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Andersen an Lehrervereinigung und Gesellschaft
Briefe
von
Hedwig Andersen
an die
Vorsitzende bzw. den Schriftführer der
Lehrervereinigung
(Anka Schulze
und Wilhelm Frhr. Schenck zu Schweinsberg)
und den
stellvertretendem Vorsitzenden der
Gesellschaft der Freunde
(Winfried
Freiherr Schenck zu Schweinsberg)
der
Schule Schlaffhorst‑Andersen
1948 ‑ 1954
Aus den Akten
der Lehrervereinigung Nr. 25 ‑ 27
übertragen von Rüdiger Kröger
Bad Nenndorf
1999
Hedwig Andersen an Wilhelm Frhr. Schenck zu
Schweinsberg (Rülfenrod)
Lehrervereinigung,
Nr. 25
Schönborn, d. 21.10.48
Lieber
Herr v. Schenck!
Eine
Menge hübscher Karten und der Brief vom 6.10. liegen vor mir, und dieser
giebt mir den entscheidenden Impuls, Ihnen für alles dies zu danken u. Ihnen
auch einmal zu schreiben. Auch für den frankierten Umschlag danke ich herzlich,
denn die famose W[ährungs]reform hat mein bis dahin
ganz nettes Vermögen sehr erschüttert u[nd]
meine Briefportokasse ebenso. Also mit dem Entwurf zu unserer Lehrervertretung
waren Sie nicht zu frieden ‑ ich auch nicht. Aber Ihr Verdacht „von Cliquenwesen“
ist ganz falsch. Es handelte sich darum, die ältesten u[nd] erfahrendsten Lehrerinnen zu vereinen u[nd] dadurch wurde die Zahl von 15 erreicht.
Aber das ist eben was mir von Anfang an nicht gefiel u[nd] es hat sich ergeben, daß auch Andere dasselbe
dachten. So habe ich im Verein mit Frau v. A[rnim] am 16. d. Monats (dem Geburtstage m[einer] Freundin) als sie zu mir kam, um diesen Tag als
Gedenktag zu begehen, die Sache noch einmal umzuändern beschlossen. Zunächst
werden nicht 15, sondern 9 den „Ausschuß“ bilden, während alle andern
Lehrer u[nd] Lehrerinnen zu einer
allgemeinen Vereinigung zusammentreten sollen. Zu diesem gehören außer mir u[nd] Frau Selbmann zunächst die 3, die bei einer
‑ zwar angestrebten, aber noch lange nicht in Aussicht stehenden
Neu-Errichtung der Schule das „Direktorium“ bilden werden, nämlich Grauding,
Harling, Bruckner, ferner Schulze, Krüger, Siem u[nd] Goebel und nach 2jähriger Tätigkeit können dann wieder
andere eintreten.
So
viel über die Zahl, die Ihren Cliquenverdacht hoffentlich beseitigen wird. Was
aber die juristische Mangelhaftigkeit betrifft, da müssen Sie sich eingehender
äußern, denn Frau v. Arnim sowie auch ich ‑ wir haben beide keine Ahnung von
jur[istischen] Notwendigkeiten.
Allerdings sagte Frl. v. Harling, die auch am 16. hier war, daß ihr Schwager,
Herr Rechtsanwalt u[nd] Notar Grahr Bergen bei
Celle auch so etwas Ähnliches gesagt hätte. Aber sie wußte nichts Näheres u[nd] ich bat sie ‑ u[nd] bitte nun auch Sie, mein lieber Herr v. Schenck, diese
Bedenken uns mitzuteilen, damit wir sie beseitigen können. ‑ Für heute
ist es zu Ende mit m[einen] Augen, herzlich grüßt Sie
Ihre H. Andersen, wie auch Roloff und Nissen!
Hedwig Andersen an Wilhelm Frhr. Schenck zu
Schweinsberg (Rülfenrod)
Lehrervereinigung,
Nr. 25
Schönborn, d. 15.11.48
Lieber
Herr v. Schenck!
Ehe
ich Ihre letzten Briefe möglichst ausführlich beantworte, will ich Ihnen
mitteilen, daß es den unaufhaltsamen Bemühungen der Gräfin Bredow gelungen ist,
ein Haus für unsere Schule zu finden. Natürlich ist es nicht im Stil von
Hustedt, oder Rotenburg oder Seefeld, aber immerhin ein schönes Grundstück mit
ziemlich viel Gartenland (sehr wichtig) und 2 Häusern, von denen eines noch
nicht ganz fertig ist, aber zum April 49 noch fertig werden wird, das andere
auch bis zum Frühjahr frei sein wird, so daß dann der Einzug der Schule
geschehen kann. Die Häuser liegen in einem kleinen Dörfchen, Lieme bei Lage, so
recht „mitten drin“ zwischen Lage, Detmold, Herford, Bielefeld. Gott gebe, daß
es zum Guten ausschlägt, dann haben wir wieder einen Angelpunkt, um den und in
dem sich unser Aller Gedanken vereinigen u[nd]
die Wünsche Aller nach persönlicher Zusammenkunft und Aussprache möglich
machen lassen. Alles Übrige müssen wir nun doch bis dahin vertagen u[nd] überhaupt abwarten, ob sich die politischen
Verhältnisse bis dahin nicht verschlechtert haben. Schlimm wäre es ja, wenn uns
das bekannte Wort: 1. kommt es anders, 2. als man denkt.
Nun
zu Ihren Briefen, lieber Herr v. Schenck. Da weiß ich nicht, wo ich anfangen soll.
Zuerst will ich aber mal über Herrn Dr. phil. Menzel Ihre Zweifel beruhigen. Ob
er ein Lehrdiplom für unsere Schule besitzt, weiß ich selber nicht genau,
glaube es aber nicht, weil es sich bei ihm erübrigte, da er als staatlich
angestellter Dozent an der Lehrerbildungsanstalt in Hirschberg ja nicht
gleichzeitig als Lehrer unserer Schule hätte sein können. Aber er hat als
Dozent an Hunderten von jungen Lehrern u[nd]
Lehrerinnen ganz im Sinne unserer Arbeit gewirkt und das Interesse für
unsere Arbeit geweckt und genährt, ist überhaupt ein Vertreter u[nd] Verbreiter unserer Arbeit, wie wir ihn uns
nicht treuer und überzeugter denken können. Überhaupt auch durch persönliche
Freundschaft und gegenseitige Hochachtung schon jahrelang mit uns (d.i. meine
Freundin u[nd] ich) verbunden u[nd] erprobt. Sie können ihn getrost als unsern
treuen Freund betrachten. Er ist es auch der, den sehr glücklichen Gedanken der
Arbeitswochen in Hohenlimburg gehabt und durchgeführt hat. Es war dort nicht
nur die Jugend, sondern auch alle anwesenden älteren u[nd] ältesten Lehrerinnen begeistert über die Art der Durchführung
u[nd] den Erfolg der Sache und
auch über seine sprachlichen und organisatorischen Leistungen. Er ist auch 1.
Vorsitzender der Gesellschaft der Freunde unserer Arbeit und hat auch diese
jetzt wieder auf die Beine gebracht im Verein mit Gräfin Bredow und Fräulein
Grauding, welch letztere ihm auch der Organisation der Arbeitswochen in H[ohenlimburg] tatkräftig beigestanden u[nd] geholfen hat. Auch andere von den ältesten
Lehrerinnen waren dort tätig, z.T. freiwillig, ohne Berufung, z.B. Frau v.
Arnim, Harling, Goebel, Bleul usw. Und bitte: von Cliquenwesen u[nd] d[er]gl[eichen] ist bei uns niemals die
Rede, es giebt nur einen Unterschied, den des Alters, u[nd] die Geschlossenheit der Zusammenarbeit richtete sich in
diesen letzten Jahren lediglich nach der Möglichkeit der Abkömmlichkeit
von ihrer Arbeitsstelle. Auch die Möglichkeit der Unterbringung in H[ohenlimburg] mußte in Betracht gezogen
werden.
Nun
noch etwas über die Lehrervereinigungsidee, die eigentlich von Frl. Goebel ausging.
Die juristische Unzulänglichkeit der Fassung wurde auch von andern bemerkt. Ich
habe mich bemüht, bei kompetenten Personen zu erfragen, worin die besteht, habe
aber nirgend eine klare Belehrung bekommen. Offen gesagt: mir persönlich liegt
nichts daran. Mir, m[einer] Freundin u[nd] ich, wir haben uns nie um juristische
Einwandfreiheit be- oder gekümmert, weder um juristische noch um sonstige
Behörden oder Ansprüche. Auch bei dieser Sache ist lediglich der Wunsch
maßgebend gewesen, Einmischungen von unberechtigter Seite fernzuhalten, d.h.
Einmischungen in Dinge, die nur spezifisch Lehr- und Lehrerangelegenheiten
angehen u[nd] daher auch nur u[nd] lediglich von Lehrberechtigten behandelt
oder besprochen werden dürften. Diesem Bestreben werden Sie, lieber Herr v.
Schenck sicher auch beipflichten. Aber, wie ich wohl schon in meinem vorigen
Brief an Sie bemerkt zu haben glaube: Diese ganzen Angelegenheit ist einstweilen
noch zurückgestellt worden u[nd] wird oder kann vielleicht
erst wieder behandelt werden, wenn in Lieme bei Lage ein organischer
Sammelplatz für solche Dinge entstanden sein wird.
Nun,
mein lieber Herr v. Schenck, ist mir geradeso, als hätten Sie hier bei mir
(leider zwar nicht auf dem grünen Sofa) gesessen u[nd] ich hätte über das alles, was in Ihrem Brief stand, mit
Ihnen gemütlich reden können. Nur eine Frage ist noch nicht geklärt: welches
ist Ihre Hauptamtliche Tätigkeit dort in Rülfenrod? Sie müssen viel unterwegs
sein? Das ist in dieser Jahreszeit nicht angenehm. Aber nun verabschiede ich
mich mit einer herzlichen Umarmung von Ihnen und bitte: bald wieder,
Ihre
alte Tante H. Andersen!
