorkasse scheint wenig erheblich, da bei Durchführung der Gesamtregelung die Chorkasse eine Art Reservefond zur Aufnahme von Sonderzuwendungen für den Chor ist, bestimmt für Sonderanschaffungen wie Noten pp. Sollten aber wirklich einmal Überschüsse erzielt werden und dann innerhalb des Chores der überwiegende Wunsch nach der abgeänderten Verteilungsart bestehen, so wird der Vorstand sich damit einverstanden erklären. Die ganze Frage dürfte geringe Bedeutung haben.

Wesentlich ist dagegen Punkt 3, in dem eine wirkliche Zusammenarbeit zwischen Chor und Gesellschaft in Vorschlag gebracht wird. Gerade das ist von einigen Chormitgliedern ausdrücklich gutgeheißen worden. So schreibt ein Chormitglied (Fräulein Schümann): „Warum sollen wir dem Vorstand der Gesellschaft nicht gestatten, mitten unter uns Fuß zu fassen? Er kommt mir vor wie eine neutrale Insel, da die Wechselströme in Gleichstrom umgeschaltet werden könnten.“ Oder ein anderes Mitglied (Fräulein Ottmer): „Für mich gehört der Vorstand absolut zum ganzen Gefüge unserer Arbeit hinzu, und eine Gleichberechtigung in den uns gemeinsam bewegenden Fragen ist mir selbstverständlich.“

[4] Auf der andern Seite ist jedoch die vorgeschlagene Mitarbeit des Vorstandes von einigen Chormitgliedern abgelehnt worden. „Grundsätzlich lehne ich jede Einmischung des Vorstandes in innere Chorangelegenheiten ab“ (Fräulein Toepfer, Fräulein Rühl, Fräulein Vollmer.) „Chor und Gesellschaft müssen für sich auf eigenen Beinen stehen. Sie können sich sonst nicht helfen“ (Fräulein v.Metzsch.)

Dazu ist folgendes zu sagen: Keine verantwortliche Stelle kann das volle Wagnis für Unternehmungen tragen, an denen sie kein Mitbestimmungsrecht hat. Daran läßt sich unserer Ansicht nach garnichts ändern und dagegen läßt sich vernünftigerweise nichts sagen. Aber weit über diesen wirtschaftlichen Gesichtspunkt hinaus strebt der Vorstand die innigste Einbeziehung des Chores in das gesamte Werk an. Wir sind ein so kleines Häuflein und haben eine so große Aufgabe! Nie werden wir sie erfüllen, wenn wir nicht alle Kräfte zusammenfassen, wenn wir nicht über alle gelegentlichen persönlichen Hindernisse hinweg die Einheit des Werkes leben. Allein diese immer wieder in heißem Bemühen zu erringende Einheit wird den Einzelnen und den Chor über sich hinausheben, ihn erhalten, beleben, fruchtbar machen.

Nicht geldgierig und nicht machthungrig streckt die Gesellschaft ihre Hände nach dem Chor aus, sondern freimütig und guten Willens bietet sie ihm eine echte sachliche, rein und entschieden auf den Fortgang des Ganzen gerichtete Zusammenarbeit an. Sie hat das Vertrauen, daß aus dieser Zusammenarbeit, daß aus dieser Vereinigung der Erfahrungen, der Kenntnisse und des Eifers nur etwas Gutes herauskommen kann, wie ja schon früher die Zusammenarbeit zwischen dem jetzigen 1. Vorsitzenden der Gesellschaft und dem Chor zu einem guten Gelingen geführt hat und durch die Zugehörigkeit der Schatzmeisterin der Gesellschaft zum Chor längst angebahnt ist. Wir meinen, daß der Versuch einer solchen Zusammenarbeit wenigstens für die Zeitdauer von 2 Jahren einmal gemacht werden sollte.

Es war vorauszusehen, daß die schriftliche Behandlung dieser Fragen ihre Schattenseiten haben würde. Wir hatten deshalb den dringenden Wunsch nach einer mündlichen Aussprache am Vortage von Hameln und haben diesen Wunsch nur zurückgestellt, weil von derartigen Erörterungen unter Umständen eine Störung der Chorarbeit für Hameln zu befürchten war. Erscheint es erforderlich, diese mündliche Aussprache nachzuholen, so sind wir dazu bereit.

In jedem Fall hoffen wir, daß die Arbeit auf der neuen Grundlage ab l.VII.38 aufgenommen werden kann. Die von einer Reihe von Chormitgliedern gewünschte frühere Aufnahme erscheint wegen der Notwendigkeit einer Einigung der verschiedenen Standpunkte und der für eine größere Konzertreise notwendigen gründlichen Vorbereitungen schwer durchführbar.

Mit Deutschem Gruß!




Wilhelm Menzel.

Maria Gräfin Bredow.

Anita Grauding.

Dora Idler

Hirschberg/Schl.

Seefeld/Pom.

Hustedt

Leipzig





Gesellschaft der Freunde der Schule                                            Schriftleitung.
Schlaffhorst/Andersen                                                 Hustedt Jägerei b. Celle.

                                                                                           den 10.März 1938.

Sehr geehrtes Mitglied!

1.) Pfingsten, vom 1. - 9.VI.38 (1.VI. = Anreisetag. 9.VI. = Abreisetag) findet in Hustedt die diesjährige Arbeitswoche für Mitglieder statt, zu der wir hiermit herzlich einladen. Die Kosten betragen 5 RM täglich für Unterkunft und Verpflegung und 3 RM Honorar an den Arbeitstagen. Die Gesamtkosten betragen dem nach bei einem Aufenthalt vom Mittwoch, 1.VI. Nachmittags bis Donnerstag, 9.VI. Vormittags

7 1/2 Tage x 5 RM                =37,50 RM

5 Arbeitstage ( 2.3.4.7.8.VI) = 15,‑ RM

x 3 RM               =           52,50 RM

Mitglieder, deren Beteiligung allein an der Geldfrage scheitern würde, bitten wir, einen Antrag auf Zuschuss an die Gesellschaft zu stellen. Damit wir diesen Anträgen weitgehend genügen können, was aus laufenden Mitteln nur in bescheidenem Umfang geschehen könnte, bitten wir die Mitglieder. die dazu in der Lage sind, einen Sonderbeitrag für diesen Zweck zu stiften.

Im Interesse eines baldigen Überblicks bitten wir sämtliche Mitglieder, auch diejenigen, die nicht kommen können, um Ausfüllung und Rücksendung des im Umschlag beigefügten Vordrucks bis spätestens zum 31. März 38.

2.) Im Rahmen der Pfingstarbeitswoche wird Montag, den 6. Juni 4 Uhr Nachmittags in Hustedt die Mitgliederversammlung mit folgender Tagesordnung stattfinden:

Rechnungslegung

Arbeitsbericht

Anträge und Anregungen für die Weiterarbeit.

Wir bitten die Mitglieder, auch diejenigen, die an der Arbeitswoche nicht teilnehmen können, uns etwaige Anträge und Anregungen schriftlich einzureichen. Satzungsgemäß müssen diese Anträge spätestens 5 Tage vor der Mitgliederversammlung, also bis zum 1. Juni, bei uns eingehen. Wir bitten jedoch, sie nach Möglichkeit bereits dem Antwortschreiben beizufügen.

3.) Nach der Arbeitswoche beabsichtigen Fräulein Schlaffhorst und Fräulein Andersen vom 12. - 30. Juni Ferien zu machen. Das Haus wird in ihrer Abwesenheit durch Fräulein Grauding und Fräulein v.Harling weitergeführt.

4.) Die nächste Chorübungszeit ist vom 12. - 22. Oktober vorgesehen.

12. X. = Anreisetag. 22.X. = Abreisetag.

5.) Als weitere Anlage finden Sie unsern diesjährigen Jahresabschluß, den wir zu prüfen und zur Mitgliederversammlung mitzubringen bitten. Es ist uns auch in diesem Jahr möglich gewesen, allen als begründet und sachdienlich erkannten Anforderungen nachzukommen. Wie in den Jahren 1935 und 1936 haben wir dazu nicht nur die laufenden Mitgliedsbeiträge, sondern in angemessenem Umfang auch das vorhandene Reservekapital herangezogen. Das Reservekapital ist nunmehr auf einen Bestand von rund 1.000.‑ RM gelangt. Auf diesem Bestand soll er belassen und nicht weiter angegriffen werden. Da aber die Aufgaben im neuen Jahr sich nicht vermindern, vielmehr zunehmen werden, hat eine Reihe von Mitgliedern sich bereit erklärt, ihren [2] regelmäßigen Beitrag nicht unwesentlich zu erhöhen, sodaß wir, unter Einrechnung einiger bereits erfolgten Anzahl von Neueintritten, den Ausgabenvoranschlag für 1938 aus den Mitgliedsbeiträgen zu decken imstande sein werden. Wir danken allen Mitg1iedern herzlich für ihre Einsicht und für die persönlichen Opfer, die sie bringen. Jeder einzelne Beitrag hilft dem Wachstum des Ganzen.

