Beschreibung von Übungen und Spielen für 11-13jährige zur Schulung der ...
1. Selbst- und Fremdwahrnehmung
Spiegelbilder
Jeweils zwei
Jugendliche stehen sich gegenüber und ahmen die jeweiligen Bewegungen des
anderen nach, so als würden sie vor einem Spiegel stehen, also seitenverkehrt.
Jede Kopf-, Körper-, Arm-, Hand-, Bein- und Fußbewegung, auch jeder
Gesichtsausdruck des Partners wird übernommen, sobald eine Veränderung
wahrgenommen wird. So können die Veränderungen fast gleichzeitig vom
„Nachahmenden“ umgesetzt werden, je nachdem, wie genau er wahrnimmt und wie
schnell er reagiert.
a) einer übernimmt die Führung,
der andere ahmt nach (vorher abgesprochene Rollenverteilung mit anschließendem
Wechsel).
b) Die Aufgabe besteht darin, daß
die Rolle des Führens und Folgens während des Tuns getauscht wird und ein
möglichst fließender, fast unmerklicher Wechsel gefunden wird, was sehr
organisch wirkende Bewegungen zur Folge haben kann.
Diese Übungen
können natürlich auch im Sitzen ausgeführt oder auf einzelne Körperteile
beschränkt werden, in jedem Fall erfordert sie aber ein hohes Maß an
Konzentration, genaue Wahrnehmung des Partners, schnelle Reaktionen und eine
gute Wahrnehmung des eigenen Körpers
c) Sie lassen sich auch auf eine
ganze Gruppe erweitern. Die Jugendlichen stehen sich in zwei Kreisreihen
versetzt gegenüber. Einer beginnt sich zu bewegen, woraufhin sich diese
Bewegung durch Nachahmung wellenförmig im Kreis fortsetzt und, wie bei der
„Stillen Post“ verändert bei dem ersten wieder ankommt, der diese veränderte
Bewegung nun wiederum übernimmt u.s.w.
Für diese Übung
sollte die Gruppe nicht größer als 6 - 8 Teilnehmer umfassen, da es sonst zu
lange Pausen für den Einzelnen gäbe, was gerade für diese Altersgruppe
ungünstig wäre.
Die Teilnehmer
müssen sich sehr stark aufeinander beziehen, was auch für das Gefühl der
Gruppe, etwas gemeinsam zu entwickeln, förderlich sein und außerdem Spaß machen
kann.
2. Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit
Spiel mit
Spielstop (Abbrechen der Musik)
Die
Jugendlichen bewegen sich im Raum zu Musik
a) mit vorgegebenen Bewegungen
wie z.B. verschiedenen Gangarten (schnell, langsam, auch rückwärts) oder
besonderen Schwerpunkten der Aufmerksamkeit (z.B. auf Arm- oder Beinbewegungen)
b) mit völlig freien Bewegungen, freiem
Tanz
Die Musik
stoppt plötzlich, und die Jugendlichen verharren in der Stellung, in der sie
sich gerade befinden.
An dieser
Stelle kann eine weitere Aufgabe eingebaut werden, z.B. solange die eigene
Atmung wahrzunehmen, bis die Musik wieder einsetzt und die Bewegung fortgeführt
wird, was gleichzeitig verhindert, daß die Jugendlichen „die Luft anhalten“ und
sich verspannen. Aufgaben könnten auch Summen oder Tönen während der Musik- und
Bewegungspause sein.
Diese Übung
kann außer Spaß und Förderung des Konzentrations- und Reaktionsvermögens auch
das Gefühl für die Bewegung im Raum mit der Gruppe stärken (d.h. sich Raum
nehmen mit gleichzeitiger Wahrnehmung und Rücksichtnahme auf die anderen).
3. Haltung, Bewegung und Koordinationsfähigkeit
Spiele mit dem
Luftballon
a) Die Jugendlichen suchen sich
eine Matte im Raum, auf die sie sich setzen. Sie bekommen einen Luftballon und
beginnen, ihn mit den Füßen zu bewegen, wobei sie darauf achten müssen, daß der
Luftballon nie den Boden berührt. Der gesamte Körper darf sich mitbewegen, auch
zum Liegen kommen, nur der Luftballon muß in der Luft und in Kontakt mit den
Füßen bleiben. Als Erweiterung kann er dann auch mit allen anderen Körperteilen
und auch im Stehen bewegt werden.