Hedwig Andersen an Wilhelm Frhr. Schenck zu
Schweinsberg (Rülfenrod)
Lehrervereinigung,
Nr. 25
Schönborn, d. 30.11.48
Lieber
Herr v. Schenck!
Ihr
Brief vom 15.11., der am 22.11. zu gleicher Zeit mit dem Vorschlag von Frl.
Goebel bei mir eintraf, hat mich hoch erfreut, als Zeugnis für Ihr tatkräftiges
Mitdenken und
-helfen in der schwierigen Lehrervereinigungssache.
Rührend
und aufopfernd fand ich Ihre Sorge für eine Unterkunft von den ca. 30 weiblichen
Wesen in Gießen! Als ich dann aber Fräulein Goebels Vorschlag zu schriftli[cher] Meinungsäußerung las,
fand ich diesen ‑ wie sie selbst schreibt ‑ echt demokratischen Vorschlag ‑ in
Anbetracht des weit geringern Kostenaufwandes ‑ noch praktischer und stimmte
ihm in meinem Innern zu. Inzwischen hat sich nun die Sachlage noch einmal
geändert. Gräfin Bredow kam zu mir und berichtete über die in Lieme zu Ostern
geplante Neueröffnung unserer Schule und meinte, daß dies der geeignete u[nd] erwünschte Zeitpunkt für eine
Generalversammlung ‑ u[nd] mündlichen
Meinungsaustausch und Beratung wäre, und ich mußte ihr ja darin beistimmen.
Jahreszeit und Ort, sowie auch die Tatsache der Schuleröffnung sind günstiger u[nd] zwingender, als Januar ach nein,
Februar aber gleichviel. Auch der Ort scheint mir allseits leichter erreichbar
und die Gelegenheit vorzüglich geeignet, und die Teilnehmer heranzuziehen und
zu vereinigen. Vielleicht haben sich bis dahin auch die politischen
Verhältnisse etwas geklärt ‑ und wenn nicht, oder sogar noch mehr
verdüstert ‑ na dann ist ja alles Essig!
Was
meine innerste Stimmung anbetrifft, so wünsche ich ganz im Stillen (was
ich aber bis jetzt noch keinem Menschen anvertraut habe) daß ich das
Alles nicht mehr zu erleben brauchte.
Lieber
Herr v. Schenck! mir ist es sehr schmerzlich, daß unser Wiedersehen im Herbst
nun nicht geworden ist. Darf ich fragen, welches Ihre Hauptbeschäftigung ist, in
der Sie soviel unterwegs sein müssen? Sie haben mir so viele so hübsche Karten
geschickt, die mich so sehr erfreut haben! Ich danke Ihnen für Ihr Gedenken u[nd] grüße Sie sehr herzlich als Ihre alte H.
Andersen
Hedwig Andersen an die Lehrkräfte der Schule
Schlaffhorst-Andersen
Lehrervereinigung,
Nr. 25
Schönborn bei Eutin, im November 1948
An
die Lehrkräfte der Schule Schlaffhorst/Andersen.
Auf
das von Frau von Arnim versandte September-Rundschreiben sind zahlreiche wertvolle
Erwiderungen eingegangen. Fast allgemein wurde die zu hohe Zahl der Ausschußmitglieder
beanstandet und von verschiedenen Seiten zunächst die Gründung eines
allgemeinen Verbandes der Lehrkräfte der Schule empfohlen, aus dem dann Ausschüsse
für die verschiedenen Aufgabengebiete gebildet werden können. Dieser Weg
scheint mir der Beste. Die Satzungen dieses Verbandes müssen sorgfältig
ausgearbeitet werden, und einen jeden von Ihnen, der dabei durch Vorschläge und
Anregungen mithelfen kann, bitte ich, es zu tun. Anstelle von Frau von Arnim,
die durch starke Armschmerzen verhindert ist, viel zu schreiben, hat Fräulein
Goebel die Erledigung des Schriftverkehrs übernommen, und ich bitte, alle
Schreiben in dieser Sache an sie zu richten: Adresse: Fräulein Elisabeth
Goebel, (22a) Wuppertal-Elberfeld, Am Neuen Hessen 4. ‑ Bis Mitte Februar
müssen die Satzungen im Entwurf fertig vorliegen und allen Lehrkräften zur
Beschlußfassung über den endgültigen Wortlaut, zur Wahl der Verbandsleitung und
Bildung der verschiedenen Arbeitsausschüsse wird eine Versammlung der
Lehrkräfte der Schule einberufen und zwar voraussichtlich für den 19. und 20.
April 1949 nach Lieme/Lippe, im Anschluß an die für Ostermontag, den 18. April
1949 vorgesehene Eröffnungsfeier der Schule. Ich bitte Sie deshalb schon jetzt,
die Ostertage für diese Veranstaltung frei zu halten.
Die
von Freiherrn von Schenck für Februar vorgeschlagene Zusammenkunft der Lehrkräfte
ist an sich sehr begrüßenswert, jedoch hat die Aussicht auf die baldige Wiedereröffnung
der Schule eine neue Lage geschaffen, und eine Verschiebung von Zeit und Ort
der Zusammenkunft erschien deshalb ratsam. Diese Aussicht ist erst vor kurzem
durch den Abschluß eines Pachtvertrages über ein Grundstück in Lieme spruchreif
geworden, sodaß eine allgemeine Bekanntgabe noch nicht möglich war, auch muß
die Genehmigung der Niederlassung von der Regierung Detmold noch eingeholt
werden. Sobald sie erteilt ist, werden Sie durch ein Rundschreiben der
Gesellschaft der Freunde genauer unterrichtet.
Von
dem gleichzeitigen Schreiben an Freiherrn von Schenck gebe ich Ihnen nachfolgend
auszugsweise Kenntnis.
Ihre
Hedwig Andersen
‑ ‑ ‑ ‑ : ‑ ‑ ‑ ‑
Schönborn, den 29. November 1948
Lieber
Herr von Schenck!
Auf
Ihr Rundschreiben vom 15. November erwidere ich ebenfalls mit einem Rundschreiben,
das schon in Vorbereitung war, als das Ihrige eintraf, und das ich Sie zu lesen
bitte. unter den gegebenen Umständen erscheint es mir nämlich ratsamer, die
geplante Zusammenkunft nicht in Giessen, sondern am neuen Sitz der Schule, in
Lieme/Lippe zu veranstalten, schon damit unsere Lehrkräfte Gelegenheit haben,
die neue Heimat der Schule gleich kennen zu lernen. Auch erlaubt die
Verschiebung des Termins auf Ostern eine sorgsamere Abfassung der Satzungen
durch die Ausarbeitung eines Entwurfes, der den Lehrkräften unterbreitet wird.
Das soll zunächst schriftlich geschehen, weil dies eine allgemeinere und
gründlichere Prüfung gestattet, an der vor allem auch unsere in der Ostzone
wohnenden Lehrkräfte teilnehmen können. Diese Vorprüfung wird noch manche
Anregung und Verbesserung bringen und die endgültige Beschlußfassung erleichtern.
Ihre
Hedwig Andersen
Hedwig Andersen an Wilhelm Frhr. Schenck zu
Schweinsberg (Rülfenrod)
Lehrervereinigung,
Nr. 25
Schönborn, d. 20.1.49
Lieber
Herr v. Schenck!
Für
Ihren lieben Brief vom 16.12.48 danke ich Ihnen herzlich. Ich habe viel über
ihn u[nd] manche seither erlebte
Erfahrung nachgedacht. Aber zum Schreiben konnte ich nicht eher, als heute
kommen. Ich habe eine lebhafte Korrespondenz mit den beiden Verlegern unserer
beiden Bücher, die beide in neuer Auflage erscheinen sollen ‑ ganz unabhängig
von einander „Kofler, Kunst des Atmens“ und Kallmeyer-Nachfolger „Atmung und
Stimme“ zu führen gehabt, und eine Unmenge anderer Briefe, dazu die kurze
Helligkeit der Tage in diesem „Poggenklima“ und meine schlechten Augen, so daß
ich sehr behindert im Schreiben bin. Nun stellen Sie mir die Möglichkeiten
Ihres Besuches vor Augen, die mich sehr beglückte u[nd] mir immer sagt: Wenn er kommt, kann man ja alles viel
besser besprechen als schreiben, wozu meine Kräfte durchaus nicht reichen.
Vieles ist mir aber jetzt durch die Erlebnisse und schlaflosen Nächte klarer
geworden, als es mir etwa vor Weihnachten war. Aber einen Irrtum Ihrerseits muß
ich doch aufklären. Es hat mich Niemand dazu bewegt, die von Ihnen geplante
Zusammenkunft der Lehrkräfte zu verhindern. Ihre diesbezügliche Einladung kam
mit dem selben Brief aus Lieme an, in dem die Zusammenkunft zu Ostern für die
Einweihung der Schule mir angekündigt wurde, und da sagte mir mein praktischer
Verstand sofort: zweimal in so kurzer Aufeinanderfolge werden die von Kiel bis
München verstreuten Lehrkräfte sicher nicht sich leisten können, aber Alle
werden bestimmt gern zur Einweihung der Schule dabei sein wollen, u[nd] so schien es mir auch am richtigsten und
natürlichsten u[nd] am erschwinglichsten,
diese zur Festsetzung der Lehrervereinigung zu benützen.