Soweit der Beitrag für 1938 nicht bereits gezahlt ist, erlauben wir uns, eine Zahlungsaufforderung beizufügen.

6.) Das „Kinderhaus der Schule Schlaffhorst/Andersen“ in Weimar hat einen Prospekt herausgegeben, den Sie in der Anlage finden und um dessen Verbreitung wir Sie bitten. Weitere Exemplare können jederzeit in Weimar oder bei uns angefordert werden.

Mit Deutschem Gruß!



Dr. Menzel.

Gräfin Bredow.

Anita Grauding.

Dora Idler.

Hirschberg/Schl.

Seefeld/Pom.

Hustedt

Leipzig






maschschr. Rundschreiben

Gesellschaft der Freunde                                                              Seefeld/Pommern. 5.II.40.

der Schule Schlaffhorst/Andersen

Sehr geehrtes Mitglied!

Die Fortschreitende Ausdehnung des Hustedter Flughafens gefährdet unsere dortige Arbeit sehr. Selbstverständlich werden wir so lange aushalten wie möglich, wir müssen uns aber darüber klar sein, daß die Notwendigkeit zum Aufbruch jederzeit und sehr unvermittelt kommen kann. Fräulein Schlaffhorst und Fräulein Andersen haben sich deshalb damit einverstanden erklärt, daß die Gesellschaft um die staatliche Genehmigung zum Neubau der Schule an anderer Stelle einkommt. Ihren Entschluß; ob sie nach Fertigstellung des Neubaus persönlich mitübersiedeln, haben Fräulein Schlaffhorst und Fräulein Andersen sich zunächst vorbehalten. Da bis zur Fertigstellung des Baus mindestens zwei Jahre vergehen, und die Zukunft unübersichtlich ist, ist dieser Vorbehalt voll verständlich. Das geschäftsführende Vorstandsmitglied, Gräfin Bredow, hat entsprechendes Gelände in Seefeld zur Verfügung gestellt. Die wirtschaftliche Existenz der Schule soll durch Verbindung mit dem Gutsbetrieb gesichert werden. Seefeld liegt zwar verhältnismäßig östlich (an der Bahnstrecke Stettin-Stargard). Da aber eine Möglichkeit, anderwärts zu bauen, nicht besteht, auch Seefeld durch seine Nähe zu Berlin (2 ½ Stunden DZug) und zu Stettin (30 Minuten DZug), sowie durch seine klimatischen und landschaftlichen Bedingungen nicht ungesund erscheint, hält der Vorstand es für richtig, von diesem Anerbieten Gebrauch zu machen. Der Bau kann in Seefeld zum Teil mit gutseigenen Kräften zum Teil mit dafür bereits eingestellten polnischen Gefangenen durchgeführt werden. Ob die staatliche Baugenehmigung in jetzigen Zeiten erteilt wird, ist sehr unsicher. Der Versuch, sie zu erlangen; muß gemacht werden. Vorbereitende Schritte dafür sind bereits getan.

[2] Zunächst muß der Bauplan zur Einreichung fertiggestellt werden. Herr Professor Rosenbauer, Stettin hat in Zusammenarbeit mit dem Vorstand einen Plan entworfen, dessen Grundriß wir Ihnen anbei zur Begutachtung einreichen. Über einige Veränderungen, die dieser Entwurf noch erfahren muß, sind wir uns bereits im Klaren. Wir wollten aber schon jetzt, gerade vor der endgültigen Festlegung, Ihre Mitarbeit einschalten und hören, ob Ihnen der Plan überhaupt grundsätzlich annehmbar erscheint. Wir bitten Sie um gründliche Prüfung und rückhaltlose Meinungsäußerung. Am erwünschtesten sind uns selbstverständlich neben der Kritik zugleich Gegenvorschläge, aber auch, wenn Sie im Augenblick eine bessere Lösung nicht angeben können, wird es uns wertvoll sein, zu hören, was Ihnen mißfällt oder unmöglich erscheint.

Mit Rücksicht auf die gegenwärtigen Postverhältnisse schicken wir Plan mit Eilpost und fügen das Porto für die entsprechende Rücksendung bei. Die Rücksendung bitten wir nicht später als Montag, den 12. Februar, vorzunehmen, da wir für Freitag, den 16. Februar die abschließende Besprechung mit dem Architekten vorgesehen haben.

Wir bitten um Entschuldigung, daß wir Ihre Zeit mit dieser Angelegenheit in Anspruch nehmen, wir möchten aber alles tun, damit etwas wirklich Gutes entsteht.

 

Im Einzelnen Folgendes:

Erforderlich sind Räume:

1.)     Für Fräulein Schlaffhorst und Fräulein Andersen

je ein Schlafzimmer

je ein Arbeitszimmer

ein gemeinsames Wohn-(zugleich Eß-)zimmer

etwa in den Hustedter Maßen.

Zimmer für Hausdame

eine Teeküche

[3] 2.)       Vier Lehrerinnenzimmer. (Bei dem vorgesehenen Anschluß eines Musikseminars.)

3.)     20 - 24 Schüler-(zugleich Helferinnen)zimmer. (In Hustedt bisher 16 Betten.)

4.)     Ein Speisesaal und ein gemeinsamer Unterrichtsraum für gemeinsame Stunden, beide möglichst in einer Achse und in Verbindung mit einer kleinen Bühne für Vorführungen.

5.)     Ein Raum für rhythmische Stunde und ein überdachter Raum für rhythmische Übungen im Feien.

6.)     Küche mit Nebenräumen, Räume für Personal (vorgesehen eine Haushaltsleiterin, ein ständiges Hausmädchen, im übrigen junge Mädchen, die in Verbindung mit dem Gutsbetrieb ihr Landjahr bei uns ablegen.)

7.)     Waschküche, Plättstube, Vorratsräume, Heizraum.

 

Theoretisch scheinen folgende Lösungen möglich:

A.       Verteilung auf mehrere Gebäude.

B.       Klosterartiger Hof.

C.       Mittelbau mit Seitenflügeln, im stumpfen Winkel nach Süden geöffnet.

D.       Einstöckiges, langgestrecktes Gebäude.

 

Bei der Lösung ist davon auszugehen, daß Gelände reichlich vorhanden ist, und daß inmitten einer flachen, heideähnlichen Landschaft eine städtische Bauweise nicht in Frage kommt. Die Baustelle ist einem aufgelockerten Bestand alter Kiefern mit Ginster vorgelagert. Nach Fertigstellung des Baus wird ein einige Morgen großer Garten angelegt.

 

Lösung A wurde wegen gesteigerten Bau- und Betriebskosten ausgeschieden. Lösung B und C erlaubten die erstrebte Verbindung möglichst aller Räume mit der umgebenden Natur nicht, ergaben auch für einen Teil der Räume schlechte Belichtung.

[4] Es wurde deshalb im vorliegenden Entwurf Lösung C versucht ‑ ein einstöckiges, in Richtung Nord-Süd langgestrecktes Gebäude mit ausgebautem Dachgeschoß.

Auf der Photographie des Modells können Sie vier Gebäudeteile unterscheiden:

1.)     Im Norden (auf der Photographie rechts) der Küchen- und Eingangsteil

2.)     Senkrecht durchstoßend der Speisesaal mit zum Wald sich öffnender, zumeist zum Saal hin, bei gutem Wetter aber auch zum Freien hin bespielbarer Bühne; auf gleicher Achse, im Bedarfsfall durch Schiebetüren mit dem Saal verbindbar, der gemeinsame Unterrichtsraum.

3.)     Langgestreckt in gleicher Richtung wie Teil 1.) der Wohnteil mit 4 Lehrerinnen und 14 Schülerinnenzimmern.

4.)     Im Süden quer vorgelagert der Gebäudeteil mit den Räumen für Fräulein Schlaffhorst und Fräulein Andersen.

 

Die noch fehlenden 8 - 10 Schülerzimmer und die Räume für Personal liegen im Dachgeschoß, und zwar liegen die Personalräume über dem Küchen- und Eingangsteil, die Schülerzimmer über der Westseite von Teil 3.) Einen Grundriß des Dachgeschosses haben wir nicht mitgeschickt, weil bis auf die fehlenden Veranden die Zimmeranordnung die gleiche ist wie im Erdgeschoß. Bei späterem Vollausbau des Dachgeschosses können im Bedarfsfall weitere 12-14 Schülerzimmer gewonnen werden.