Auch bei diesen
Übungen muß darauf geachtet werden, daß die Atmung in jeder Körperhaltung
weiter fließt. Die Bewegungen müssen besonders gut koordiniert werden, sonst
berührt der Luftballon unweigerlich den Boden (oder die Matte).
b) Eine Partnerübung, bei der die
Jugendlichen den Luftballon zwischen ihren Köpfen rollen lassen, also auch hier
immer mit ihm in Kontakt bleiben und dabei den ganzen Körper bewegen, ohne den
Luftballon herunterfallen zu lassen. Anschließend wird der Luftballon nicht nur
zwischen den Köpfen, sondern auch mit dem ganzen Körper, außer den Händen,
bewegt. Ein Führen und Folgen mit unmerklichem Rollentausch stellt sich wieder
ein.
c) Je zwei Jugendliche „werfen“
sich einen Luftballon zu und sagen dem Partner vorher, was der Luftballon
gerade darstellt. Der jeweils fangende Partner stellt sich mit seiner
Körperhaltung und auch seiner inneren Haltung darauf ein und behandelt den
Luftballon dieser Vorstellung entsprechend (z.B. eine Feder, eine Bombe, eine
faule Tomate usw.). Das gleiche Bild kann 2-3 mal verwendet werden (auch zum
Ausprobieren bei beiden Partnern), bis eine neue Idee eine andere Körperhaltung
und Bewegung entstehen läßt.
4. Schulung der Sing- und Sprechstimme
Die Wiener
Waschweiber
Die
Jugendlichen stehen im Kreis in Handfassung und schwingen gleichmäßig mit den
Armen vor und zurück, erst mit kleineren, dann mit größeren Bewegungen. Wenn
das gut funktioniert, wird beim Vorschwung ein ‘f’ hinzugenommen, dann ein ‘w’,
esst im Vor-, dann im Rückschwung. Jetzt wird beim Armschwingen langsam Wort
für Wort, dann Zeile für Zeile der Text des Hey-Verses „Wir Wiener Waschweiber“
erarbeitet, der sowohl zu einer besseren Atemführung und -kraft als auch zu
einer griffigeren Artikulation und mehr Stimmklang verhelfen kann. Durch die
schwingende Bewegung der Arme werden Atmung und Sprechen rhythmisiert, der Text
wird unbewußter und mit mehr Spaß übernommen.
Wir
Wiener Waschweiber
Wollten weiße Wäsche waschen
Wenn wir wüßten, wo weiches, warmes Wiesenwasser wäre.
5. Ausdrucksfähigkeit, Kreativität und Phantasie
Pfirsichkauf
Ein
Rollenspiel, das paarweise erst in verschiedenen Räumlichkeiten geübt und dann
vor der Gruppe aufgeführt werden kann. Die Vorstellung ist eine Situation auf
dem Markt an einem Obststand. Der eine spielt den Obstverkäufer: (als
„Marktschreier“ „gute Pfirsiche, schöne reife Pfirsiche für nur 1 Mark und 80
z.B.“, der andere einen Kunden, der kommt und an den Pfirsichen so lange
herummäkelt, bis der Verkäufer die Geduld verliert und wütend oder resigniert
reagiert, oder aber die Pfirsiche werden überschwenglich gelobt und bewundert,
um dann doch nicht gekauft zu werden (Beispiele). Eine Situation, in der die
Jugendlichen die Möglichkeit haben, sich mit Phantasie in eine Rolle
hineinzuversetzen und sich selbst dabei auszudrücken. Vielleicht verliert der
eine oder andere dabei auch ein wenig die Scheu, vor einer Gruppe zu spielen
und zu sprechen, was viel Selbstvertrauen geben kann.
Der
Pfirsichkauf ist auch in einem sehr lebendigen und artikulatorisch lebhaften
Text von Priewe Thema, der gut dazu verwendet werden kann, entweder Anregungen
zu geben oder direkt mit dem Text zu arbeiten (auch zur Schulung der
Sprechstimme).
Juni/Juli
2000
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Ende Übungsbeispiele für Gruppen
von Jugendlichen (NN)