Lieber
Herr v. Schenck! Heute denke ich anders durch die Erfahrungen, die ich gemacht
habe u[nd] ich wäre daher doppelt
beglückt, wenn Sie kämen, denn schreiben kann ich das alles nicht. Also sage
ich jetzt auf baldiges Wiedersehen! (Hoffentlich) und grüße Sie aus
Herzensgrund als Ihre alte, aber schrecklich dumme H. Andersen.
Nissen
u[nd] Roloff grüßen auch
herzlich.
Hedwig Andersen an Wilhelm Frhr. Schenck zu
Schweinsberg (Rülfenrod)
Lehrervereinigung,
Nr. 25
Schönborn, d. 5.4.49
Lieber
Herr v. Schenck!
So
gut es geht, möchte ich noch auf Ihren Brief vom 30.3. eingehen, kann aber
nicht garantieren, daß die Augen noch für alles ausreichen, was mir und
Ihnen auf der Seele liegt. Inbezug auf Ihre Einladung zum Februar habe ich
Ihnen ja schon mündlich erklärt, daß sie weder durch meinen, noch durch irgend
eines andern Menschen Entschluß hinfällig wurde, sondern lediglich durch das
dazwischen liegende Erscheinen des ersten Prospektes der in Lieme gegründeten
Schule, die die möglichst allgemeine Teilnahme an der Lehrerbesprechung aus
praktischen Gründen auf die zu Ostern projektierte Zusammenkunft aller Lehrer
mit der Einweihung verbinden sollte. Ich denke, die Sache ist nun erledigt.
Was
nun die Bezeichnung meiner Persönlichkeit inbezug auf die Schulleitung anbetrifft,
so ahnte ich nicht, daß noch eine dritte Auflage des Prospektes zu erwarten
war. u[nd] hatte keine Gelegenheit,
die Herausgeber der Prospekte auf eine Änderung aufmerksam zu machen. Ich wäre
Ihnen sehr dankbar, wenn Sie dies bei Gelegenheit der Einweihung mit der
Gräfin besprechen würden. Ich habe gar keinen Sinn für derartige Beamtungen
oder Betitelungen u[nd] habe längst vergessen,
wie es nun eigentlich heißen sollte. Da ich zu Ostern nicht werde in Lieme sein
können, bitte ich Sie, mich in dieser Sache zu vertreten. Da die Gräfin auch
Jurist ist, wird sie Sie ja in diesem Punkt verstehen.
Nun
noch ein paar Worte über die Neuerteilung von Diplomen. So weit ich solche in
den letzten Jahren bewilligt habe, sind sie von mir mit der festen Zuversicht
ausgegeben, daß meine Freundin mit mir übereinstimmen würde. Ich bin ganz
einverstanden damit, daß in Zukunft die Diplomerteilung so gehandhabt wird, wie
die freie Lehrerschaft es übereinstimmend mit der neuen Heimschule beschließt.
Für die nun folgende Zeit bin ich nicht verantwortlich, da ich nicht
mitarbeite. Für die bisher in den letzten 4 Jahren erfolgten und von mir
erteilten Verleihungen aber übernehme ich voll u[nd] ganz die Verantwortung, denn mit den Inhabern habe ich
selbst gearbeitet u[nd] kenne genau die
Berechtigung. Sowohl Herr Menzel als auch Frau Noack sind menschlich und beruflich
wertvolle Mitglieder unserer Schule und tragen auch durch ihre pädagogische Tätigkeit
durchaus zur Verbreitung unserer Ideen und Grundsätze auf erzieherischem Gebiete
bei, Frau Noack ist Musiklehrerin an der Oberschule für Mädchen in Kiel und Dozentin
für Musik und Sprecherziehung an der Pädagogischen Hochschule in Kiel, Herr
Menzel, der dem Herzen meiner Freundin und mir freundschaftlich nahe ‑ das ist
wohl Beweis, daß er wie auch Frau Noack keine unwürdigen Mitglieder unseres Lehrerkreises
sind. Menzel hat auch durch Veranstaltungen von Singwochen und von Arbeitswochen
für unsere Schüler, an denen außer Fräulein Grauding und viele andere unserer
besten Lehrerinnen mit Begeisterung teilnahmen, kräftig in unserm Weinberge gearbeitet.
Er ist nicht etwa ein unwürdiges Mitglied, wie Sie lieber Herr v. Schenck zu glauben
scheinen. Nun kann ich aber nicht mehr schreiben, es ist vielleicht der letzte
Brief, den Sie von mir zu sehen bekommen u[nd]
ich wundere mich selbst, daß ich das noch gekonnt habe. Seien Sie von Herzen
gegrüßt und für Ihre rege Anteilnahme bedankt von Ihrer H. Andersen.
Ich
ermächtige Sie, diesen Brief der versammelten Lehrerschaft vorzulesen.
Hedwig Andersen an Winfried Frhr. Schenck
zu Schweinsberg (Schweinsberg)
Lehrervereinigung,
Nr. 26
Schönborn, d. 13.4.49
Lieber
Herr v. Schenck!
Mit
sehr herzlichem Dank für Ihre sehr herzliche Teilnahme an der Angelegenheit:
„Leiterin der Schule“ teile ich Ihnen mit, daß ich Ihren Rat sofort befolgt
habe und die Gräfin Bredow gebeten habe, die Sache zu ändern. Ihrem Wunsche
gemäß sende ich Ihnen das Heft „Hausmusik“ mit zurück. In vorzüglicher
Hochachtung
Ihre
ergebene
H.
Andersen
Hedwig Andersen an Wilhelm Frhr. Schenck zu
Schweinsberg (Rülfenrod)
Lehrervereinigung,
Nr. 25
Schönborn, d. 2.5.49
Lieber
Herr v. Schenck!
Umstehend
sehen Sie die Antwort der Gräfin auf meine Anfrage der „Leiterin“ der Schule.
So ist die Sache wohl erledigt und ich bitte Sie, diese Antwort auch ihrem Vetter
mitzuteilen, dem ich für seine Anteilnahme sehr dankbar bin. Fräulein Roloff
kommt nun zu ihrem ersehnten und wohlverdienten Feriengenuß hoffentlich gut bei
Ihnen an. Ich bin Ihnen sehr dankbar dafür, daß Sie ihr dazu verholfen haben,
Herzlich
grüßt Sie
Ihre
H. Andersen
[Rückseite:]
Bitte
durch Fräulein Nissen vorlesen lassen ‑ allseitige Grüße!
Lieme in Lippe, den 30.4.49
Sehr
verehrtes, liebes Fräulein Andersen!
Am
Wochenschluß fällt mir noch auf die Seele, dass ich Ihnen noch keinen schriftlichen
Bescheid auf Ihre Frage betreffs etwaiger Haftung als Leiterin der Schule. Es
ist mir leid, dass man Sie mit Derartigem quält, und wenn es Ihnen angezeigt
erscheint, verweisen Sie bitte den Betreffenden an mich, damit ich ihm Bescheid
schreibe. Seit 1937 hat die Gesellschaft alle geldliche Haftung für die Schule;
Sie beide waren die Leiterinnen. Es erscheint mir selbstverständlich, dass Sie,
wie Ihre Freundin, diesen Posten bis zuletzt innehaben.
Hier
kommen die Dinge von Tag zu Tag mehr ins Normale. Kein Wunder, wenn soviel
vernünftige Menschen wie Fräulein Grauding, Fräulein von Harling, Frau von
Arnim, Anna Bruckner zusammenwirken. Jeder trägt zu seinem Teil dazu bei und
auch die Helferinnen tun ihr Bestes.
Von
Herzen Ihre dankbare
Maria (Gräfin
Bredow)
Hedwig Andersen an Wilhelm Frhr. Schenck zu
Schweinsberg (Rülfenrod)
Lehrervereinigung,
Nr. 25
Schönborn, d. 14.6.49
Lieber
Herr von Schenck!
Sie
erfahren an de, großen Briefbogen, daß ich allerhand auf dem herzen habe, aber
ich weiß nicht ob ich alles werde abladen könne, weil meine Augen die ‑
zwischen dauerndem Licht und Schatten alle 2 Minuten wechselnde Beleuchtung
schwer vertragen können. Zuerst aber muß ich Ihnen verkünden, daß Frl. Roloff
glücklich wieder bei uns gelandet ist und zwar sehr glücklich in jeder
Beziehung ‑ nicht nur körperlich sehr schön erholt, sondern auch geistig und
gemütlich wie neugeboren. Sie haben wirklich ein gutes Werk an ihr getan durch
Ihre Einladung, nirgend anderswo hätte sie sich wohl so glücklich gefühlt und
ich freue mich mit ihr, daß Sie es ihr so väterlich-brüderlich- und mütterlich
zugleich gestaltet haben. Haben Sie herzlichen Dank dafür, sie verdient
wirklich, so behandelt zu werden und hätte grade das nirgend anderswo so haben
können. Und das Alles trotzdem doch Ihr Gemüt, wie sicher auch Ihre Zeit durch
den plötzlichen Tod Ihres lieben Bruders schwer belastet war. Ich vernahm dies
s.Z. mit inniger Anteilnahme, konnte aber nicht gleich darüber an Sie
schreiben, denn ich konnte nur denken, daß Sie, lieber Herr v. Schenck, als so
nahestehender Anverwandter zu sehr in Anspruch genommen sein würden, um noch
viele Briefe lesen zu können, die alle dasselbe sagen.
D.
15. Gestern konnte ich nicht mehr zum Schreiben kommen, da auch ich noch wieder
Briefe lesen mußte, zwar erfreuliche Geburtstagsbriefe, die noch nachhinken,
aber doch Zeit u[nd] Augenkraft in Anspruch
nehmen. Auch Ihnen habe ich noch für Ihre guten Wünsche und Grüße zu danken ‑
wenn alles Gewünschte in Erfüllung gehen könnte, müßte ich noch 100
Jahre leben.