Waschküche, Plättstube, Heizräume (Warmwasserheizung), Vorratsräume kommen in das Kellergeschoß. Die Pumpe wird, um Geräusche zu vermeiden, in einem besonderen kleinen Pumpenhaus untergebracht. Im Anschluß an Teil 1.) sind 4 Autoboxen vorgesehen, weil mit zunehmender Autobenutzung seitens der Schüler zu rechnen ist. Ausführung dieser Garagen ist jedoch erst später erforderlich.

 

Selbstverständlich erkauft die vorgeschlagene Lösung Vorteile mit Nachteilen. Um einige zu nennen:

[5] Vorfahrt, Empfangsräume, Küche sind im Norden zusammengefaßt, die Wohnräume auf der einen Seite durch die überdeckte Halle, auf der andern Seite durch den Speisesaal gegen jede Sicht von Norden, zugleich auch gegen Nordwinde abgedeckt. Die Wohnräume sind dadurch so geschützt, die Veranden so benutzbar wie in für sich liegenden Einzelhäusern. Zugleich und notwendig aber fehlt dem Gebäude dadurch eine schöne Mittelfassade ‑ es streckt sich ein wenig eintönig dahin, wenn es auch durch verschiedenartige Berankung und Umrahmung mit Hecken ein anderes Gesicht bekommen wird als auf der Modellphotographie.

Die Räume von Fräulein Schlaffhorst und Fräulein Andersen haben die schönste und ruhigste Lage, zugleich aber auch die größte Entfernung zum Speisesaal, Küche und Personalräumen. Da aber Fräulein Schlaffhorst und Fräulein Andersen bereits jetzt meist für sich allein essen, der Transport der Speisen bei entsprechenden warmhaltenden Vorrichtungen ohne Weiteres möglich ist und[!] eine Persönlichkeit zu ihrer persönlichen Bedienung in ihrer unmittelbaren Nähe wohnt, auch die kleinen Mahlzeiten in der benachbarten Teeküche bereitet werden können, scheint der Nachteil erträglich.

Die Schülerzimmer sind grundsätzlich Einzelzimmer, grundsätzlich jedes mit eigenem Waschraum, die Erdgeschoßzimmer mit eigner, bei guter Jahreszeit zum Schlafen im Freien geeigneter Veranda versehen (Die in die Waschräume eingezeichneten Badewannen allerdings haben zum Teil nur symbolische Bedeutung ‑ in den meister Fällen wird nur ein für Ganzwaschung und Duschen geeigneter Platz eingerichtet). Ein Grundriß 1 : 20 dieser Einzelzimmer liegt bei. (Die Ausführung wird in der Mehrzahl der Fälle gegenüber diesem Grundriß derart verändert, daß der Waschraum hinter dem Schlafraum zu liegen kommt.) Die Unterbringung der Schüler in Einzelzimmern, die Ausstattung dieser Zimmer mit eignem Waschraum und Veranden bedeutet eine Verteuerung des Baus, die Veranden zugleich eine Erschwerung der Verschließbarkeit des Hauses, die aber durch eine [6] Umzäunung der Gesamtanlage ausgeglichen werden kann. Wenn aber die Schüler ihre Zimmer als Arbeitsräume benutzen sollen, so hat sich schon jetzt in Hustedt das Bedürfnis nach Einzelzimmern zwingend ergeben. Erforderlich ist außerdem bei der allgemeinen musikalischen Betätigung eine gute akustische Isolierung der Zimmer, was durch Doppeltüren zum Flur und seitlich durch Zwischenschaltung der Waschräume erreicht wird. Der Verteuerung des Baus durch die Anlage und Ausstattung der Einzelzimmer tritt gegenüber die im Übrigen sehr einfache Gebäudekonstruktion, sodaß wir im Mittel zu normalen Bausätzen kommen. Selbstverständlich werden dennoch bei der Ausdehnung des Gebäudes die Baukosten erheblich sein. Es erschien aber grundfalsch, einen von vornherein ungenügenden Bau vorzusehen, und trotz vieler Überlegungen sind uns wesentliche Einsparungen am Baukörper nicht gelungen. Selbstverständlich wird auch, selbst die Baugenehmigungen zu bekommen, der Krieg die Ausführung in vieler Hinsicht erschweren. bei der Lage in Hustedt und dem nationalen Wert unserer Arbeit schien es uns aber unverantwortlich, nicht unverzüglich alles nur Mögliche zur Aufrechterhaltung der Arbeit zu tun. Endet der Krieg so rasch, wie wir hoffen, so ist dann alles zur endgültigen Fertigstellung des Baus schon bereit. Dauert der Krieg aber länger, so ist rascher Beginn des Neubaus umso wichtiger.

So, und nun bitten wir herzlich um Ihre Prüfung und Ihren Rat!

Heil Hitler!

Der Vorstand.




Gesellschaft der Freunde der Schule                                     Schriftleitung.
Schlaffhorst/Andersen                                           Hustedt Jägerei b. Celle.

                                                                                   28. Dezember 1941.

Sehr geehrtes Mitglied!

Wir bitten zunächst um Entschuldigung, daß wir Sie, seitdem die für den 10. September 1939 anberaumte Mitgliederversammlung wegen des Kriegsausbruches abgesagt werden mußte, ohne einen allgemeinen Bericht über den Gang der Arbeit gelassen haben. Der Grund war, daß unsere Kräfte durch die Kriegsverhältnisse äußerst angespannt waren, und sich die Dinge so im Fluß befanden, daß ein abschließender Bericht nicht gegeben werden konnte.

Jahresberichte 1939 und 1940.

Sie erhalten nunmehr anbei die Rechnungsberichte für 1939 und 1940. In den Januar 1939 fiel die Chorreise, die zum ersten Mal von der Gesellschaft in Ausgaben und Einnahmen getragen wurde, sodaß der Bericht d.J. um diese Posten von den bisherigen Berichten abweicht. Der gegen 1939 niedrigere Betrag für Mitgliedsbeiträge in dem Jahresbericht 1940 hat ausschließlich buchtechnische Bedeutung, da ein Teil der Mitgliederbeiträge buchmäßig erst 1941 erscheint.

Bericht über die Arbeit.

Trotz des Krieges konnte die Arbeit fast an allen Orten ohne Unterbrechung fortgeführt werden, teilweise, so besonders im Weimarer Kinderhaus, nahm sie in Folge des Krieges zu. Auch die Chorarbeit ging weiter, ohne daß es allerdings bisher während des Krieges zur Veranstaltung von Konzerten kam.

Geldbericht über die Wirtschaftsführung in Hustedt.

Seit dem 1. Oktober 1938 führt die Gesellschaft pachtweise die Geschäfte in Hustedt.

[2] Die Ausgaben und Einnahmen in den ersten drei Jahren verhielten sich folgendermaßen:

                                                         Ausgaben  Einnahmen

1.X. - 31.- XII. 38   =     3 Monate       9.099,55       5.728,‑

1.I. - 31.- XII. 39     =    12 Monate     32.825,37     24.806,17

1.I. - 31.- XII. 40     =    12 Monate     32.842,12     25.932,67

1.I. - 31.- IX. 41      =     9 Monate     27.639,98     20.213,17

                                    36 Monate   102.407,02     76.680,01

Es ergibt sich hiernach ein Fehlbetrag von     RM   27.727,01

Vom Fehlbetrag sind laut Abschlüssen 1939   RM     3.600,‑

                                                          1940   RM     2.200,‑

                                                 zusammen   RM     5.800,‑

durch Gesellschaftszuschüsse aufgebracht worden, und wir danken allen Mitgliedern sehr herzlich, die durch Beiträge diese Zuschüsse ermöglichten. RM 2.000.‑ hat eines unserer Mitglieder als Einrichtungsdarlehen beigetragen. Der Restbetrag von RM 17.927,01 ist den Überschüssen der Gutsverwaltung Seefeld entnommen worden. In den Ausgaben sind rund 2.000,‑ für Neuanschaffungen (Betten und Wäsche) enthalten, sodaß der echte Fehlbetrag in den 36 Monaten 23.767,01 = rund 660,‑ im Monat betragen hat.

Wir hatten in unserm Prospekt angegeben, daß die Geschäfte ohne Rücksicht auf privatwirtschaftlichen Gewinn geführt würden und auch von vornherein mit einem monatlichen Zuschuß von 3-400 RM gerechnet. Wenn wir nach den Ursachen für die annähernde Verdoppelung der Zuschüsse suchen, so liegen sie nicht etwa in einer schlechteren Besetzung des Hauses. Die Besetzung ist vielmehr regelmäßig gestiegen. Die Besuchertage betrugen:

1938, dem Jahr der Pachtübernahme    3588 Tage

1939                                                   3759 Tage

1940                                                   3864 Tage

Für 1941 ist eine weitere Zunahme ersichtlich.

