Historisches

Neubeginn (Hohenlimburg, Lieme, Lehrervereinigung)

 


 

Schule Schlaffhorst-Andersen 1944-1950

maschschr. Brief mit handschriftlichen Korrekturen von Maria Gräfin Bredow und eigenhändigen Unterschriften

1944

Die Schule Schlaffhorst/Andersen für Atem- Sprech- und Gesangskunst in Seefeld/Pom.

Fräulein Clara Schlaffhorst, geb. 1863 in Memel, von Beruf Gesangslehrerin, und Fräulein Hedwig Andersen, geb. 1866 in Memel, von Beruf Klavierlehrerin, wurden frühzeitig auf die Bedeutung der Atmung für jede menschliche Tätigkeit, vornehmlich aber für die stimmliche Betätigung aufmerksam.

Der Öffentlichkeit bekannt wurden sie zuerst durch eine 1988 bei Breitkopf und Härtel, Leipzig, erschienene Übersetzung des von einem Deutschamerikaner ‑ Leo Kofler ‑ verfaßten und noch heute für das Studium und die Übung der Atmungsfunktionen grundlegenden Buches: „Die Kunst der Atmens“, das jetzt in der 20. Auflage (30. Tausend) vorliegt.

Das Leben von Clara Schlaffhorst und Hedwig Andersen hat seitdem unentwegt im Dienste der Erforschung der Atmungs- und Stimmfunktionen gestanden. Die äußeren Daten sind kurz folgende: 1897 Übersiedlung nach Berlin; 1910 Erwerb eines eigenen Hauses, das die Aufnahme auswärtiger Schüler zu umfassenderer Arbeit ermöglichte, und schon 1913 wegen des wachsenden Schülerkreises gegen ein größeres vertauscht werden musste; 1916 Übersiedlung nach Rotenburg/Fulda. Dort erst entstand durch das Hinzukommen von Schülern, die es drängte, das selbst Gelernte und Erfahrene an andere weiter zu geben, die „Schule für Atem-, Sprech- und Gesangkunst“, die zuerst unter dem Namen „Rotenburger Schule“ bekannt wurde. 1926 Übersiedlung nach Hustedt bei Celle; 1942 wegen Anlage eines Flughafens in Hustedt Übersiedlung nach Seefeld in Pommern.

Gegenwärtig unterrichten in Seefeld Fräulein Schlaffhorst und Fräulein Andersen. Ihnen zur Seite stehen 2 Gesanglehrerinnen, eine Sprechlehrerin und eine Musiklehrerin. Die Schülerzahl beträgt 16-18, davon etwa die Hälfte Jahres- und Ausbildungsschüler, zur anderen Hälfte Personen, die aus beruflichen und gesundheitlichen Gründen einige Wochen an der Arbeit teilnehmen wollen, vorwiegend Jugenderzieher, Musikausübende und Schauspieler, gelegentlich auch auswärtige Lehrerinnen der eignen Schule, die ihre Ausbildung fortführen wollen. Die Ausbildungszeit beträgt zwei Jahre; die Ausbildungsschüler arbeiten an ihren freien Nachmittagen 5stündig in dem der Schule angeschlossenen land- und forstwirtschaftlichen Betrieb des Gutes Seefeld. Nach Beendigung des anschließenden praktischen Helferinnen-Jahres arbeiten die Lehrerinnen selbständig in den verschiedensten Städten Deutschlands, wobei das Schwergewicht, je nach Begabung, entweder auf der sprachlich-gesanglichen oder auf der gesundheitspflegerischen Seite liegt. Gegenwärtig verfügt die Schule über 27 solcher Lehrerinnen, von denen ein Teil an staatlichen Musikhochschulen angestellt ist u(nd) die sämtlich bis an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit in Anspruch genommen sind. Zum Teil sind sie an staatlichen Musikhochschulen angestellt, zum Teil arbeiten sie privat. Zu ihren Schülern gehören die Angehörigen sämtlicher Berufe, die sich durch die Stunden neue Kraft für die Ausübung ihrer immer schwerer werdenden Berufsarbeit holen, insbesondere aber die Angehörigen stimmbildnerischer, pädagogischer und gesundheitspflegerischer Berufe. Der Schule angegliedert sind zwei Kinderheime, das eine in Weimar, das 2. in Rotenburg/Fulda, wo die Arbeit in ihrer Anwendung auf Kinder besonders gute Ergebnisse zeitigt, insbesondere gesundheitlich gefährdete Kinder wieder in’s Gleichgewicht bringt.


Ist die Arbeit der Schule Schlaffhorst/Andersen, ist insbesondere das Berufsziel einer Lehrerin der Schule Schlaffhorst/Andersen kriegs- und lebenswichtig?