Sie
werden wohl vor einiger Zeit einen Brief von mir durch Fräulein Seyd
zugeschickt bekommen haben, der eine Diplomangelegenheit behandelt. Daß ich den
nicht direkt an Sie schickte, liegt daran, daß ich vernommen hatte, Frl. Seyd
hätte die Tätigkeit einer Schriftführerin in dem Fünferausschuß der
Lehrerverbandes übernommen, und fühlte ich mich verpflichtet, an sie zu
schreiben und es ihr zu überlassen, meine Gedanken u[nd] Angelegenheiten an die richtige Stelle zu befördern
rascher an Alle die, die es anginge. Da sie aber nicht mit der Maschine
schreiben kann, ist sie ja eigentlich garnicht zur Schriftführerin geeignet, da
sie ja unter Umständen eine Sache an circa 30 verschiedene Interessenten
schicken müßte! Dies nebenbei. Also die Lehrdiplomsache von Frl. Bruckner, die
ja die Veranlassung zu meinem Schreiben war, ist nun kurzerhand durch unsere
liebe Gräfin erledigt worden. Sie hat mit der Maschine ein Lehrdiplom nach dem
Vorbild das von mir u[n] meiner Freundin s.Z.
verfaßten Lehrdiploms für Frl. v. Harling zum Vorbild genommen, auf die
Persönlichkeit Frl. Bruckners umgestellt und mir dies zur Unterschrift
zugesandt, sie schreibt mit: Da es sich um die Bestätigung eines Zustandes
handelt, der bereits in Seefeld zu Lebzeiten Ihrer Freundin bestanden hat, sind
Sie zur Ausstellung zweifellos berechtigt. Das glaube ich auch und hoffe, daß
Sie auch damit einverstanden sind. nun möchte ich noch ein paar Worte über die
von mir in der Zwischenzeit von mir ausgestellten u[nd] von Ihnen stark beanstandeten Lehrdiplome sagen. Dr.
Menzel, Frau Dr. Noack und übrigens auch Frau Bulgrin, die auch, wie Dr. Noack
staatlich ausgebildete und geprüfte Schulmusiklehrerin ist, konnten ‑ ihrer
staatlichen Berufsanstellung wegen nicht die „Helferzeit“ in unserer Schule
ausfüllen. da sie ja nicht viermal ein Vierteljahr Urlaub nehmen konnten.
Ebenso Dr. Menzel. Sie haben alle drei ihre Schulferien vieler Jahre hindurch
benutzt, um selbst bei uns weiterzustudieren, was um so fruchtbarer war, da sie
schon durch ihr eigenes Vorbildungsstudium für ihren Beruf als
Schulmusiklehrerinnen musikalisch vorbildlich ausgebildet waren. Es war ja
grade das heißeste Ideal meiner Freundin inbezug auf die Zukunft unseres Volkes,
die Jugend, den Nachwuchs, also die Kinder in ihrer Entwicklung, zu erfassen
und zu erziehen, also die Lehrer müßten erfaßt werden, um in den
Schulen, besonders in den Volks- und Grundschulen und auch besonders durch die
Musik und die Sprache, d.h. Stimme erzogen und sozusagen auferzogen werden zu
können, denn die Eltern können das ja nicht, mit Ausnahme der wenigen Eltern,
die unsere Schule kennen.
Daher
habe ich keinen Anstand genommen, die Lehrdiplome Bulgrin, Menzel und Noack zu
erteilen. Die 3 K: Kinder, Kunst, Krankheit schwebten meiner lieben
Freundin immer vor und von diesen 3 Lehrdiplomen nicht unrechtmäßig oder
leichtfertig erteilt worden sind. Ich weiß, daß die beiden
Schulgesanglehrerinnen mit ihren Kindern sehr schöne Erfolge erzielt haben,
ebenso noch eine Lehrerin in Kiel, Frl. Benedix, die bescheidenerweise kein
Diplom verlangt hat, aber deren Kinder bei den Prüfungen besonders in „Sprache
und Haltung“ von den Kreisschulinspektoren ganz besonders gelobt werden, Als
Frau Selbmann in Rotenburg die Mittelschule hatte, war`s dieselbe Sache,
Sprache und Bewegung war auffallend gut, der Schulinspektor sagte: Die Kinder
sind ja schon für die nächste Stufe reif. Dann wurden von den dämlichen Nazis
die Privatschulen angeschafft. Bei einer Arbeitswoche im Unterrichtsministerium
in Berlin (1926), wo Frau Selbmann 5 Nachmittage je eine Stunde mit einer
Parthie kleiner Jungen aus dem Norden Berlins gearbeitet hatte, sagte
mir der Veranstalter Hilker: „Der Erfolg war ja verblüffend.“ Jetzt wird unser
Buch „Atmung u[nd] Stimme“ neu gedruckt, da
steht auch allerlei drin.
Hiermit
schließe ich dieses Kapitel für heute ab u[nd]
werde vielleicht später noch einmal über den Fall Noack in anderer Richtung
meine Meinung kundtun, tue dies aber nicht Frau Noacks wegen, sondern in unserm,
d.h. meiner Freundin u[nd] meinetwegen, um Ihnen
unsern Standpunkt inbezug auf die Diplomerteilung für Schulleute verständlich
zu machen. Für heute möchte ich nur noch inbezug auf die Satzungen der Lehrervereinigung
die Bitte aussprechen, daß in der Einleitung, Abschnitt 3 etwa folgender Satz
eingeschoben wird: Nach dem Ableben von Frl. Schlaffhorst und dem einstweiligen
Aufhören der Stammschule lag die Verantwortung und etwaige Neuerteilung weiterer
Lehrdiplome zunächst bei Frl. H. Andersen und liegt seit dem Bestehen der Lehrervereinigung
bei dieser, oder und liegt seit dem Neu-Entstehen der Schule (Ostern 1949) der
dabei gegründeten Lehrervereinigung ‑ wie Sie wollen, lieber Herr v. Schenck.
Ich
wünsche dies nicht um meine Person vorzudrängen (Sie wissen wohl, daß das nicht
meine Art ist), sondern um der Feststellung der Berechtigung und Gültigkeit der
Diplome willen.
Ich
war jedenfalls berechtigt dazu u[nd]
habe fast immer dabei vermerkt, daß ich es im Sinne meiner Freundin tat. In
meinem Innern bin ich ganz froh, daß ich jetzt nichts mehr damit zu tun habe.
Nun
aber Schluß für heute, mir zittert schon etwas die Hand. Seien Sie herzlich
gegrüßt u[nd] bedankt von Ihrer
H.
Andersen.
Hedwig Andersen an Wilhelm Frhr. Schenck zu
Schweinsberg (Rülfenrod)
Lehrervereinigung,
Nr. 25
Schönborn, d. 26.10.49
Lieber
Herr v. Schenck!
Kurz
gesagt: Ich bin in Not! Nicht etwa, daß ich Sie anpumpen will, sondern in Gewissensnot,
und brauche einen Ratgeber. Sie wissen was der Kofler ist u[nd] daß er bei Breitkopf und Härtel, Leipzig
verlegt worden ist. Die Firma war immer sehr anständig u[nd] ist überhaupt erstklassig. nun
schreiben sie mir vor einiger Zeit, daß sie jetzt eine neue Auflage (die
30sten) machen möchten, womit ich sehr einverstanden war. Aber sie
meinten der K. wäre etwas überholt durch die neuesten Forschungsergebnisse auf
physiologischem Gebiet u[nd] darin müßte er geändert
werden. Damit bin ich nicht einverstanden. Ich schrieb an Dr. Aubel, der
stimmte mir zu, er war aber zu überlastet, um mir die neuesten Ergebnisse zu
schreiben u[nd] schlug vor, mich an Dr.
Leutiger zu wenden! Den Erfolg ersehen Sie in beiligenden Brief (den ich
gelegentlich zurück erbitte) Jetzt erhielt ich beiliegenden Brief von Br[eitkopf] u[nd] H[ärtel], den ich natürlich auch
wieder haben muß. Nun sitze ich im Kleister ‑ ich wäre sehr dringend auf eine
Einnahmequelle angewiesen, u[nd] bis die Papiernot im
Osten besser wird, können Jahre vergehen. Überhaupt - was versteht der sog[enannte] „Kulturelle Beirat“ von
Kofler u[nd] dem ganzen zu ihm
gehörigen Gebiet? Nun kommt meine Not - soll ich abwarten, wie sich das klären
wird ‑ oder soll u[nd] darf ich das Büchlein dem
Verlag entziehen u[nd] einen Verleger auf
deutschem Gebiet suchen? Raten Sie mir, ob die Letztere unanständig wäre? Dies
kann ja auch noch lange dauern, bis ich den gefunden habe ‑ im stillen denke in
an Karl Heinrich Möseler, Wolfenbüttel, den Nachfolger v[on] Kallmeyer, der unser Atmung u[nd] Stimme jetzt in Arbeit hat. (Kallmeyer ist während des
Krieges verstorben) Der Nachfolger scheint eine Ahnung von der Bedeutung
unserer Arbeit zu Haben. Ich möchte aber zuerst eine Antwort auf die obige
Frage haben, wenn Sie es auch nicht wissen, vielleicht Ihr Vetter Winfried,
oder Herr Amtsgerichtsrat Wendik? Ich meine eigentlich mit der Frage, ob ich
juristisch einwandfrei handele, oder ob Br[eitkopf] u[nd] H[ärtel] mich dafür belangen könnten, wenn ich ihnen den
Vorschlag mache. Die Gräfin ist ja auch Dr. jur., der kann ich aber jetzt nicht
mit so etwas kommen, die hat ihren Kopf zu voll u[nd] ist mir auch literarisch wahrscheinlich nicht bewandert
genug.