Trotz dieser Steigerung der Besetzung hat der monatliche Fehlbetrag steigende Tendenz und wird im laufenden Jahr im Monatsdurchschnitt zwischen 700 und 800 RM liegen, denn, und das ist die Hauptursache, [3] Unkosten, namentlich auf dem Lohn- und Lebensmittelkonto, steigen zum Teil in Folge des Krieges, rascher als die Einnahmen. Der andere Grund für die Steigerung der Zuschüsse ist die arbeitsmäßig sehr zu begrüßende steigende anteilsmäßige Zunahme der Ausbildungs- und Jahresschüler in der Besetzung des Hauses, die seit dem 1.X.38 monatlich nur RM 150,‑ zu zahlen haben. Diese Ermäßigung kommt insbesondere auch unseren Lehrerinnen zu Gute, sodaß mehr als bisher die Arbeit an diesem Kern der Schule vorangehen konnte. Eine Erhöhung des 150 RM Satzes würde die Arbeit also im Kern treffen und ist deshalb nicht angängig.

Etwaige Umsiedlung der Schule.

Die meisten unserer Mitglieder wissen, daß die Lage von Hustedt, einst so ideal, durch den benachbarten Flughafen eine empfindliche Einbuße erlitten hat. Ja, seit seiner Anlage im Jahre 1935 stehen wir ständig vor der Frage, ob wir in Hustedt bleiben können, denn, ganz abgesehen von der Störung durch den Flugverkehr, war hinfort jeder weitere Ausbau von Hustedt ausgeschlossen, die Arbeit also, die doch im Hinblick auf das deutsche Volk so dringend der Ausweitung bedürfte, mindestens in ihrem äußeren Rahmen zum Stillstand verurteilt. Immer ergeben sich zwei Richtungen: Einmal das verständliche Bestreben, Hustedt so lange wie irgend möglich als Arbeitsstätte zu erhalten und Fräulein Schlaffhorst und Fräulein Andersen den Fortgang, die Mühe des Umzugs, den erneuten Beginn an anderer Stelle zu ersparen, auf der anderen Seite aber die ebenso verständliche Bestrebung, gerade noch unter der Leitung von Fräulein Schlaffhorst und Fräulein Andersen die Arbeit an neuer Stelle zu beginnen, wenn Hustedt, das wegen seiner Bauweise als Ruhesitz für Fräulein Schlaffhorst und Fräulein Andersen ohnehin nicht geeignet ist, auf de Länge doch nicht zu halten war. Durch den Krieg verstärkte sich das Gewicht dieser zweiten Richtung sehr, so daß Fräulein Schlaffhorst und Fräulein Andersen bei einer Besprechung am 20.XI.39 dem Vorstand Vollmacht erteilten, bei den zuständigen Behörden um Genehmigung zum Neubau der Schule an anderer Stelle einzukommen. Ihren Entschluß, an die neue Arbeitsstätte mitzukommen, behielten sie sich ausdrücklich vor, was bei der mutmaßlich längeren Dauer der Baudurchführung und der Undurchsichtigkeit der Zukunft voll verständlich war. [4] Nachdem noch einige Vorfragen geklärt waren, faßte der Vorstand am 10.III.1940 folgende Beschlüsse:

1.)     Angesichts der Beeinträchtigung und Gefährdung der Arbeit der Schule Schlaffhorst-Andersen durch den Flughafen Hustedt beschließt der Vorstand, alles in seinen Kräften Stehende tun, um einen Neubau an anderer Stelle und zwar auf Gut Seefeld, Krs. Saatzig in Pommern, zu bewirken.

2.)     Dieser Bau soll unter Berücksichtigung späterer Erweiterung auf die notwendigsten Räume beschränkt werden.

3.)     Der Bau soll der Sicherung der Arbeit der Schule dienen. ist die Arbeit nach Fertigstellung noch in Hustedt möglich, so soll der Bau einer Zwischenlösung zugeführt und die Arbeit so lange wie möglich in Hustedt fortgeführt werden.

 

Seefeld ist ein Gut von etwa 700 Morgen Ackerfläche,120 Morgen Wiesen und 200 Morgen Wald und steht im Eigentum des geschäftsführenden Vorstandsmitgliedes, Gräfin Bredow. Es verbindet eine gewisse Abgeschiedenheit mit einer günstigen Verkehrslage (Entfernung nach Stargard 8 km, nach Stettin 30 km. D-Zug nach Berlin von Stargard 2½ Std.), sodaß wir hoffen, daß die vor allem für unsere im Nordwesten wohnenden Mitglieder vergrößerte Entfernung nicht zu nachteilig sein wird. Die Landschaft ist einfach und hat Anklänge an Hustedt. Über die wirtschaftliche Fundierung hinaus erwarten wir Gutes von der Verbindung der Schule mit ausgedehntem eigenem Grund und Boden und hoffen vor allem, daß Seefeld in Zukunft in ähnlicher Weise wie Hustedt den weit verstreuten Angehörigen der Schule Heimat sein wird. Der Bau soll zunächst von der Gutsverwaltung ausgeführt und gegebenenfalls der Schule in der Weise überlassen werden, daß für die Benutzung der Gebäude und für volle freie Station je Person ein nicht hoher, das finanzielle Gleichgewicht der Schule von vornherein sichernder Satz an die Gutsverwaltung zu zahlen ist. ‑ Jede Verpflichtung der Schule, die Baulichkeiten eine bestimmte Anzahl von Jahren zu benutzen, soll vermieden werden. Durch diese Regelung bliebe die Schule zunächst ganz ungebunden; sie hätte kein Kapital investiert und behielte die Freiheit, bei irgendeiner Änderung der Verhältnisse ihren Sitz an einen andern Ort zu verlegen. Bewährt sich aber Seefeld als Arbeitsstätte der Schule, dann ist für die Zukunft die volle wirtschaftliche Vereinigung von Schule und Gutsbetrieb, etwa auf dem Wege der Stiftung vorgesehen.

[5] Baupläne: Größte Schwierigkeit bereitete die nun einsetzende Ausarbeitung der Baupläne. Nachdem wir, auch mit Hilfe der Mitglieder, denen wir hiermit für ihr Interesse und ihre wertvollen Ratschläge herzlich danken, sämtliche Möglichkeiten durchgearbeitet hatten, von dem eingeschossigen, langgestreckten Bau über Atriumanlage bis zum Flügelhaus, ergab sich, daß schon aus schalltechnischen Gründen, vor allem aber, um für die Zukunft viele Möglichkeiten offen zu halten, eine Einzelhausbauweise das Beste war. Im Frühjahr 1940 fanden wir in Herrn Regierungsbaumeister Paul Heim, Stuttgart, den rechten Baumeister. Er arbeitete eine Einzelhausanlage aus, deren Zukunftsbild Sie auf Blatt 1.) finden. Die Häuser sollten am Waldrand in einem anzulegenden Garten liegen. Als erstes wurde Ausgang 1940 das Haus für Fräulein Schlaffhorst und Fräulein Andersen, auf der Skizze das vorderste, zur Baugenehmigung eingereicht. Die Aussichten für die Erlangung der Genehmigung standen nicht schlecht, da machte im Februar 1941 ein die Bautätigkeit erneut scharf einschränkender Erlaß diesen Hoffnungen ein Ende. Angesichts der Lage entschloß sich Gräfin Bredow, das Gutshaus für einen Umbau zur Verfügung zu stellen. Der Umbauplan wurde Anfang Mai 1941 eingereicht und genehmigt. Bestimmend für die sehr einsichtigen Behörden war vor allem das Verständnis, ja, die Fürsorge für die eine Ausnahme rechtfertigenden Persönlichkeiten von Fräulein Schlaffhorst und Fräulein Andersen, und die Überzeugung von der kulturellen Bedeutung der Schule für den Osten. und wenn auch zunächst vielleicht mancher von Ihnen die Verlegung der Schule beispielsweise an einen reizvollen Ort Mitteldeutschlands mehr begrüßen würde, so mag ein geheimer Sinn unsere Schule, die durch die Leiterinnen im deutschen Ostraum hinleiten. Trotz mancher Schwierigkeiten schritt der Bau gut und lebendig vorwärts. Seine äußere Ansicht gibt Ihnen Blatt 2. In dem vom Beschauer aus linken Flügel befinden sich die Räume für Fräulein Schlaffhorst und Fräulein Andersen, in der Mitte Diele und Büro, im rechten Flügel Eßzimmer und Küche. Nach rechts hin ist die Einfassung eines kleinen Gartenhofes zu einer überdachten Schwinghalle erweitert. In den beiden Dachgeschossen befinden sich 2 Lehrerinnenräume, 17 Schülerzimmer sowie die erforderlichen Personal- und Nebenräume.