Wir beantworten diese Frage aus tiefster Überzeugung mit Ja. Die ganze Arbeit der beiden Gründerinnen der Schule und aller ihrer Mitarbeiter ist getragen von tiefster Liebe zum deutschen Volke, dem sie einen neuen Weg zu seinen innersten Kräften und zur Hebung seiner Rasse eröffnet. Denn die Forschungen und Erfahrungen haben immer erneut ergeben, dass jede Degeneration geknüpft ist an Verkrampfung oder Erschlaffung, kurz, an den Verfall der inneren Organtätigkeit. Die Forschungen und Erfahrungen haben weiter erwiesen, dass diese Erscheinungen sich spiegeln im Stimmorgan, und dass es möglich ist, durch Belebung und Erziehung des Stimmorgans zur gesetzmäßigen Tätigkeit alle anderen Organe, insonderheit die Atemorgane, zu beleben und neu aufzubauen. Die Spannweite der Arbeit ist dementsprechend sehr groß: sie reicht tief in den gesundheitlichen Sektor hinein und hoch hinauf zu den Höhen der Sprech- und Gesangskunst. Von entscheidender Bedeutung ist die Arbeit für die Jugenderziehung.

Die Ziele und die notwendige Dauer der Schulungszeit sind entsprechend den vielseitigen Richtungen verschieden; ein Stimmkranker wird nicht die gleiche Schulung durchmachen, wie sie etwa von einem Sänger, einem Erzieher oder einem Schauspieler verlangt werden muss. Doch liegt der ganzen großen Arbeit ein Ideal zu Grunde: Die allseitige, geistig, seelisch und leiblich gleichwertige Entfaltung des deutschen Menschen. Es ist, als habe die ewige Idee des deutschen Volkes, die jetzt so sichtbar und erneuernd am Werke ist, hier einen besonderen Weg gefunden, um die inneren Voraussetzungen für die Meisterung der vor uns liegenden gewaltigen Aufgeben zu schaffen. Welche Hoffnungen für die Zukunft des deutschen Volkes, für den Reichtum seiner schöpferischen und erhaltenden Kräfte diese Arbeit eröffnet, kann nur der ermessen, der gesehen hat, wie sich die Menschen unter ihrer Einwirkung verwandeln, wie die Arbeit nicht nur eine Reihe von gesundheitlichen Störungen beseitigt, sondern weit darüber hinaus die Menschen mit neuem fruchtbaren Leben und mit ausdauernden Kräften erfüllt.

Die Lehrerinnen der Schule sind als wertvolle Spezialarbeiter anzusehen, und auf keinem als auf diesem ihrem eigensten Gebiet können sie der Nation wertvollere Dienste leisten. Da aber die Zahl der Lehrerinnen im Vergleich zur Bedeutung der Arbeit noch gering ist, und die Schule deshalb den von vielen Seiten, insbesondere von Ärzten, Kinderheimen und Jugendführern an sie gestellten Anforderungen nicht genügen kann, sind ihr auch jetzt im totalen Krieg die zur Ausbildung bei ihr befindlichen Schülerinnen zu belassen, ja, es ist dafür zu sorgen, dass ihr noch weitere, für die Ausbildung geeignete junge Mädchen zugeführt werden. Nur so kann es gelingen, die Früchte der jahrzehntelangen, harten Forscherarbeit von Fräulein Schlaffhorst und Fräulein Andersen zum Segen des deutschen Volkes zu ernten.

Die Ausbildung stellt hohe Anforderungen an die Hingabe, an die Ausdauer, an die Begeisterungsfähigkeit der jungen Menschen, die sich ihr unterziehen. Sie belohnt sie durch die künftige Mitarbeit an der Verwirklichung idealen Deutschtums.

Dr. Wilhelm Menzel                                       Maria Gräfin Bredow
Oberstudienrat                                               2. Vorsitzende
1. Vorsitzender                                               Seefeld. Pom.
Hirschberg/i. Rsgb.





maschschr. Brief

Bergen Krs. Celle. 28.VI.45

Die Schule Schlaffhorst-Andersen für Atem- und Stimmbildung, von 1926-1942 in Hustedt Krs. Celle tätig, musste 1942 wegen eines in unmittelbarer Nähe angelegten Flugplatzes von dort verlegt werden und siedelte auf das im Besitz des geschäftsführenden Vorstandsmitgliedes, Gräfin Bredow befindliche Gut Seefeld in Pommern über. (Gutachten über diesen Betrieb s. Anlage 1.) Die Vereinigung von Schule und Gutsbetrieb bewährte sich ungemein, vor allem, weil die Schüler in ihrer Freizeit landwirtschaftlich mitarbeiten und die Lebenshaltungskosten verhältnismäßig niedrig gehalten werden konnten. Die Schülerzahl war in ständigem Anwachsen begriffen. Anfang Februar 1945 musste die Schule, Anfang März auch der Gutsbetrieb wegen des Herannahens der Russen geräumt werden.