Na
überhaupt Lieme! Es wird dort prachtvoll gearbeitet, aber gewirtschaftet? Alles
schwenkt ins Ungewisse, Nebel schleichen in die Höh! Anita hat aber guten Mut,
Gottlob! Herzlich grüßt Sie Ihre H.A.
Auch
Roloff grüßt herzl[ich] Nissen liegt im
Krankenhaus, wie Arnim!
Hedwig Andersen an Breitkopf und Härtel
(Leipzig) [Briefentwurf von Wilhelm Frhr. Schenck zu Schweinsberg (Rülfenrod)
und Winfried Frhr. Schenck zu Schweinberg (Schweinsberg)]
Lehrervereinigung,
Nr. 25 und 26
Schönborn, den 7. November 1949
An
die
Verlagsbuchhandlung
Breitkopf & Härtel
(10 B)
Leipzig C 1
Postschließfach
107.
Aus
Ihrem Schreiben (B/he 20.9.49) habe ich mit Bedauern ersehen, daß die Druckgenehmigung
für eine Neuauflage von Kolfers „Kunst der Atmung“ verweigert wurde.
Da
die Nachfrage nach dem Werk groß ist und es von zahlreichen Lehrkräften als
Grundlage ihrer Arbeit gebraucht wird, möchte ich mit einer Neuauflage nicht
warten, bis bei Ihnen eine Besserung auf dem Papiermarkt eingetreten ist. ich
habe bereits mit ärztlichen Sachverständigen Fühlung darüber genommen, wieweit
einzelne kleine medizinische Formulierungen einer Neufassung bedürfen. Dabei
wurde mir versichert, daß es sich nur um Kleinigkeiten ‑ Schönheitsfehler ‑
handelt, die mit Leichtigkeit ausgemerzt werden können. Das Werk bedürfe in
seinen Grundgedanken und in seinem Aufbau noch heute keiner grundlegenden
Änderung.
Unter
diesen Umständen frage ich, ob Sie gemäß § 28 des Verlagsgesetzes Ihre Rechte
an einen anderen Verleger, der durch Papierbeschränkungen nicht gehindert ist,
abzutreten bereit wären. Im bejahenden Fall bitte ich Sie, mir diesen namhaft
zu machen oder mir mitzuteilen, ob Sie mir überlassen wollen, ihn auszuwählen.
Ich
hoffe, mit Ihnen zu einem Einverständnis zu gelangen, denn mit Rücksicht auf
die jahrzehntelange fruchtbare und gute Zusammenarbeit mit Ihrem Verlage möchte
ich nur ungern von dem Recht des § 32 des Verlagsgesetzes Gebrauch machen. Sie
werden aber Verständnis dafür haben, daß ich in erster Linie unserem Lebenswerk
verpflichtet bin.
Mit
vorzüglicher Hochachtung
Ihre
ergebene
Hedwig Andersen an Wilhelm Frhr. Schenck zu
Schweinsberg (Rülfenrod)
Lehrervereinigung,
Nr. 25
Schönborn, d. 15.11.49
Lieber
Herr v. Schenck!
Für
die schnelle und so wundervolle Beantwortung meines Hilfeschreies danke ich Ihnen
u[nd] Ihrem Herrn Vetter aus
tiefstem Herzen. ich habe Ihren „Satz“ sofort unterschrieben u[nd] an Br[eitkopf] u[nd] H[ärtel] gesandt. Ich bin seither viel ruhiger in meinem Gemüte,
ich allein hätte die Sache ja nicht im entferntesten so formvollendet u[nd] dabei respektvoll deichseln Können. Schon
wenn ich nur daran dachte, daß auch Br[eitkopf und] H[ärtel]
diese Schmach erleiden müssen, quoll mir alles Blut zu Kopf u[nd] Herz u[nd]
ich hätte in einer Form geschrieben, die Br[eitkopf und] H[ärtel] nur hätte schaden können,
ohne natürlich an der Tatsache etwas zu ändern. Bevormundung des deutschen
Geistes durcg deb asiatischen! Ich habe schon in einer andern, mir sehr
nahestehenden Sache die qualvolle Erfahrung machen müssen ‑ ich ich Ihnen
vielleicht später einmal mündlich erzählen kann, schriftlich würde es zu
umständlich für meine Augen sein. Diese Verhältnisse sind grauenhaft u[nd] qualvoll für ein so echt ostpreußisch
patriotisch fühlendes Herz u[nd] ich muß mich sehr hüten,
um nicht auch, besonders schriftlich, in Teufels Küche zu kommen, oder gar
andern Menschen dahin zu bringen. Ein Trost ist mir auch in dieser Hinsicht Ihr
u[nd] Ihres lieben Vetters
Schrieb ‑ bitte grüßen Sie ihn tausendmal u[nd] nehmen Sie auch ebensoviel Grüße u[nd] Wünsche von Ihrer alten, aber noch nicht erstorbenen
H.
Andersen.
Sobald
ich von Br[eitkopf
und] H[ärtel] Gegenäußerung habe, sende
ich sie Ihnen.
Herzlichen
Gruß von Roloff.
Hedwig Andersen an Anka Schulze
(Rotenburg/Fulda)
Lehrervereinigung,
Nr. 26
Schönborn, d. 25.11.49
Meine
liebe Anka!
Soeben
kamen Ihre Adventskekschen an, auch daran haben Sie als No. 2 schon wieder gedacht
(No. 1 war Idler) ich danke Ihnen sehr herzlich für ihr treues Gedenken u[nd] freue mich vereint mir Roloff sehr
innig, daß Sie Ihren Neffen nun wieder haben und in verhältnismäßig gutem
Zustande. Was die Satzungen anbetrifft, so sind sie bei mir noch nicht
eingetroffen, werden aber doch wohl bald kommen. Daß unsere liebe Gräfin einverstanden
mit dem neuen Vorstand der Gesellschaft ist, freut mich sehr, hoffentlich
ist sie es auch mit dem Vorschlag zur Ergänzung des Vorstandes für die Schule
durch Herrn Sünkel u[nd] Dr. Leutiger!
Nach
der erlebten Katastrophe wird sie doch wohl einsehen, daß hierbei besonnener
Männervorstand sehr nötig ist unter den heutigen schweren Verhältnissen.
Was nun die Frage über Frl. Toepfers Zugehörigkeit zur Schule Schl[affhorst-] A[ndersen] betrifft, so kann ich Ihnen nur beistimmen, nein.
Sie hat sich ehemals unter Mitnahme von ‑ ich glaube 8 unserer Schülerinnen
ostentativ von unserer Schule getrennt u[nd]
das wäre nicht so schlimm, wenn sie sich nur etwa gedrungen gefühlt hätte, eine
selbständige Zweigschule zu gründen. Aber innerlich hatte sie sich schon lange
vorher getrennt. Es haben mich damals mehrere fremde Schülerinnen, die zum
ersten Mal bei uns waren unter Tränen gefragt, wie sie ‑ von m[einer] Freundin beauftragt ‑,
d.h. als ergänzende Hilfskraft für m[eine]
Freundin, doch ganz anders singen ließe, als Frl. Schlaffhorst. Ich
wußte nicht, wie ich mich dabei verhalten sollte. Schließlich hat Frl. T[oepfer] mir nachher noch
nachgesagt, ich hätte die Schülerinnen gegen sie aufgehetzt! Im Gegenteil, ich
suchte immer zu erklären u[nd] zu vermitteln. Sie hatte
es gar auch meiner Freundin ganz ehrlich immer wieder selbst gesagt, daß sie
„da nicht mehr mitkönnte“. Die Trennung war also nicht nur äußerlich aus der
Notwendigkeit zur Selbständigkeit, sondern innerlich aus der Unzufriedenheit
mit dem System. Ich stimme also denen zu, die jetzt nein sagen: Sie fühlt sich
sicher nicht als „Fortsetzung der Schule Sch[affhorst‑A[ndersen], sondern durchaus als selbständige Schule. Ich hoffe, ihr kein
Unrecht mit dem zu tun ‑ ich habe echt und schwer in all den Jahren damit
gerungen, kann aber zu keinem andern Resultat kommen. Fragen Sie nur die
Kolleginnen Grauding, Ottmer, Schümann, ob sie sie noch als Kollegin
betrachten. Ich hoffe, daß diese Zeilen noch rechtzeitig zu Ihnen gelangen.
Immer mit herzl[ichen] Grüßen an Alle Ihre H.
Andersen
Wie
freut’s mich, daß Latzelchen bei Ihnen war.
Hedwig Andersen an Wilhelm Frhr. Schenck zu
Schweinsberg (Rülfenrod)
Lehrervereinigung,
Nr. 25
Schönborn, d. 11.1.50
Lieber
Herr v. Schenck!