Auf Blatt 3 sehen Sie das zusätzlich für Fräulein Schlaffhorst und Fräulein Andersen bestimmte Waldhaus als ersten Ansatz zur Verwirklichung des ursprünglichen Planes von Blatt 1. Aus einer erst vorge[6]sehenen primitiven Waldhütte hat es sich während des Baues zu einem dauernd bewohnbaren, vollständigen Haus entwickelt, nicht ungeschickt für die ersten Jahre an die Stelle des künftigen Wohnhauses zu treten. Durch diese Möglichkeit, entweder in dem einen Flügel des Schulhauses oder, ganz nach dem inneren Bedürfen, Wochen, ja Monate lang, im Waldhaus zu leben und nur zu gelegentlichen Stunden zur Schule zu fahren, ist vielleicht die rechte Form für den Lebensabend von Fräulein Schlaffhorst und Fräulein Andersen gefunden.

Beide Bauten, Schule und Waldhaus, sind im Äußeren fertig. Der innere Ausbau ist soweit vorbereitet, daß er zum Frühjahr beendet sein wird.

Der Lauf der Ereignisse wird ergeben, ob wir dann Hustedt verlassen und die Arbeit an der neuen Stelle fortführen sollen.

Mitgliederversammlung und Vorstandswahl: Nach § 6 II der Satzung umfaßt die Geschäftsdauer des Vorstandes 2 Jahre. Die letzte Amtsperiode des gegenwärtigen Vorstandes läuft seit 1937 ‑ die Erneuerung der Wahl sollte auf der zum 10. September 1939 einberufenen Mitgliederversammlung erfolgen. Seit Beginn des Krieges waren die Verkehrsverhältnisse für die Abhaltung einer Mitgliederversammlung wenig geeignet und schriftliche Neuwahl, die auch in der Satzung nicht vorgesehen ist, schien nicht das Richtige. Wir schlagen deshalb vor, daß der gegenwärtige Vorstand die Geschäfte bis zu der Gelegenheit für eine Mitgliederversammlung weiterführt. Falls aber die Mitglieder anderer Ansicht sind, bitten wir um Mitteilung.

Herzliche Grüße und gute Wünsche für das neue Jahr!

Heil Hitler!



Dr. Wilhelm Menzel

Maria Gräfin Bredow

Anita Grauding

Dora Idler

Hirschberg i. Schles. Pirolweg 21

Seefeld Pom.

Hustedt Jägerei über Celle

Leipzig Beethovenstr. 14




gedrucktes Rundschreiben

An unsere alten und neuen Freunde!

Lieme in Lippe, den 17. Dezember 1948.

Ein Rundschreiben über unsere Gesellschaft, wie Sie es auf Seite 17/18 des „Jahresplanes 1949/50“ finden, war schon für September vorgesehen. Verhandlungen über die Neubegründung der Schule haben sein Erscheinen verzögert. Heute können wir Ihnen mitteilen, daß am 6. November der Pachtvertrag über ein geeignetes Grundstück in Lieme in Lippe unterzeichnet ist, und daß der Genehmigung der Schule von Seiten der Regierung nichts mehr im Wege steht.

Die Verwaltung der Schule befindet sich bereits seit Mitte November in Lieme. Ab Anfang März werden die Lehrkräfte anwesend sein, um die Aufnahmeprüfungen vorzunehmen. Wir hoffen sehr, daß Fräulein Andersen uns Anfang September folgen wird. Alles Nähere über Studienplan und Veranstaltungen sehen Sie aus dem „Jahresplan“.

Von den Lehrkräften der Schule arbeiten hauptberuflich Frau Irma von Arnim, Fräulein Anna Bruckner, Fräulein Anita Grauding und Fräulein Irmgard von Harling; Herr Werner Stolte ist Lehrer und Kantor in Lieme. Die anderen Lehrkräfte werden in acht- bis vierzehntägigen Abständen zur Erteilung von Unterricht nach Lieme herüberkommen.

Ostermontag, den 18. April 1949, im Anschluß an den Pädagogischen Osterkurs findet vormittags 10 Uhr die Mitgliederversammlung der Gesellschaft der Freunde, nachmittags um 4 Uhr die Eröffnungsfeier der Schule statt. Wir hoffen, recht viele von Ihnen bei diesen Veranstaltungen begrüßen zu können. Eine gesonderte Einladung für die Mitgliederversammlung unter Angabe der Tagesordnung wird Ihnen Anfang Februar zugesandt.

Unser neues Grundstück liegt 4 km westlich von Lemgo an der Straße nach Salzuflen. Es sind zwei mittelgroße Häuser mit 1 ha Obstgarten; das eine ein altes Lemgoer Bauernhaus, das andere ein Neubau. Über die Verpachtung hinaus haben sich die Grundstückseigentümer, Herr und Frau Kochsiek, zu einem Mitarbeitsvertrag bereit gefunden. Frau Kochsiek übernimmt die Leitung von Küche und Haus, Herr Kochsiek als gelernter Tischler einen großen Teil der handwerklichen Arbeiten und zusammen mit Fräulein Herta Bienko, unserer Seefelder Gartenmeisterin, die Pflege des Gartens.

Die räumlichen Verhältnisse sind selbstverständlich bescheiden. In beiden, unmittelbar an der Landstraße gelegenen Häusern stehen uns neben den erforderlichen Wirtschaftsräumen 15 Wohnräume zur Verfügung. Diese Räume reichen bestenfalls für die Ausbildungsschüler; schon ein Teil der Lehrkräfte wird anfangs außerhalb wohnen müssen. Für unsere alten Freunde und für Schüler mit kürzerer Aufenthaltsdauer werden wir voraussichtlich im Dorf Lieme hier und da Einzelzimmer bekommen. Die ganze Einrichtung wird so einfach wie möglich gehalten; im Anfang des neuen Jahres werden wir eine Liste der vordringlichsten Anschaffungsgegenstände aufstellen und versenden.

Die zuständigen Behörden, in erster Linie der Bürgermeister von Lieme, aber auch die Schulaufsichtsbehörden haben sich sehr verständnisvoll gezeigt, und wir hoffen, daß es zu einem guten Anfang und einer gedeihlichen Weiterentwicklung unserer Arbeit kommt.

Für die Bekanntgabe der Neueröffnung der Schule steht uns nur eine sehr kurze Frist zur Verfügung, und wir bitten unsere Freunde deshalb, uns dabei zu helfen, daß der „Jahresplan“ recht weiten Kreisen zugänglich wird. Wir legen diesem Schreiben einige Versandstreifen bei und bitten, sie mit den Adressen von Interessenten zu beschriften und an uns zurück zu schicken, da zur Vermeidung von Doppellieferungen der Versand von einer Stelle aus erfolgen muß. Weitere Versandstreifen können mittels der im „Jahresplan“ eingefügten Karte bei uns angefordert werden.

Die Bestimmungen erforderten eine erneute Genehmigung der Gesellschaft und damit zugleich eine erneute Eintrittserklärung auch seitens der alten Mitglieder. Sie finden den entsprechenden Vordruck im „Jahresplan“. Wir bitten, ihn auszufüllen und an uns zu senden. Bei der Bemessung des Beitrages in dieser ja für fast jeden schwierigen Zeit sollen Sie wissen, daß die Gesellschaft pflichtgemäß die zusätzliche Altersversorgung der Lehrkräfte der Schule übernommen hat.

Und nun recht herzliche Grüße zum Weihnachtsfest und gute Wünsche zum Neuen Jahr!

Der Vorstand der Gesellschaft der Freunde

gez. Dr. Wilhelm Menzel                             gez. Dr. Maria Gräfin Bredow
Lethmate, Gennaerstr.
66                                       Lieme in Lippe

gez. Anita Grauding
Marburg/Lahn, Friedrichsplatz 9.


maschschr. Rundschreiben

Gesellschaft der Freunde                                                  Schriftleitung.
der Schule Schlaffhorst-Andersen                       Lieme/L., den 11. April 1949

An unsere alten und neuen Freunde!

I.      Anbei erhalten Sie die Einladung zu der im Schreiben vom 17. Dezember 48 angekündigten Mitgliederversammlung. Am gleichen Tage nachmittags 4 Uhr findet die Eröffnungsfeier statt, zu der wir Sie ebenfalls herzlich einladen.

         Wir müssen um Nachsicht bitten, dass diese Einladungen so spät herausgehen. Obgleich die Voraussetzungen für die Durchführung baulicher Arbeiten günstiger geworden sind, war bisher nicht mit Sicherheit zu sagen, ob der Bau des neuen Hauses und der Umbau des Bauernhauses rechtzeitig fertig würden. Es ist aber gelungen, und aus den beigefügten Grundriss-Skizzen können Sie die Raumverteilung ersehen.