Wir wären sehr dankbar, wenn der Schule die Möglichkeit gegeben würde, ihre Tätigkeit wieder in Verbindung mit einem Gusbetrieb fortzuführen. Beispielsweise erscheint das innerhalb des Truppenübungsplatzes Belsen gelegene Gut Achterberg wegen der bereits darauf vorhandenen Gebäudeanlagen für diesen Zweck geeignet.

Über die Bedeutung der Schule geben die beigefügten Gutachten 2.) 3.) 4.) einige Hinweise. Die Bedeutung liegt einmal zweifellos auf gesundheitlichem, vor allem jedoch auf pädagogischem Gebiet. Die Schule strebt an, dass in Zukunft in den Ausbildungsplan der Volksschullehrer ein 6 monatlicher Besuch der Schule eingegliedert wird, weil ihre Arbeit für den Deutsch- den Turn- und den Gesangunterricht grundlegend ist.


.........................................  ............................................  .................................



4 Anlagen:       1.)   Gutachten der Kreisbauernschaft Saatzig Stargard über den landwirtschaftlichen Betrieb.

2.)   Gutachten über die Schule Schlaffhorst-Andersen Prof. Wilhelm Kempf 26.I.41.

3.)   Gutachten Prof. Elly Ney vom 3.V.43.

4.)   Gutachten Prof. Vogler, Berlin vom 30.VII.43.




maschschr. Briefentwurf von Maria Gräfin Bredow

Bergen Kreis Celle. 1.Dezember 1945.

Gesuch der Schule Schlaffhorst/Andersen auf Ermöglichung erneuter Niederlassung innerhalb der Provinz Hannover. (entworfen von Gräfin Bredow)

Die Schule Schlaffhorst/Andersen für Atem- und Stimmbildung besteht seit 1900 mit folgenden praktischen Tätigkeitsbereichen:

1.      Heilung von Stimmschäden und Stimmerkrankungen.

2.      Erteilung von Atem- Sprech- und Gesangunterricht.

3.      Schulung von Ärzten und Erziehern.

4.      Ausbildung eigener Lehrkräfte.

Anfangs in Berlin und Rotenburg/Fulda, seit 1926 in Hustedt Kreis Celle tätig, musste die Schule Hustedt im Sommer 1942 wegen des dort angelegten Flughafens verlassen und wurde nach Seefeld in Pommern östlich der Oder verlegt. Die Verbindung der Schule mit dem dortigen landwirtschaftlichen Lehrbetrieb erwies sich für beide Teile als außerordentlich förderlich. Die Schüler waren in ihrer Freizeit landwirtschaftlich und gärtnerisch tätig, dagegen nahmen die landwirtschaftlichen und gärtnerischen Lehrlinge am Unterricht der Schule teil, und der landwirtschaftliche Betrieb als Ganzes bildete weitgehend die Grundlage der sich günstig entwickelnden Schule. Anfang Februar 1945 musste die Schule, Anfang März auch der landwirtschaftliche Betrieb wegen des Herannahens der Russen geräumt werden.

Die Arbeitsweise der Schule beruht auf sehr realen Einsichten in das Naturgeschehen im Menschen, in den naturgesetzlichen Ablauf der Lebensfunktionen und auf einem nicht theoretisch, sondern nur praktisch zu übermittelndem handwerklichen Können. Diese Einsichten und dies pädagogische Können wurden durch Fräulein Clara Schlaffhorst und Fräulein Hedwig Andersen, die Gründerinnen der Schule, in jahrzehntelanger, strenger, aufopfernder Forschertätigkeit gewonnen und erprobt. Inmitten einer Zeit leiblichen, seelischen und geistigen Verfalls leisteten sie in der Stille unermüdliche und erfolgreiche Aufbauarbeit, und ein großer Schülerkreis verdankt ihnen viel. Da diese Wirksamkeit im Widerspruch stand zu der zunehmenden Veräußerlichung und Entseelung des Lebens musste sie häufig Unverständnis und Widerstände überwinden, fand aber bei Tieferblickenden Anerkennung und Unterstützung. Die erzielten Forschungsergebnisse sind zu einem erheblichen Teil inzwischen wissenschaftlich geprüft und bestätigt. Einige Gutachten von Ärzten, Künstlern und Pädagogen fügen wir bei, außerdem einen Prospekt der Schule sowie ein Gutachten über den mit ihr verbundenen landwirtschaftlichen Betrieb.