Eben
schlägt es 11 Uhr u[nd] noch ist es so dunkel ‑
draußen, wie auch drinnen in meinen Augen. Mein Tisch ist ganz ans Fenster
gerückt, sodaß der Wind immer durch die Ritzen auf meinen Fingern spielt ‑ ein
schönes Stimmungsbild, gelt? Ich möchte gern, kann aber nicht Ihren
lieben Brief noch einmal lesen, um ihn herzlich zu beantworten nur eins
liegt mit schon sehr auf der Seele ‑ die Sache mit Breitkopf u[nd] Härtel. Ich habe aber bis heute noch keine
Antwort darauf erhalten. Ich bin fest überzeugt, daß der „literarische
Beirat“ ihn nicht abgeliefert hat, sonst hätte ich längst eine Antwort
von Br[eitkopf und
Härtel] So etwas wäre
nie bei ihnen vorgekommen. Frl. Siem hat inzwischen mit Herrn Prof. Luther‑Göttingen,
Direktor der Universitätsbibliothe, der Kofler u[nd] unsere Arbeit genau kennt über die Frage des
Überholtseins gesprochen, er sagte: Kofler kann garnicht überholt werden,
er ist ein grundlegendes Buch für die praktische Atmungsphysiologie,
Herr Professor L[uther] ist auch der Ansicht, daß
die ganze Angelegenheit sich nicht auf der literarischen, sondern auf der politischen
Ebene abspielt, u[nd] riet dasselbe, was wir
(ich u[nd] Sie u[nd] Ihr lieber Vetter) schon getan haben ‑ den
Kofler aus der Russ[ischen] Zone heraus u[nd] in eine westl[iche] Zone zu befördern. Ihr Brief an Br[eitkopf und] H[ärtel] war übrigens ganz wundervoll, ich war begeistert u[nd] danke von ganzem Herzen Ihnen u[nd] Ihrem Herrn Vetter (der mir übrigens auch
immer mehr ans Herz wächst) für die Hilfe. Aber was hilfts, wenn man es mit
Spitzbuben zu tun hat? Kein brieflicher Versuch einer Verbindung oder
Verständigung u[nd] selbst persönliche
Annäherung würde sicher nicht zustande kommen bei der Absperrung der
Zonengrenzen. Es ist eine ganz scheußliche Situation. Br[eitkopf und] H[ärtel]
werden sicher schon mehr dergleichen erlebt haben. „Atem u[nd] Stimme“ ist bei Möseler, Wolfenbüttel in
Vorbereitung u[nd] wird auf meinen Wunsch
mit Deutschen Lettern gedruckt. Herzlich grüßt Sie u[nd] Ihren Herrn Vetter Ihre H. Andersen.
Hedwig Andersen an Maria Gräfin Bredow
(Lieme)
Lehrervereinigung,
Nr. 26
Schönborn, d. 30.1.50
Liebe
Gräfin Maria!
Herzlichen
Dank für Ihre Mitteilungen u[nd] den Prospekt. Was Sie
über Töpfer schreiben, leuchtet mir Ein, wir fragen sie, so wie Sie es
vorschlagen, das ist sehr gut, und dann muß sie ja selbst entscheiden und tun
ihr kein Unrecht. Besonders, wenn Sie als Jurist es richtig finden. Der Text
Ihrer Anfrage scheint mir sehr gut ‑ so ist es am besten u[nd] er giebt die letzte unwiderlegliche
Klärung. Ich sende Ihnen die Stelle Ihres Briefes ein, obgleich Sie
wahrscheinlich einen Durchschlag haben.
Daß
Sie Fräulein Laus für die Wirtschaftsführung in Aussicht haben, finde ich sehr
gut, hoffentlich erinnert sie sich recht genau dessen, was sie bei Frl. Roloff
gelernt hat.
Ihr
Brief kam soeben, am Spätnachmittag hier an u[nd] es drängte mich so stark, Ihnen meine Billigung bez[üg]l[ich]
Toepfer mitzuteilen, daß ich sofort bei sehr schlechtem Lampenlicht schreibe,
ich sehe mein Geschriebenes nur ganz schattenhaft, aber meine Einwilligung ist
nicht schattenhaft, sondern sehr positiv, u[nd] ich bin neugierig, wie die Frage enden wird. Herzlichen Dank u[nd] Gruß an Alle Ihre H. Andersen.
Hedwig Andersen an Wilhelm Frhr. Schenck zu
Schweinsberg
Lehrervereinigung,
Nr. 26
Schönborn, d. 2.2.50
Mein
sehr lieber Herr v. Schenck!
Der
sehr liebe Brief, den ich gestern Nachmittag von Ihnen erhielt, kam insofern
etwas zu spät, als ich schon an die Gräfin auf ihre Anfrage bezüglich T[oepfer] prompt geantwortet hatte.
Ich habe mich bisher mit meiner Ansicht, die vollkommen mit der Ihrigen
übereinstimmt, zurückgehalten u[nd]
immer nur gesagt: das müssen die Lehrerinnen selbst entscheiden, womit ich
ziemlich sicher auf Ablehnung zu rechnen hoffte. Nun hat also aber die Gräfin auch
Recht, wenn sie meint, man müsse T[oepfer]
selbst fragen, wie sie denkt, damit sie einmal endlich Farbe bekennen müßte.
Die Argumente der Gräfin sind ganz richtig u[nd] sie meint sogar, wir würden
wir
hätten keinen Rechtsgrund, sie einfach stillschweigend fallen zu lassen da sie
nach ihrem Verlassen der Schule immer noch in den Mitteilungsheften unter den
Lehrerinnen weiter angeführt wurde. Das war natürlich nicht richtig, begründet
aber nun ..emaßen[?]
die Berechtigung, sich auch heute noch als angehörig zu betrachten. Die Gräfin
schreibt: „Wir haben also (meiner ‑ d.h. der Gräfin) Ansicht nach keinen
Rechtsgrund, sie stillschweigend fallen zu lassen, u[nd] es erscheint mir nicht gut, sich gerade ihr gegenüber
ins Unrecht zu setzen.“
Das
sehe ich ein u[nd] schrieb der Gräfin umgehend,
sie hätte Recht, auch schnitt ich aus ihrem Brief den Text aus, den sie für die
Anfrage bei T[oepfer] aufgesetzt hatte u[nd] den ich ganz vortrefflich fand, damit sie
ihn wörtlich so an T[oepfer] schicken konnte, wie sie
ihn mir mitteilte, Leider kann ich ihn nun nicht ihnen einschicken, was mir
sehr leid tut. Nun muß die Sache laufen, wie das Schicksal will, ich hoffe
aber, daß T[oepfer] nicht mittun
wollen wird. Sie ist ja so absolut selbstherrlich gesinnt! und hatte sich
innerlich von unserer Arbeit schon losgesagt, als sie sich noch bei uns im
Hause als Helferin befand.
Nun,
mein lieber Freund soll ich Ihnen noch einen sehr herzlichen Gruß von Frl.
Roloff bestellen u[nd] Ihnen sagen, sie hätte auch
Augen zum vorlesen, u[nd] das ist wahr, ich setze
hinzu, es ist nun wirklich mit meinen Augen so weit, daß ich nur noch ‑ wenn
auch kümmerlich, schreiben kann, aber nicht mehr lesen kann. Wie auch das
schmerzt, können Sie sich denken, aber zum Glück ist R[oloff] ebenso zuverlässig, wie Erne Nissen.
Sehr
liebe u[nd] dankbare Grüße sendet
Ihnen, lieber Freund, Ihre alte H. Andersen.
Hedwig Andersen an Wilhelm Frhr. Schenck zu
Schweinsberg
Lehrervereinigung,
Nr. 26
Schönborn, d. 4.1. [richtig 2.] 50
Mein
lieber Herr v. Schenck!
Dieser
Brief gilt Ihnen u[nd] Ihrem lieben Vetter
gleichermaßen, ich bitte Sie also, ihn mit Ihrem lieben Vetter gemeinsam zu
genießen, da ich nicht so viel schreiben kann ‑ meiner Augen wegen. Ich muß
Ihnen Beiden immer wieder von Herzen danken u[nd] bin ganz erschüttert darüber, wie Sie Beide sich für
meine Literatur einsetzen!
Die
Sache liegt also so: Der vorletzte Brief Ihres Vetter (den ich an Br[eitkopf] u[nd] Härtel senden sollte) kam zu gleicher Zeit mit dem Schreiben
von Br[eitkopf und] H[ärtel] bei mir an, das ich Ihnen hier mitsende. Es schien mir,
daß der Brief Ihres Vetters gut gewirkt hatte, denn nun drängelten sie auf
Herausgabe. Da sie aber immer noch etwas von „Überholung“ schwafelten, beschloß
ich, mir noch ein Gutachten von medizinischer Seite zu besorgen u[nd] schickte den Brief Ihres Vetters nicht
gleich ab, sondern bat Frl. Siem, den ihr bekannten Dr. Luther darum zu bitten.
Den Erfolg hat mir A[nne] M[arie] Fischer heute abgetippt u[nd] ich lege ihn hier ein. Großartig!! nicht wahr? Das hat
Dr. L[uther] direkt an Br[eitkopf und] H[ärtel] gesendet, Siem schickte mir einen Durchschlag, den A[nne] M[arie]
5. vervielfältigt hat, u[nd] Sie kriegen davon auch
ein Exemplar. Mir liegt nämlich sehr viel daran, bei Br[eitkopf und] H[ärtel]
zu bleiben. Es ist unbedingt die erste in Deutschland u[nd] hat uns immer vornehm und freundschaftlich behandelt,
auch war es für Kofler die beste Empfehlung, daß das Büchlein bei ihnen
erschien. Aus dem eingelegten ersehen Sie, daß es auch ihnen sehr daran, den
Kofler zu behalten. Sollten Sie aber durch den Himmelhund von lit. Beirat
gezwungen werden (der ja natürlich keine Ahnung hat) dann sende ich den zweiten
Brief Ihres Vetters ab u[nd] trenne mich von Br[eitkopf und] H[ärtel], es wäre mir aber ein großer Schmerz ‑ das muß ich
gestehen.
Der
letzte Brief, lieber Herr Winfied, der mir die Kunde von Wiesbaden brachte, ist
mir doch sehr wertvoll, weil ich nun Bescheid weiß, daß bei uns so etwas wie
eine Filiale von Br[eitkopf
und] H[ärtel] besteht u[nd] daraus schließe die Beruhigung wegen genügender
Lieferung für den Verkauf und auch wegen der Frage: Ostgeld oder Westgeld für
Preis des Büchleins u[nd] für das Honorar für die
Übersetzerin. Ach, was hat man doch alles für Sorgen, wenn man so alt wird. Wie
gut hat es doch meine liebe Freundin!
Sehr
viele liebe Grüße sendet Ihnen Beiden Ihre dankbare H. Andersen.