         Der durch den Umbau des Bauernhauses erzielte Raumgewinn erlaubt, dass diejenigen Mitglieder, denen die Reise zur Mitgliederversammlung und Eröffnungsfeier nicht lohnen würde, anschließend noch für einige Zeit zur persönlichen Arbeit in Lieme bleibenkönnen. Wem es aber später besser passt, für den hoffen wir auch in den kommenden Monaten einen Platz zur Verfügung stellen zu können. Mitglieder, bei denen der Besuch allein an der Geldfrage scheitern würde, bitten wir, einen Antrag auf Reise- notfalls auch aus Aufenthaltszuschuss an die Gesellschaft zu stellen. Damit diesen Anträgen weitgehend entsprochen werden kann, was aus laufenden Mitteln schwierig sein dürfte, bitten wir die Mitglieder, die dazu in der Lage sind, einen Sonderbeitrag für diesen Zweck zu stiften.

II.     Die Mitgliedsbeiträge für 1948 sind fast ausnahmslos pünktlich überwiesen worden, und wir danken Ihnen herzlich dafür! In diesen geldlich so schwierigen Zeiten haben wir Ihre Hilfsbereitschaft und Opferfreudigkeit doppelt dankbar empfunden, und oft war es gerade ein gar nicht hoher Beitrag, der uns über eine Schwierigkeit hinweggeholfen hat.

III.    Diejenigen unserer alten Mitglieder, welche die bestimmungsgemäß erforderliche erneute Eintrittserklärung bisher nicht ausfüllten, bitten wir, dies bald nachzuholen. Sie finden den entsprechenden Vordruck bei Seite 18 im Jahresplan. Der Mitgliedsbeitrag wird üblicherweise in Monatsbeiträgen entrichtet, kann aber auch durch eine einmalige Jahresspende geleistet werden. nicht minder wert sind uns die Mitglieder, denen zur Zeit eine Beitragszahlung nicht möglich ist, die aber mit uns verbunden sein wollen.

mit freundlichem Gruß!

Der Vorstand der Freunde der Schule Schlaffhorst‑Andersen

       gez.: Dr. Wilhelm Menzel      gez.: Dr. Maria Gräfin Bredow   gez. Anita Grauding
     Dortmund, Rheinlanddamm               Lieme in Lippe                  Lieme in Lippe
       (Pädagogische Akademie)





maschschr. Rundschreiben

Gesellschaft der Freunde                                                                       Schriftleitung.
der Schule Schlaffhorst-Andersen                                            Lieme/L., den 11. April 1949

Einberufung der ordentlichen Mitgliederversammlung 1949
für Ostermontag, den 18. April in Lieme/Lippe. Beginn vormittags 10 Uhr.

Tagesordnung

1.)     Wahl des Vorstandes.

2.)     Geschäfts- und Rechnungsbericht.

3.)     Beschlussfassung über Verwendung der mittel der Gesellschaft.

4.)     Wahl der Rechnungsprüfer.

5.)     Beschlussfassung über eine durch die Verlegung nach Lieme/Lippe verursachte Änderung von §1 der Satzung, den Sitz der Schule betreffend.

6.)     Verschiedenes.

Der Vorstand der Freunde der Schule Schlaffhorst‑Andersen

       gez.: Dr. Wilhelm Menzel   gez.: Dr. Maria Gräfin Bredow     gez. Anita Grauding
     Dortmund, Rheinlanddamm             Lieme in Lippe                     Lieme in Lippe
       (Pädagogische Akademie)




maschschr. Niederschrift mit eigenhändiger Unterschrift

(Protokoll) Niederschrift über
die (Der) Mitgliederversammlung der Gesellschaft der Schule Schlaffhorst‑
Andersen am 18.4.49 in Lieme/Lippe
. 10 Uhr vormittags

Anwesenheitsliste:

1.      Dr. Maria Gräfin Bredow

2.      Anita Grauding

3.      Dora Idler

4.      Irmgard von Harling

5.      Anna Bruckner

6.      Lilli Wendik

7.      Hans Wolfgang Offele

8.      Heloise Löns

9.      Lotte Bleul

10.    Waltraut Seyd

11.    Helene Schönfeld

12.    Irma von Arnim

13.    Martha Luise Merckens

14.    Anne-Liese Meyer

15.    Elisabeth Vossler

16.    Renate Eckbrecht-Dürckheim

17.    Hanna Siem

18.    Erne Nissen

19.    Anka Schulze

20.    Dr. Rudolf Leutiger

21.    Liselotte Leutiger

22.    Wilhelm Frh. Schenck z.S.

23.    Fritz Enkemann

24.    Dorothea Helms

25.    Irmel Willmans

27.    Elisabeth Goebel

28.    Dr. Karl Pörschke

29.    Margarete Ottmer

30.    Christa Angenete

31.    Elisabeth Engelmann

32.    Herta Bienko

33.    Irmgard Marbach

34.    Freya Hobohm

35.    Anneliese Sonneborn

36.    Heinz Lorenz

Folgende abwesende Mitglieder waren vertreten durch:

Hanna Siem:       Frau Dr. Selbmann      Elisabeth Goebel:           Noack
                          Gertrude Schümann
                          Dora Kalk
                          Helene Gertz
                          Meta Höhndorf

Anka Schulze:    Inge Kühl                   W. Fh. v. Schneck:        Fleck
                          Ilse Krüger                           Wiesike
                          Ilda von Wolff
                          Erna Bulgrin, geb.       Irma Ziegler:                 Berthel Wagner
                             Neumann                          Lotte Fink
                          von Kalben                          Cläre Eschebeck
                                                                     O. Stössel

Insgesamt:     36 anwesende Mitglieder
18 vertretene abwesende Mitglieder
54 abstimmberechtigte Mitglieder

1. Wahl des Vorstandes:

Verlesung der bisherigen Satzungen.

Verlesung über die Gründung der Gesellschaft der Freunde d. Schule Schlaffhorst-Andersen

Gräfin Bredow gibt als Vorstandsmitglied Bericht über die Tätigkeit der Gesellschaft in den letzten Jahren:

Seit 1945 ist verhältnismäßig wenig Aktivität entfaltet worden. Wir hatten sehr viel Arbeit darauf verwendet, die Schule in Seefeld neu zu gründen. Sie wurde im Jahre 1941/42 mit großem Krafteinsatz von Hustedt nach dort verlegt. Ende des Krieges starb Fräulein Schlaffhorst. Das war ein sehr schwerer Schlag. Dadurch und durch die Ereignisse zu Kriegsende gelang es nicht sofort, ein neues Haus zu bekommen. Später wurden etwa 20 Gutshäuser angesehen, u.a. auch das alte Haus in Hustedt. Durch die inzwischen erfolgten starken Belegungen der Häuser wären aber umfangreiche Räumungsprozesse notwendig geworden, sodass sich diese Pläne zerschlugen. 1946 hindurch ist immer gesucht worden. Danach war ich politisch tätig. Bei etwas glücklicherem Verlauf hätte man in Stuttgart ein Wohnheim bekommen können. Es wurde nichts. Doch jetzt hat sich hier in Lieme die Möglichkeit geboten.

Hanna Siem:  spricht von der ersten Gründung der Gesellschaft. Die Lehrerschaft wurde gestützt durch die Gesellschaft der Freunde. Damals waren die Vertreter nicht immer die richtigen. Fräulein Schlaffhorst und Andersen schlugen vor, die Lehrer mit hineinzunehmen in den Vorstand.

Schönfelder:   ist der Meinung, dass Lehrkräfte nicht in der Gesellschaft der Freunde sein dürfen.

Enkemann:    Fragt, wie es sich mit den außerhalb der Schule in Lieme stehenden Häusern und Lehrkräften verhält.

Antwort:        Der Verband der Lehrkräfte der Schule ist erst im Entstehen. Die Schule Schlaffhorst-Andersen lebt über all dort, wo mindestens eine Lehrkraft arbeitet. Die Schule in Lieme ist das „Mutterhaus“, ein Teil des Gebildes. (Benedictinerorden z.B.). Der schroffe Gegensatz zwischen Lehrer und Schüler besteht nicht, wir sind alle Schüler.

Gräfin Bredow, auf Anfrage Schönfelders:  Dieser Gedanke hat so viel für sich, dass er angewendet worden ist. Aber die Theorie hat sich in der Praxis als nicht durchführbar erwiesen. Die Interessiertesten daran sind die Lehrkräfte. Die Führung darf nicht abgleiten in rein wirtschaftliche Hände.