Vor die Frage gestellt, wo sie in Zukunft ihre Arbeit wieder aufnehmen, wo sie wieder sesshaft werden, wohin sie ihre zur Zeit über ganz Deutschland verstreuten Lehrer und Schüler wieder zusammenrufen soll, würde die Schule gern in die Provinz Hannover zurückkehren, und zwar aus demselben Grunde, der sie seinerzeit veranlasste, sich in Hustedt niederzulassen, nämlich aus einer inneren Verbindung mit der Landschaft. Denn die Arbeit der Schule, gerichtet auf Weckung, Ordnung, Formung und Erhaltung der innerlichen Naturkräfte, auf die Verbindung von Natur und Geist und letzten Endes auf das Sichtbarwerden der Gottnatur im Menschen wird in ihrer Wirksamkeit unterstützt durch eine Landschaft, die in ihrer Weite und Kraft, ihrer Unberührtheit und Traulichkeit, ihrer Schönheit und Schlichtheit diesem innersten Kern menschlichen Wesens entspricht, ihm antwortet, ihn bestätigt und kräftigt und so den Weg zu ihm leichter finden lässt. So geht unser Vorschlag und unsere Bitte dahin, unserer Schule pachtweise wieder ein Stück hannoverscher Erde zu überlassen.

Außer den eigentlichen Lehrkräften hat die Schule in ihren Reihen landwirtschaftlich und gärtnerisch lehrberechtigte Persönlichkeiten, sodass sie im Stande ist, wie schon in Seefeld, ein kleines, selbstständiges, abgerundetes pädagogisches Centrum zu bilden, das auf gesunder und nicht zu schmaler wirtschaftlicher Basis stehend, auch den weniger Bemittelten die Aufnahme ermöglichen und ihnen erlaubt, durch praktische Mitarbeit zu den Kosten ihrer Ausbildung beizutragen. Wir glauben auch zusagen zu können, dass die Schule das ihr überlassene Land zum allgemeinen Besten und in gewisser Weise vorbildlich bewirtschaften würde.

Wir würden die Arbeit zunächst mit etwa 40 Personen beginnen können. Mit Rücksicht auf die pädagogischen Ziele der Schule, auf das weitere Wachstum, auf die vorgesehene und schon vorbereitete Einbeziehung von Kinderheimen, einem Kindergärtnerinnenseminar, einem Musikseminar und einem eigenen Landerziehungsheim bitten wir aber, bei der Landzuteilung die Möglichkeit künftiger Entfaltung zu berücksichtigen. Nur der kleinere Teil brauchte Nutzfläche, der größere könnte Wald oder Heide sein. Die Anlehnung an eine größere Forstfläche, die Einbeziehung eines kleinen Wasserlaufes sind wünschenswert, eine leidliche Verkehrsanlage ist erforderlich. Die Umgebung von Bergen Kreis Celle erscheint in vieler Hinsicht günstig.

Der tiefe Fall, den das deutsche Volk getan hat, der Ausbruch zügelloser Rohheit, Wildheit und Grausamkeit beruht letzten Endes auf einem Versagen seiner pädagogischen Kräfte. Unsere Schule ist sich bewusst, für die richtige Erziehung der deutschen Jugend, die vom innersten Kern her erfolgen muss, einen wesentlichen, ja unersetzlichen Beitrag leisten zu können, und unser Vorschlag, unsere Bitte entspringt der dadurch gegebenen tiefen Verpflichtung.

Für den Lehrkörper der Schule


       Anita Grauding.            Irmgard von Harling.        Anna Bruckner.



maschschr. Brief. Überarbeitete Fassung des vorstehenden Entwurfs mit eigenhändiger Unterschrift.

Bergen Kreis Celle. 1.Dezember 1945.

Gesuch der Schule Schlaffhorst-Andersen um erneute Niederlassung in der Provinz Hannover.

Die Schule Schlaffhorst-Andersen für Atem- und Stimmbildung besteht seit 1900 mit folgenden praktischen Tätigkeitsbereichen:

1.      Erteilung von Atem- Sprech- und Gesangunterricht.

2.      Heilung von Stimmschäden und Stimmerkrankungen.

3.      Schulung von Ärzten und Erziehern.

4.      Ausbildung eigener Lehrkräfte.

Seit 1900 in Berlin, von 1916-1926 in Rotenburg/Fulda, seit 1926 in Hustedt Kreis Celle tätig, musste die Schule Hustedt im Sommer 1942 wegen des dort angelegten Flughafens verlassen und wurde nach Seefeld in Pom. östlich der Oder verlegt. Die Verbindung der Schule mit dem dortigen landwirtschaftlichen Lehrbetrieb erwies sich für beide Teile als außerordentlich förderlich: Die Schüler waren in ihrer Freizeit landwirtschaftlich und gärtnerisch tätig, dagegen nahmen die landwirtschaftlichen und gärtnerischen Lehrlinge am Unterricht der Schule teil, und der landwirtschaftliche Betrieb als ganzes bildete weitgehend die Grundlage der sich günstig entwickelnden Schule. Anfang Februar 1945 musste die Schule, Anfang März auch der landwirtschaftliche Betrieb wegen des Herannahens der Russen geräumt werden.