A[nne] M[arie]
hat auch gleich die Verfügung a[us] d[em] Schulverwal[tungs]blatt mit abgetippt.
Die
Einlage v[on] Br[eitkopf und] H[ärtel]
erbitte ich mir mit nächster Gelegenheit zurück.
Hedwig Andersen an Anka Schulze
(Rotenburg/Fulda)
Lehrervereinigung,
Nr. 26
Schönborn, d. 4.3.50
Meine
liebe Anka!
Ich
will versuchen, Ihrem so wichtigen, langen Brief, für den ich Ihnen herzlich
danke, der Reihe nach zu beantworten, wenn es auch sicher lange dauern wird,
bis er zu Ende kommt. Wie es mit einen Augen wird, schwebt noch immer. Der
Gedanke an Operation ist mir auch schrecklich, aber so ist es auch schrecklich
u[nd] wird wirklich immer schwerer
zu ertragen. Aber auch Dr. v. Teppelkirch in Bad Eilsen schreibt mir, daß er
auch schon daran gedacht hat ‑ ganz unabhängig von mir, daß ich nun wohl soweit
wäre, daß an eine solche Hilfe gedacht werden könnte. Ich hörte bisher von
ärztlicher Seite kein Bedenken dagegen. Er wundert sich auch, wie deutliche ich
noch schreibe.
Nun
der Brief von Frau Selbmann. Auch ich finde es nicht richtig, jetzt solche
Fragen anzuschneiden. Ich habe ihr das auch geschrieben, wenn auch nicht mit
diesen Worten. Frl. Grauding schreibt mir auch verwundert darüber. Man sollte
doch jetzt die Schule möglichst in Ruhe arbeiten lassen, der Geist derselben
wird ja doch von den Lehrerinnen getragen u[nd] bestimmt, und an dem zweifelt ja auch Frau S[elbmann] nicht. Die Gräfin
arbeitet wie ein Dienstmädchen einstweilen u[nd] das wird ihr gut tun und ihren Tatendrang in richtige Bahnen
lenken.
Die
Frage wegen Toepfer scheint noch nicht gelöst. Das war ja eigentlich
überflüssig, aber wenigstens dazu geeignet, daß T[öpfer] Farbe bekennt, obgleich ich noch nichts von dem Erfolg
der Anfrage vernommen habe. Mir wäre es sehr recht, wenn die Sache negativ
verläuft. Ich habe jetzt viel wichtigere Sorgen gehabt u[nd] noch ‑ wegen einer Neuauflage des Kofler. Ihnen das
alles ausführlich zu schreiben, ist mir unmöglich, aber Winfried v. Schenck hat
mir da sehr geholfen. Ich hoffe, daß alles zum guten verläuft. Was Schenck
eigentlich in Lieme wollte, weiß ich nicht, ist auch egal ‑ er ist ein gutes
Element und
[Schluß
fehlt!]
Hedwig Andersen an Irmgard von Harling
(Lieme) [Auszug]
Lehrervereinigung,
Nr. 26
14. November 1950
...
Seid nur nicht zu bescheiden wegen der Benennung der Schule! So wahr
Fräulein Schlaffhorsts Leben, Sein und Lehren: Kunst, nichts anderes als Kunst
war im höchsten Grade und in jeder Beziehung Kunst, so wahr ist auch Eure
Arbeit ‑ das Erbe von Fräulein Schlaffhorst ‑ Kunst. Es ist nicht nur „Kunst“,
auf dem Podium zu stehen und beklatscht zu werden. Diese Arbeit in der Stille
der Schule mit der Hingabe von Körper, Geist und Seele ist auch Kunst
und führt auch Berufene zur Kunst im äußeren Sinne. Machen Sie sich nur darüber
keine unnötigen Gedanken, meine Geliebten! Halten Sie nur das Erbe von Fräulein
Schlaffhorst immer weiter so hoch, dann dürfen Sie sich keine Gewissensbisse
über die Benennung machen. Dürer: „Denn wahrhaftig steckt die Kunst in der
Natur, und wer sie heraus kann reißen, der hat sie.“ Haben wir es verstanden,
die Kunst aus der Natur herauszureißen und verstehen Sie alle es aber nicht?
Alles was in unserer Schule geschieht, ist doch nur das Studium, wie man aus
der Atmung, der Sprache und dem Gesang, die alle drei „Natur“ sind, die Kunst
herausholen kann.
Ich
wäre sehr traurig, wenn der Name der Schule umgeändert werden sollte und bitte
Euch, damit zu warten, bis ich tot bin. ...
Hedwig Andersen an Irmgard von Harling?
[Auszug]
Lehrervereinigung,
Nr. 26
[November
1950]?
...
Dazu möchte ich noch sagen, daß doch jedes Konservatorium eine Schule ist, in
der viele Schüler in allen nur denkbaren „Künsten“ unterrichtet werden ohne daß
auch nur die Hälfte davon große „Künstler“ würden. Unser Unternehmen ist
eben auch nur eine Schule für die Kunst des Atmens, Sprechens und
Singens, welche Künste alle nicht ohne einander gelehrt werden können,
und doch kann jeder Mensch auch ohne Schule atmen, sprechen und auch auf seine
Art singen ‑ glaubt man ‑ und doch müssen so viele Menschen es erst lernen ‑ in
einer Schule oder im „Konservatorium“ lernen. Bitte schreiben Sie mir doch d[as] Resultat Ihrer diesbezüglichen Besprechungen.
...
Hedwig Andersen an Anka Schulze
(Rotenburg/Fulda)
Lehrervereinigung,
Nr. 26
Schönborn, d. 22.11.50
Liebe
Anka!
Ihre
beiden letzten Briefe schneiden 2 so wichtige Fragen an, daß ich nicht weiß, ob
ich alle Beide werde auf einen Sitz beantworten können. Zuerst die Benennung
der Schule. Sie schreiben selbst: Welche Welt tut sich doch auf, wenn man Ihre
Schüler singen, sprechen, spielen hört! Und dieses Werk und das Wirken daran
ist größer, als alle menschlichen Schwächen und Schwierigkeiten u.s.w. Und das
soll keine Kunst im höchsten Sinne sein? Sie wissen doch wohl, daß die
musikalische Kunst Urgrund, Ausgangs- und Zielpunkt der ganzen Schule war und
immer sein wird und muß. so lange noch einer von den alten Schülern
lebt, der noch bei Cl. Schlaffhorst seine Ausbildung erlebt hat. Diese Arbeit
ist auch eine Kunst und wird so lange Kunst bleiben, so lange noch einer
der alten Schüler lebt, und in dem alten Sinne weiterarbeitet. Künstler
im höchsten Sinne können nicht gemacht
werden und auf der Bühne u[nd]
im Konzertsaal stehen so manche Leute, die nicht im höchsten Sinne Künstler
sind, und kaum eine Ahnung von der Heiligkeit der Kunst haben, die unsere
Schule ins Leben gerufen hat und die auch heute noch den Hörern „eine Welt
erschließt“, wie Sie selbst sagen.
Ich
habe zu diesem Thema noch so manches in meinem Innern, das ich aber nicht zu
Papier bringen, sondern nur von Mensch zu Mensch sagen könnte, wenn ich Sie
einmal hier hätte, liebes Fraulein Schulze, oder liebe Anka!
D.
24. weiter. Sie sind in Ihrer phänomenalen Bescheidenheit leicht geneigt, auf
solche Einwendungen einzugehen und sich womöglich noch an die Spitze der bösen
Buben zu stellen, aber sagen Sie selbst: Ist das keine Kunst, was unsere Lehre
Ihnen Allen hinterlassen hat? Aber liebe Anka: wenn dich die bösen Buben
locken, u.s.w.
Pfeifen
muß man auf solche Klugkosereien und fest bei der Stange bleiben, pfeifen auf
die böswillige „Kritik“, die keiner berechtigten Prüfung, sondern dem Neid und
der Dummheit entspringt. Genug davon, An Harling habe ich auch schon
geschrieben deswegen und sie gebeten, mit solcher grundlegenden Änderung der
Bezeichnung unserer Arbeit zu warten, bis ich tot bin.
Und
nun gar die Gräfin mit ihrer baumstarken Anmaßung! „Freie Rede“ ist doch bloß
der Deckmantel für ihr Streben nach einem Lehrdiplom, wozu sie aber nach meiner
Überzeugung keinerlei Berechtigung hat. Es widerspricht ja gröblichst dem
Prospekt der Schule, wo das Alter der Bewerber für die Aufnahme auf höchstens
30 Jahre festgesetzt ist. Ausnahmen in besonderen Fällen sind möglich! Damit
hat sie sich schon ein Löchchen zum Durchschlüpfen vorgesorgt, aber 50
Jahre alt ist doch gar zu dick zum Durchschlüpfen. Und dann: was Sie sagen,
liebe Anka, ist ganz richtig: Jeder der beiden Posten verlangt einen ganzen
Menschen. „Niemand kann zween Herren dienen! Das habe ich ihr auch schon
schriftlich gesagt, aber sie bleibt hartnäckig bei ihrem Streben. Dagegen
beruft sie sich hartnäckig darauf, daß wir m[eine] Freundin und ich ihr die Ausbildung in unserer Schule
schon in Hustedt versprochen haben. Und ich kann mich beim besten Willen nicht
erinnern, das getan zu haben, sollte es dennoch wahr sein, so war sie auch
damals beträchtlich jünger, aber jetzt: über 50! Unmöglich! wir oder vielmehr
Ihr dürft solch einen Präzedenzfall keinesfalls schaffen! Nun genug für heute,
liebe Anka, ich muß an die Luft und Sie werden auch an dem Brief zu
knacken haben. Also Lebewohl, viel herzliche Grüße von mir u[nd] Frl. Herholz, die die verreiste Frl. R[oloff] bei mir vertritt. Es
freut mich, daß Ihr Fuß jetzt richtig ist. Wie wohl werden Sie sich jetzt wieder
zulaufen fühlen!