A. Schulze:    Es gibt jetzt nahestehende, erprobte Freunde, auf die man sich verlassen kann.

Gräfin Bredow:         Man muss immer mit dem schlimmsten Fall rechnen. Beim einzelnen Menschen ist in unvorstellbarer Masse der Machttrieb vorhanden. Auf die Auswahl der Mitglieder, Vorstand, Lehrer usw. ist ein ungeheurer Wert zu legen. Die Gesellschaft ist Inhaberin der Schule. Es müssen die geeignetsten Personen gewählt werden; sie sind selten. Alle Dinge der Schule müssen mit äußerster Klugheit und Zartheit behandelt werden, auch unser Miteinander. „Wo Gefahr ist, wächst das Rettende auch“ (Hölderlin), Umkehrung v. Bredow: „Wo das Rettende ist, wächst auch die Gefahr!“ Deshalb müssen wir äußerst vorsichtig vorgehen, damit die Fäden nicht verwirrt werden. Die Kassenverhältnisse müssen so sauber sein wie üblich im Geschäftsleben. Ideal gesonnene Körperschaften beachten diese Grundsätze häufig nicht genügend. Sie bleibt bis auf weiteres in der Hand der Gesellschaft und der Lehrkräfte, die beide zusammen gehören. Die Lehrkräfte müssen unbedingt Mitglieder sein, sie gehören auch in den Vorstand. Wer wirbt die Mitglieder? Die Lehrkräfte.

H. Siem:        Das Wirtschaftliche soll der Vorstand der Gesellschaft in der Hand haben. § 6 heranziehen.

Gräfin Bredow:         Der neu zu gründende Lehrerverband soll freie Hand haben, er soll möglichst stark gemacht werden. Alle pädagogischen Fragen sollen vom Verband der Lehrkräfte behandelt werden. Die medizinischen Dinge sollen von der Gesellschaft der Freunde behandelt werden. Man kann alle Menschen, die interessiert sind, zusammenfassen, personelle Union, sachliche Trennung. Ämterhäufung ist, wie im wirtschaftlichen Leben, so auch hier von Vorteil. Personelle Verschmelzung von Gesellschaft und Lehrerschaft, aber sachliche Trennung. Es kann ein Problem weitergereicht werden und gelöst werden.

Auf Anfragen von Seyd:       Die Leitung der Schule in Lieme besteht aus der ersten Leiterin, Fräulein Andersen, der 2. Leiterin Frl. Grauding, dem Geschäftsführenden Vorstand, Gräfin Bredow.

                      In den Vorstand dürfen nur Mitglieder gewählt werden, es können aber auch Menschen vorgeschlagen werden, von denen wir wissen, dass sie Mitglieder werden wollen.

Antragstellung:

„Abweichend vom § 6 der Satzungen bei der heutigen Versammlung auch solche Personen als Vorstandsmitglied zuzulassen, die ihre Mitgliedschaftserklärung noch nicht neu vollzogen haben.“

                      Antrag wird angenommen (einstimmig).

Nissen:           Welche Aufgaben hat Fräulein Andersen?

Gräfin Bredow:         1. Sie ist Ehrenmitglied der Gesellschaft

2. Sie ist Leiterin der Schule. Vom Ausdruck „Gründerin“ ist abgesehen worden, da mit dieser Bezeichnung keine Rechte verbunden sind.

Verlesung der Satzungen von 1937 mit dem Ausdrücklichen Hinweis: „Die Gesellschaft der Freunde darf nur in Vereinbarung mit Fräulein Schlaffhorst und Andersen Beschlüsse fassen.“

Fräulein Andersen ist Mittelpunkt der gesamten Schule.

Vorschläge zur Wahl des Vorstandes:

1.      Dr. Wilhelm Menzel

2.      Dr. Maria Gräfin Bredow

3.      Anita Grauding

4.      Mintja Bostedt (Vom Vorstand für Dora Idler vorgeschlagen u. angenommen.)

5.      Dr. Martha von Dobrogoiski

6.      Anka Schulze

7.      Wilhelm Frh. Schenck z.S.

8.      Winfried Frh. Schenk z.S.

9.      Irmgard Marbach (Abstimmung für den Vorschlag: für: 16, gegen: 10, Enthaltung: 10)

Wahlordnung: Jedes Mitglied kann 4 Namen ankreuzen.

Wahlausschuss: Dr. Karl Pörschke, Dr. Leutiger, Fräulein Schönfelder, Frau Leutiger als Protokollführer.

Wahlergebnis: Von den 54 abstimmberechtigten Mitgliedern wurden 215 Wahlvorschläge abgegeben.

1.      Dr. Menzel                       46  Stimmen

2.      Gräfin Bredow                  38

3.      A. Grauding                     17

4.      Bostedt                            49

5.      v. Dobrogoiski                  30

6.      A. Schulze                       13

7.      Wilh. v. Schenck                3

8.      Winfr. v. Schenk              16

9.      Marbach                             3

Danach wurden für den neuen Vorstand der Gesellschaft gewählt:

1. Dr. Menzel   2. Gräfin Bredow   3. v. Dobrogoiski   4. Bostedt

Die Gewählten nehmen an, für Frau v. Dobrogoiski steht die Zusage noch aus. Sollte sie nicht erteilt werden, tritt A. Grauding an ihre Stelle.

2. Geschäfts- und Rechnungsbericht

Verlesung des Vertrages in Lieme.

3. Beschlussfassung über die Verwendung der Mittel der Gesellschaft

Pachtfragen

Honorar für Lehrkräfte

Persönliche Verwaltungskosten

Allgemeine Richtlinien für Lehrerhonorar.

Das Honorar sollte an die Stundenleistungen geknüpft sein, um gleiche Verhältnisse für Lehrkräfte inner- und außerhalb der Schule in Lieme zu schaffen.

Vorgesehen ist ein Grundgehalt von DM 80,‑ für Lehrkräfte. Die Einzelstunden darüber hinaus werden mit DM 1.‑ entgolten, DM 2.‑ erhält die Schule.

Die Lehrkräfte von außerhalb der Schule können für den Satz von DM 2.‑ in Lieme unterkommen und durch Einzelstunden dazu verdienen.

4. Wahl der Rechnungsführer

Meyer zu Schwabedissen, Herford

Dr. Leutiger, Enger

5. Beschlussfassung über eine durch die Verlegung nach Lieme/Lippe verursachte Änderung von § 1 der Satzung, den Sitz der Schule betreffend.

In § 1 wird „Hustedt“ durch „Lieme“ ersetzt. (Einstimmiger Beschluss)

6. Verschiedenes: (Garnichts).

Liselotte Leutiger.
Protokollführerin

 

Eingetragen unter Nr. 163 des Vereinsregisters.

Celle, den 28.Juni 1950



[Siegelstempel]                                          [Unterschrift] Justizangestellter
                            als Urkundenbeamter der Geschäftsstelle des Amtsgerichts





Gesellschaft der Freunde der Schule                                         Lieme in Lippe, d. 20.4.1950
Schlaffhorst-Andersen e.V.

Rundschreiben an die Mitglieder der Gesellschaft der Freunde der Schule Schlaffhorst-Andersen

Liebes Mitglied!

Vorstandswahl.

In der Mitgliederversammlung vom 18. April 1949 in Lieme wurden bei der Neuwahl zu Mitgliedern des Vorstandes gewählt: Dr. Wilhelm Menzel, Dr. Maria Gräfin Bredow, Fräulein Mintja Bostedt, Frau Dr. Martha von Dobrogoiski. Nachdem letztere die Annahme der Wahl abgelehnt hatte, trat die an 5. Stelle gewählte Fräulein Anita Grauding in den Vorstand ein. Da die Annahme des Vorstandsamtes durch Fräulein Bostedt längere Zeit in der Schwebe blieb, hat der Vorstand bis zum März 1950 nur aus drei Mitgliedern: Dr. Wilhelm Menzel, Gräfin Bredow und Fräulein Anita Grauding ‑ bestanden.

Im Oktober 1949 wurde von der Lehrervereinigung der Wunsch vorgebracht, daß die bisherige rechtliche und wirtschaftliche Verbindung zwischen der Liemer Hauptschule und der Gesellschaft der Freunde gelöst würde. Nach eingehenden Beratungen wurde dieser Vorschlag im März 1950 zurückgezogen, weil er die Zukunft der Liemer Schule gefährdet hätte, die zumindest gegenwärtig des wirtschaftlichen und rechtlichen Rückhaltes der Gesellschaft bedarf.

Mit der Trennung von Gesellschaft der Freunde und Liemer Schule wäre eine Neuwahl des Vorstandes verbunden gewesen, um die der Liemer Schule angehörenden Vorstandsmitglieder durch neutrale Persönlichkeiten zu ersetzen.