Die Arbeitsweise der Schule beruht auf sehr realen Einsichten in das Naturgeschehen im menschlichen Organismus, gewonnen durch intensives Studium für künstlerische, gesangliche und sprachliche Betätigung.+ Beständig erneuerte Erfahrung bestätigte die Tatsache, dass durch bewusste, nach physiologischen Gesetzen geregelte Schulung der untrennbar zusammenhängenden Atmungs- und Stimmfunktionen neue, bisher noch nie genutzte Aufbaumöglichkeiten für den gesamten geistig- und leiblich-seelischen Organismus des Einzelnen wie seiner Nachkommenschaft gewonnen werden.

Vor die Frage gestellt, wo sie in Zukunft ihre Arbeit wieder aufnehmen, wo sie wieder sesshaft werden, wohin sie ihre zur Zeit über ganz Deutschland verstreuten Lehrer und Schüler wieder zusammenrufen soll, würde die Schule gern in die Provinz Hannover zurückkehren und zwar aus demselben Grunde, der sie seinerzeit veranlasste, sich in Hustedt niederzulassen, nämlich aus einer inneren Verbindung mit der Landschaft. Denn diese Landschaft entspricht in ihrer Weite, Unberührtheit und idyllischen Ruhe dem Wesen unser Arbeit, die ganz und gar auf die Weckung und Erhaltung innerer Kräfte, auf Verbindung von Natur und Geist in Sprache, Gesang und Bewegung gerichtet ist.++

So geht unser Vorschlag und unsere Bitte dahin, unserer Schule pachtweise wieder ein Stück hannoverscher Erde zu überlassen. Auf Grund der in Seefeld gemachten Erfahrungen glauben wir zusagen zu dürfen, dies Land vernünftig zu bewirtschaften, und vor allem durch die Arbeit der Schule einen Beitrag zu den sich gerade in der Provinz Hannover kräftig regenden pädagogischen Bestrebungen zu leisten.

Außer den eigentlichen Lehrkräften hat die Schule in ihren Reihen landwirtschaftlich und gärtnerisch lehrberechtigte Persönlichkeiten, sodass sie im Stande ist, wie schon in Seefeld, ein kleines, selbstständiges, in sich abgerundetes pädagogisches Centrum zu bilden, das auf gesunder und nicht zu schmaler wirtschaftlicher Basis stehend, auch den weniger Bemittelten die Aufnahme ermöglichen und ihnen erlaubt, durch praktische Mitarbeit zu den Kosten ihrer Ausbildung beizutragen. [Auslassung]

Wir würden die Arbeit zunächst mit etwa 30 Personen beginnen können. Mit Rücksicht auf die pädagogischen Ziele der Schule [Auslassung] bitten wir aber, bei der Landzuteilung die Möglichkeit künftiger Entfaltung zu berücksichtigen. Nur der kleinere Teil brauchte Nutzfläche, der größere könnte Wald oder Heide sein. Die Anlehnung an eine größere Forstfläche, die Einbeziehung eines kleinen Wasserlaufes sind wünschenswert, eine leidliche Verkehrsanlage ist erforderlich. [Auslassung]

Für den Lehrkörper der Schule

Hedwig Andersen, Mitbegründerin und Leiterin der Schule




+            Leo Kofler: „Die Kust des Atmens“, aus dem Englischen übersetzt von Clara Schlaffhorst und Hedwig Andersen. Leipzig. Breitkopf und Härtel. 29.stes Tausend.

++           Clara Schlaffhorst, Hedwig Andersen: Atmung und Stimme. Gesammelte Aufsätze und Vorträge. Verlag Georg Kallmeyer. Wolfenbüttel/Berlin.




Maria Bredow                                                                      Stuttgart. Markelstr. 16
Geschäftsführerin der                                                              den 14.März 1946.
Schule Schlaffhorst-Andersen
für Atem- und Stimmbildung.