Immer
Ihre alte H. Andersen
Herzl[ichen] Dank für den
Briefumschlag!
Hedwig Andersen an Anka Schulze
(Rotenburg/Fulda)
Lehrervereinigung,
Nr. 27
Schönborn, d. 19.4.52
Liebe
Anka!
Ich
finde mich nicht mehr durch! Sie und unser Schenck schreiben mit die
sorglosesten und idyllischten Brief, als wenn gar nichts vorgefallen wäre, so
zu sagen „mit lächelndem Munde ‑ u[nd]
dabei müssen doch allerhand störende Sachen zwischen Euch und Winfried
geschehen sein, die Euren und meinen Seelenfrieden erheblich erschüttern. Baron
Winfried hat mir meine Vollmachten zurückgeschickt, aber mit einem ganz herzigen
Brief, der mich noch mehr erschüttert, als die Absage in der Koflersache an diesen
Schwankungen schuld ist und das Ganze ‑ stopp! sagt das Schicksal! Eben brachte
mir Frl. Fischer ein Telegramm aus Berlin von Prof. Vogler mit der Anfrage:
„Wären Sie einverstanden, wenn die Zeichnungen aus dem Kofler wegblieben
d. 20.4. weiter
Also
gestern trat das Schicksal und die telegrafische Anfrage mir dazwischen und hinderte
mich am weiterschreiben. Ich antwortete gestern sofort ‑ auch telegrafisch, der
Wahrheit gemäß: Wünsche keine Zeichnungen im Kofler. Und das möchte ich auch Ihnen,
meine liebe Anka auf alle Ihre Vorschläge über diesen Punkt heute, nachdem ich
mich ziemlich die Nacht über daraufhin geprüft habe, zurufen. Ich sehe keine
Notwendigkeit für Abbildungen, die Stellungen für die Atemübungen sind deutlich
im Text des Buches beschrieben, meine Freundin und ich wir waren ganz einig in
dieser Ansicht und der immer steigende Verkauf des Buches hat bewiesen, daß sie
‑ die Ansicht ‑ richtig war. Um so mehr in der heutigen Zeit, wo die
Papierknappheit so groß ist. Die Herstellung des Buches würde mit jeder Auflage
noch mehr Zeit u[nd] Kosten erfordern und wie
gesagt: die Beschreibung im Text ist vollkommen ausreichend u[nd] verständlich.
Ich
bitte Sie also herzlich, von dieser gut gemeinten Idee Abstand zu nehmen und
dem Erscheinen des Buches keine weiteren Hindernisse zu bereiten. Ich glaube
auch, daß sie Unstimmigkeiten, von denen Ihre karte spricht, mit dieser Frage
zusammenhängen und bin sehr gespannt auf Ihre nächste Nachricht. Jedenfalls ist
Herr Professor Vogler der Einzige, der mich um meine Ansicht über die
Notwendigkeit von Zeichnungen befragt. Diese Ansicht ist nicht von heute und
gestern, sie besteht schon ‑ in Übereinstimmung mit meiner Freundin ‑ seit
vielen Jahren. nun werde ich diesen Brief an Sie nicht gleich abschicken,
sondern erst, nachdem ich Ihren angekündigten Brief erhalten habe.
Von
uns kann ich nur melden, daß mein Fräulein Roloff ist 3 Wochen verreist ist, ursprünglich
nur für 8 ‑ 10 Tage ‑ zur Einsegnung ihrer Patennichte in Essen. Dann mußte sie
noch anschließend nach Lingen zu ihrer Schwester, dann erkältete sie sich und
konnte nicht reisen und nun ist sie schon 3 Wochen fort und Fräulein Kersten,
die Sie ja auch kennen, vertritt sie und so bin ich, Gottlob, nicht verlassen,
sondern sehr gut aufgehoben. Eben sagt sie mir, daß Sie sie auch kennen. Sie
ist sehr gut von Roloff eingeschult und macht ihre Sache sehr gut. Das Wetter
ist seit 8 Tagen prächtig, fast sommerlich, wie bei Ihnen wahrscheinlich auch ‑
so kann man doch schöne spazieren gehen, wenn man nicht Briefe schreiben muß.
Wie schön wäre es, wenn Sie uns mal besuchen könnten, es giebt auch sehr schöne
Spaziergänge hier ‑ nun läutet es eben zu Mittag, bald erscheint der Postbote!
Atmung und Stimme ist nun wieder erschienen und zu meiner großen Freude in
deutschem Druck!
Nachmittags
weiter! Vormittag hatte ich ganz vergessen, daß heute Sonntag ist, wo natürlich
kein Postbote kommt. nun muß ich noch bis Montag Mittag warten, bis der nächste
Brief kommt!
Das
Telegramm von Prof. Vogler lautete: wären Sie einverstanden, wenn die Zeichnungen
aus dem Kofler wegblieben? Ich antwortete sofort, auch telegrafisch: Wünsche
eine Zeichnungen im Kofler, Gruß. Nur bin neugierig ob morgen ein Brief von
Ihnen kommt!
Schönborn, d. 24.4.52
Meine
liebe Anka!
Eben
sehe ich, daß meine Hand ganz zitterig ist, die Tage waren für mich sehr beunruhigend
und die Nächte erst recht, aber ich hoffe, daß … da Sie dort nun auch zu einem
beruhigenden Schluß gekommen sind ‑ wieder allerseits Ruhe eingetreten ist und
bei mir auch eintreten wird.
Für
Ihre Karte an Vötterle danke ich Ihnen ‑ so bin ich doch nun auch mit dem neuen
Verleger in Verbindung gekommen, was schon lange hätte geschehen müssen ‑ ich
habe ihm dasselbe geschrieben, was ich an Professor Vogler telegraphierte,
nämlich, daß ich keine Zeichnungen im Kofler wünsche und ich denke, das wird
ihm auch das liebste sein, denn nun lann ja das Buch ohne weiteres fertig
abgeliefert werden.
Daß
Sie mit Winfried wieder in Ordnung gekommen sind, freut mich sehr, ich war doch
sehr traurig über seine Absage, hoffe aber, daß nun wieder Friede im Staate
Jerichow herrscht und daß das Büchlein nun baldigst reisen kann. Frl. Roloff
ist jetzt wieder ‑ leider sehr erkältet ‑ zurück, wird sich aber hoffentlich
bald erholen. Die Zeichnungen lege ich ein ‑ sie sind ja an und für sich sehr
zweckmäßig, aber im Kofler überflüssig. Mit herzlichem Gruß u[nd] Dank für alle Ihre Bemühungen Ihre alte
H.
Andersen.
Vollmacht von Hedwig Andersen für Anka
Schulze
Lehrervereinigung,
Nr. 25
Schönborn b[ei]
Eutin, d. 28.4.1952
Hiermit
erteile ich, Fräulein Hedwig Andersen, wohnhaft in Schönborn b[ei] Eutin, an Frau Anka Schulze in Rotenburg
/Fulda
VOLLMACHT
mich
in Angelegenheiten der Neuauflage des Buches „Die Kunst des Atmens“ von Leo
Kofler zu vertreten. Sie ist befugt, in meinem Namen die Urheber- und
Übersetzungsrechte geltend zu machen, welche mir als Übersetzerinnen und
Herausgeberinnen des genannten Werkes zustehen.
Die
Vollmacht erlischt nicht mit meinem Tode, sondern gilt für meine Erben solange,
bis diese sie widerrufen.
........................
Die
vorstehende Unterschrift der Fräulein Hedwig Andersen aus Schönborn b[ei] Eutin wird hiermit amtlich beglaubigt.
Hedwig Andersen
Hedwig Andersen an Anka Schulze
(Rotenburg/Fulda) [Postkarte]
Lehrervereinigung,
Nr. 27
[Poststempel:
Eutin ...6.53]
Mein
liebes Fräulein Schulze! Ich erhielt und bestätige Ihre Nachricht von der Vorstandswahl
der Lehrervereinigung der Schule Schlafhorst‑Adersen und bin damit einverstanden,
daß W. Seyd, I. v, Harling, A. Schulze, wiedergewählt, G. Schümann und I.
Ziegler neugewählt wurden.
Ich
habe mich sehr über den herzlichen Gruß der Anwesenden bei der Pfingsttagung in
Lieme gefreut und hoffe, noch nähere Nachricht über den Verlauf derselben zu
erhalten. Mit sehr herzlichem Dank und Gruß Ihre
alte
Hedwig Andersen.
Hedwig Andersen an die Teilnehmer der
Pfingsttagung der Lehrervereinigung (Rotenburg, 5.-12. Juni 1954)
Lehrervereinigung,
Nr. 27
Meine
lieben Cumpane Alle!
Wie
gerne wäre ich mit Fräulein Roloff mitgefahren, um Euch Alle einmal Alle miteinander
zu sehen, und kennen zu lernen aber ‑ es wär so schön gewesen, es hat nicht sollen
sein. Wenn ich mir ein Jahrzehnt abbrechen und beiseite legen könnte, dann
ginge es vielleicht noch, aber so nahe an 90 geht es nicht mehr. Ich begrüße
Euch aber sehr herzlich Alle in meinen Gedanken und wünsche Euch von ganzem
Herzen Gesundheit, viele Schüler und viel Freude an diesen, und viel Freude an
dieser „Tagung“, die hoffentlich wieder unter dem Motto: Seid einig, einig,
einig! verläuft und sich damit dem Erfolg aller früheren Tagungen anschließt!
In herzlichem Gedenken und Gedanken die alte Hedwig Andersen.
Ende Andersen an Lehrervereinigung und Gesellschaft
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