Sobald die Anregung der Lehrervereinigung hinfällig wurde, entstand aufs neue die Frage nach einer Ergänzung des Rumpfvorstandes. Nachdem Fräulein Mintja Bostedt die Annahme der auf sie entfallenen Wahl abgelehnt hatte, rückte automatisch der an nächster Stelle gewählte Assessor Winfried Freiherr Schenk zu Schweinsberg auf und nahm die Wahl mit Wirkung zum 15. März 1950 an. Zugleich erklärte Gräfin Bredow, welche in Folge einer Erkrankung bereits Ende August sowohl die Verwaltungsgeschäfte der Liemer Schule wie die Geschäftsführung der Gesellschaft der Freunde auf Fräulein Irmgard von Harling übertragen hatte, daß sie aus gesundheitlichen Gründen dem Vorstand nicht länger angehören könne und ihr Amt mit Wirkung zum 31. März 1950 niederlege. Die Entscheidung über die Entlastung obliegt der nächsten Mitgliederversammlung.

Eine Besetzung der durch das Ausscheiden von Gräfin Bredow freiwerdenden Stelle im Vorstand durch Nachrücken auf Grund des Wahlvorschlages vom 18. April 1949 ist nicht möglich, nachdem die nächstfolgende Kandidatin, Frau Anka Schulze, abgelehnt hat und die beiden letzten Kandidaten in toter Wahl nur je drei Stimmen erhielten. Damit ist eine Nachwahl für die vierte Stelle im Vorstand erforderlich geworden. Die Ämterverteilung wird der Vorstand satzungsgemäß erst nach vollzogener Wahl unter sich regeln. Zur Durchführung dieser vom Vorstand hiermit beantragten Nachwahl ist die Einberufung einer Mitgliederversammlung, die in heutigen Zeiten große Unkosten und Schwierigkeiten machen würde, nicht erforderlich, da nach § 9 Abs. III der Satzung schriftliche Abstimmung über Anträge zulässig ist. Als Frist für den Eingang der Abstimmungsantwort wird die Zeit bis zum [2] 15. Mai bestimmt. Da Fräulein Irmgard von Harling bereits seit dem 1. September 1949 die Kassengeschäfte der Gesellschaft führt, erlaubt sich der Vorstand, als unverbindliche Anregung die Wahl von Fräulein Irmgard von Harling anheimzustellen. Es kann dabei keinem Zweifel unterliegen, daß den Mitgliedern unbenommen ist, ihre Stimme einem andern Kandidaten zu geben. Gewählt ist, wer die Mehrheit der gültigen Stimmen erhält.

Wirtschaftsbericht.

Entsprechend der Hustedter Tradition ist die Gesellschaft der Freunde Schulträger des Haupthauses, das jetzt in Lieme ist, und als solcher vom Regierungspräsidenten Detmold durch Urkunde vom 15. Februar 1949 anerkannt. Die wirtschaftliche Verantwortung für diese Schule trägt daher der Gesamtvorstand der Gesellschaft.  Da die Gesellschaft seit l939 eingetragener Verein ist, haftet für die Schule nur das Vereinsvermögen, nicht das Privatvermögen der Mitglieder. Zum Aufbau der Hauptschule sind an Mitteln der Gesellschaft verausgabt worden: 1.834.46 DM Spenden und 2.641.90 DM Mitgliedsbeiträge sowie 16.000 DM Osthilfedarlehn eines bisherigen Vorstandsmitgliedes. Alle übrigen Mittel sind durch öffentliche Zuschüsse aufgebracht worden, die nicht zurückgezahlt werden. Zurzeit besteht noch eine Restschuld an Privatgläubiger aus Baukosten und Lieferungen in Höhe von 9.500 DM sowie an rückständigen Lehrerhonoraren in Höhe von 1.900 DM. Die Gläubiger wollen auf die Hälfte ihrer Restforderung verzichten, wenn ihnen die andere Hälfte aus öffentlichen Mitteln bezahlt wird. Auch die Lehrer sind zu dem Verzicht der Gläubiger entsprechender Kürzung bereit, sodaß mit einem Zuschuß von 6.000 DM die Hauptschule frei von Privatschulden sein würde. Zu diesem Zweck sind bereits eingehende Verhandlungen mit den zuständigen Regierungsstellen aufgenommen worden.

Bei dem Aufbau der Schule war es unvermeidlich, daß der Vorstand seine auf 2.000 DM begrenzte Vollmacht überschritt. Der nächsten Mitgliederversammlung wird ein genauer Rechenschaftsbericht vorgelegt werden und ihre nachträgliche Genehmigung und Entlastung wird erbeten werden.

Seit dem 1. September 1949 ist der Haushaltsplan der Hauptschule annähernd ausgeglichen. Das Gleiche gilt von dem Voranschlag 1950 wobei allerdings der ordnungsmäßige Sollbetrag der Mitgliedsbeiträge voll in Rechnung gestellt ist. Der Vorstand bittet daher herzlich um pünktliche Bezahlung der Beiträge und erhofft eine ähnliche Förderung von den freundlichen Spendern. Insbesondere wird ratenweise Nachzahlung rückständiger Beiträge erbeten. Auch Werbung neuer Mitglieder ist ein wirksames Mittel, die Gesamtschule Schlaffhorst-Andersen zu unterstützen. Diejenigen aus den Kreisen der ehemaligen Mitglieder, die seit 1948 ihre Mitgliedschaft noch nicht erneuerten, bitten wir, das nachzuholen, da es für eine ordnungsmäßige Durchführung unerläßlich ist.

Der Vorstand dankt allen denen herzlich, die in zum Teil sehr großer Opferfreudigkeit. den Aufbau und die Erhaltung der Hauptschule durch Beiträge und Spenden ermöglicht haben. Diese Beiträge und Spenden sind eine wesentliche Grundlage für das Vertrauen der Regierung gewesen und werden es auch in Zukunft sein.


Schularbeit.

Von der Arbeit selbst ist Erfreuliches zu berichten. Rund 200 Schüler und Kursteilnehmer haben im ersten Jahr das Haupthaus aufgesucht, darunter ein großer Anteil in der Ausbildung oder bereits im Beruf stehender Lehrer und Jugendleiter. Die Arbeit ist von allen [3] mit Begeisterung aufgenommen worden und hat in der Regel zu guten Ergebnissen geführt. Zunehmendes Interesse findet sie im Rahmen der Lehrerfortbildung. Der Regierungspräsident Detmold hat mit Erlaß vom Juni 1949 und der Niedersächsische Kultusminister mit Erlaß vom Dezember l949 den Lehrern den Besuch der Schule empfohlen und durch Beihilfen unterstützt. Weitere Schulverwaltungen werden diesem Beispiel folgen.

Besonders gut eingeschlagen haben die Ferienkurse, und wenn wir diesem Schreiben zwei Exemplare des Prospektblattes beifügen, so mit der Bitte, für den Besuch dieser Kurse zu werben. Der Osterkurs ist voll besetzt, aber für die Sommerkurse beginnt der Eingang der Meldungen erst jetzt.

Durch den Hinweis auf diese Kurse und auf die sonstigen Arbeitsmöglichkeiten wird vielen ein unschätzbarer Dienst erwiesen und zugleich die Idee der Schule Schlaffhorst-Andersen weiter verbreitet. Gleiches gilt für die Werbung für den Besuch des Hauses Schulze und des Hauses Selbmann, beide in Rotenburg/Fulda, und des Kinderhauses Krüger in Weimar. Die Liste aller Lehrkräfte kann leider noch nicht beigefügt werden, da sie noch nicht gedruckt ist.

Berichte von Teilnehmern an den Ferienkursen stehen auf Wunsch zur Verfügung. Die Ferienkurse sind zugleich die beste Gelegenheit zur Auswahl geeigneten Nachwuchses, und es ist deshalb am Kommen junger Menschen, gerade auch von Schülern, besonders viel gelegen. Die jungen Menschen empfangen in diesen vierzehn Tagen gesundheitliche Hilfen und vielfältige Anregungen.

Zum Schluß fordert[!] der Vorstand die Mitglieder herzlich auf, sich im Laufe des Jahres durch einen Besuch in Lieme einen Einblick und ein persönliches Urteil über das Leben der Schule zu verschaffen.

Mit freundlichem Gruß!

gez.   Dr. Wilhelm Menzel
Oberstudienrat und Akademiedozent,
Dortmund, Rheinlanddamm 203

gez.   ;Winfried Freiherr Schenk zu Schweinsberg
Assessor. Schweinsberg Kr. Marburg. Oberhof.

gez.   Anita Grauding, Schulleiterin,
Lieme in Lippe.








Ende Rundschreiben 1928-1950
 

 


Gesellschaft der Freunde (Freundeskreis)

 

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