Anfrage der Schule Schlaffhorst-Andersen nach der Möglichkeit einer erneuten Niederlassung innerhalb der Provinz Hannover und einer sinnvollen Einordnung in die dortige Lehrerbildung

_______________

Die Schule Schlaffhorst-Andersen, seit 1900 in Berlin, von 1916-26 in Rotenburg/Fulda, bis 1942 in Hustedt bei Celle, anschließend in Seefeld in Pommern östlich der Oder tätig und von dort im Frühjahr 1945 vertrieben, steht vor der Frage der erneuten Niederlassung.

Kennzeichnend für die Schule ist, dass sie in mehr als vierzigjähriger praktischer Forschungstätigkeit einen Weg erarbeitet hat, der durch bewusste und nach physiologischen Gesetzen geregelte Schulung der untrennbar zusammenhängenden Atmungs- und Stimmfunktion zu neuen, bisher noch nie genutzten Aufbaumöglichkeiten für den gesamten geistig- und leiblich-seelischen Organismus führt.+

Von diesem Mittelpunkt aus eröffnen sich drei Arbeitsgebiete:

1.    Gesundheitliche Arbeit = in erster Linie Heilung von Stimmschäden und Stimmerkrankungen.

2.    Pädagogische Arbeit = Arbeit mit Kindern, vor allem aber Schulung von Erziehern, um sie instand zu setzen, die neu gewonnenen Einsichten im Unterricht anzuwenden.

3.    Künstlerische Arbeit, vor allem auf gesanglichem und sprachlichem Gebiet, wie auf dem Gebiet der Instrumentalmusik.

_______________

Von diesen drei Gebieten liegt der Schule selbst das Pädagogische am meisten am Herzen. Denn man kann sich vorstellen, wie es uns bekümmert zu sehen, wie die Kinder, nachdem sie jahrelang die Schulbank drückten und sich und den Erziehern viel Mühe machten, am Ende nicht einmal gelernt haben, sich richtig und natürlich zu bewegen, richtig und natürlich zu sprechen, richtig und natürlich zu singen, eben weil sie niemals lernten, diese Tätigkeiten auf die richtige Weise mit Atmung und Stimme zu verbinden, und wie es uns bewegt, in diesen einfachen und grundlegenden Dingen einen Wandel anzubahnen, da wir doch glauben, die dafür erforderlichen Kenntnisse so klar erarbeitet zu haben, dass wir sie in ihren Grundzügen an dafür aufnahmebereite Erzieher weitergeben können. Und Herr Dr. Trüper, Jena, dessen Gutachten wir beifügen, hat recht, wenn er schreibt, dass innerhalb der Schule nun verstärkt in den letzten Jahren, bestimmte Pläne für einen weiteren Ausbau der Schule, nach dem Krieg, für die Heranbildung einer größeren Lehrerschaft und für die Zusammenarbeit mit verschiedenen Zweigen der Allgemeinpädagogik bestanden.

Denn bisher ist die Arbeit der Schule mehr in die Tiefe als in die Breite gerichtet gewesen. Das war von Innen her erforderlich, um den Dingen erst selbst auf den Grund zu kommen; es war nach Außen hin erforderlich, um sich unverfälscht zu erhalten. So hat die Schule insbesondere bisher jede engere Verbindung mit staatlichen Stellen vermieden, um in Forschung und Lehre unabhängig zu bleiben. Es hat uns aber, seitdem wir Seefeld verlassen mussten, die Ahnung geleitet, dass der Verlust der Heimat und der mit Liebe aufgebauten eigenen wirtschaftlichen Basis uns vielleicht frei machen sollte für die nunmehrige Zusammenarbeit mit staatlichen Stellen, die wie wir die innere Erneuerung des deutschen Menschen für das Wesentliche halten, für das was not tut.

Wie kann unsere Arbeit auf pädagogischem Gebiet am wirksamsten eingefügt werden? Die Zahl der voll ausgebildeten Lehrkräfte ist noch immer bescheiden und beträgt etwa zwanzig, von denen der größere Teil jedoch bereits einen festen Arbeitsbezirk hat, so dass für einen neuen Anfang jetzt nur vier bis höchstens acht Lehrkräfte zur Verfügung ständen. Wenn wir sagen dürfen, wie wir es uns gedacht haben, so würden wir wünschen, dass für unsere Arbeit offene künftige Erzieher in jedem Jahr ihrer Ausbildung etwa 4-6 Wochen unsere Schule besuchen; zwar wäre das keineswegs eine Vollausbildung; aber nach unsern bisherigen Erfahrungen würden wir sie auf diese Weise mit den Grundlagen der Atem- und Stimmarbeit so vertraut machen, dass sie darauf weiter bauen und die Arbeit im Klassenunterricht anwenden können. Bei unserer Unterrichtsweise, die vorwiegend im Einzelunterricht erfolgt, würden diese Kurse im ersten Jahr jeweils etwa 14 Teilnehmer umfassen können. Im zweiten Jahr könnte unter Umständen ein zweiter Parallelkurs dazukommen. Es wäre ein kleiner Anfang, aus dem heraus, wenn er zu guten Ergebnissen führt, allmählich eine feste Einordnung dieses Arbeitsgebietes in die allgemeine Lehrerausbildung erwachsen könnte. Allerdings können wir nicht übersehen, ob sich dieser Vorschlag verwirklichen lässt, da, wenn wir im Jahr zunächst mit etwa 7 derartigen Kursen rechnen könnten, davon bestenfalls einer in die Ferien fiele, die anderen aber während des laufenden allgemeinen Unterrichts beschickt werden müssten.

Was nun die Frage einer etwaigen Unterbringung der Schule betrifft, so ist verständlich, dass eine Arbeit, die ganz und gar auf Weckung und Erhaltung innerer Kräfte, auf die Verbindung von Natur und Geist in Sprache, Gesang und Bewegung gerichtet ist, am besten in ländlicher Stille und Abgeschiedenheit gedeiht. Die Verbindung der Schule mit einer gärtnerischen und wenn möglich auch landwirtschaftlichen Basis ist auch schon wünschenswert, damit die Schüler sich zum Ausgleich während ihrer Freizeit gärtnerisch und landwirtschaftlich betätigen können, und eine Schulung und Übung in diesen Tätigkeitsbereichen ist gerade für künftige Erzieher dienlich. Ein solch breiterer Aufbau der Schule hat sich in Seefeld bewährt, und die Schule hat in ihren Reihen neben den eigentlichen Lehrkräften gärtnerisch und landwirtschaftliche Fachkräfte und Erzieher, so dass sie imstande ist, wie schon in Seefeld, eine kleines selbständiges, pädagogisches Zentrum zu bilden. Aber all das sind Fragen zweiter Ordnung, die auf die Länge schon eine befriedigende Lösung finden werden, wenn über die Hauptfrage:‑ eine erwünschte und sinnvolle Einordnung der Arbeit der Schule Schlaffhorst-Andersen in die Lehrerbildung - Klarheit und Einverständnis erzielt wird.



+            Leo Kofler: „Die Kust des Atmens“, aus dem Englischen übersetzt von Clara Schlaffhorst und Hedwig Andersen. Breitkopf und Härtel. Leipzig. 29. Tausend.
Clara Schlaffhorst, Hedwig Andersen: Atmung und Stimme. Gesammelte Aufsätze und Vorträge. Verlag Georg Kallmeyer. Wolfenbüttel/Berlin.


Maria Bredow.




maschschr. Brief mit eigenhändiger Unterschrift

Stuttgart. 14.April 1946.

Ebenso wie sie mit den zuständigen Stellen in Hannover Kurse an die in der Lehrerausbildung Stehenden vereinbart hat, ist die Schule Schlaffhorst-Andersen für Atem- und Stimmbildung auch zu Monatskursen an die in der theologischen Ausbildung Befindlichen bereit. Denn mehr noch als in anderen Berufen kommt es bei der Wortverkündung auf die echte und wahre Stimme an. Mehr noch als jeder andere Beruf ist der Theologe auf die Verbindung mit dem Odem, auf die Erfüllung mit dem Pneuma, auf das Wachstum am inneren Menschen hingewiesen.

Maria Bredow.




maschschr. Durchschlag

Einladung

zur „Arbeitswoche der Schule Schlaffhorst-Andersen“
9. - 16.August 1947

Ort:   Jugendherberge Hohenlimburg ‑ 15. km. südlich von Hagen, an der Bahnstrecke Hagen ‑ Siegen; vom Hbf. Hagen auch mit der Strassenbahn Linie Nr.2 zu erreichen. Vom Bahnhof Hohenlimburg oder der Endstation der Elektrischen sind 20 Min. Fußmarsch zur Herberge, die auf dem hohen Ufer des schönen Lennetales liegt.

Zeit:  Anreise am 9. August, Abreise am 16. ‑ Beginn 9.8. um 20 Uhr; vorher 19 Uhr gemeinsames Abendbrot.

Mitzubringen sind:      G-Schein für Gemeinschaftsverpflegung(beim Ernährungsamt holen), ferner Bettzeug, Handtuch, Kulturbeutel

                weiter:         Noten für Vokal- und Instrumentalmusik, Instrumente: Geigen, Lauten, Flöten usw.

Für die Verpflegung müssen Kartoffeln in Natura mitgebracht werden ‑ pro Tag 1 Pd., wenn möglich mehr ‑.

Unkosten für Unterkunft, Verpflegung und Unterricht insgesamt M. 40.‑

Anmeldung bis 25. Juli an Dr. Wilhelm Menzel (21b) Letmathe, Gennastr 66 oder Anita Grauding (16) Marburg, Friedrichsplatz 9

Anreise für die Alten schon am 8.8. möglich.




Drucksache

Einladung
zu einer
Arbeitszeit der „Schule Schlaffhorst-Andersen“
(Schule für Atem-, Sprech- und Gesangskunst)
in Hohenlimburg vom 9.-23. August

‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑

Durch freundliches Entgegenkommen des Landesverbandes für Jugendherbergen und Jugendwandern Westfalen, namentlich seines Geschäftsführers Herrn Müller-Hoyer in Hilchenbach und des Jugendherbergsvaters Arnold Steglich in Hohenlimburg, ist es uns auch in diesem Sommer möglich, eine Arbeitszeit unserer Schule durchzuführen.

Zeit:                   9.-23. August 1948. Anreise 9. August bis 19 Uhr, Abreise 23. August.

Ort:                    Jugendherberge Hohenlimburg an der Strecke Hagen ‑ Siegen. (Von Hagen Hbf. Straßenbahn, Linie 2; auch von Iserlohn und Letmathe Straßenbahnverbindung)

Mitzubringen:     G-Schein vom Ernährungsamt für Gemeinschaftsverpflegung, Kartoffeln in Natur, wenn irgend möglich auch Gemüse, auch Nährmittel u.a.; Bettwäsche oder Schlafsack, Turnschuhe; Liederbücher, Noten für Chorsingen und Vortrag von Liedern und Gedichten

Inhalt:                Arbeit an Atem- und Stimmfunktionen, Anleitung zu natürlicher und richtiger Tonerzeugung durch Atem- und Bewegungs-, Sprech- und Gesangsübungen, Chorarbeit und Vortrag von Liedern und Gedichten.

Teilnahme:         Für einen ruhigen und ersprießlichen Ablauf der gemeinsamen Arbeit ist es dringend erwünscht, die ganze Zeit dabei zu sein (9.-23.8.)

Meldungen         sind bis 30. Juni unter Angabe des Namens (Vor- und Zuname), des Geburtstages, des Berufes, des Wohnortes (genauer Anschrift), besonderer Befähigungen und Möglichkeiten der Mitarbeit (Vortrag, Morgen- und Abendfeiern u.ä.) zu richten an Dr. Wilhelm Menzel, (21b) Lühnen, Pädagogische Akademie.

Kosten:              Für Verpflegung und Unterkunft täglich RM 2.50, Lehrbeitrag für beide Wochen RM 40.‑

Mit freundlichem Gruße!




             Dr. Wilhelm Menzel                          Anita Grauding
 Lünen, Pädagogische Akademie        Marburg/Lahn, Friedrichsplatz 9






vervielfältigte maschschr. Liste

Teilnehmerliste der Atmungswoche der Schule Schlaffhorst-Andersen in der Jugendherberge Hohenlimburg vom 9.-21. August 1948


Nr.

Name, Vorname

geboren

Beruf

Anschrift

1

Grauding, Anita

06.06.1899

Lehrerin der Schule Schlaffhorst-Andersen

Marburg/L., Friedrichspl. 9

2

Harling, Irmgard von

01.04.1897

"

Bergen über Celle

3

Bleul, Lotte

17.01.1891

"

Wiederstein Kr. Siegen

4

Goebel, Elisabeth

31.03.1911

"

Wuppertal-Elberfeld, Am langen Hessen

5

Seyd, Waltraud

09.08.1914

"

"

6

Wilmanns, Irmel

10.05.1909

"

Celle Mühlenstr. 25

7

Marbach, Irmgard

18.03.1921

"

Mühlheim/Ruhr, Oberstr. 44

8

Bredow, Maria von

13.03.1899

"

Bergen bei Celle

9

Angenete, Christa

02.12.1919

Mus.-Stud.

Herford, Lockhausstr. 46

10

Baumgarten, Liselotte

06.12.1912

Büroleiterin

Menden, Jugendherberge

11

Beck, Anne

09.07.1905

Lehrerin

Mühlheim/Ruhr, Wallfriedweg 49

12

Bettinghausen, Elsb.

15.03.1922

Lehrerin

Duisburg, Eichenhof 6

13

Bormann, Martha

21.03.1898

Lehrerin

Letmathe, Allee 9

14

Eberle, Marta

03.10.1909

Rezitatorin

Stuttgart, Hasenbersteige 6

15

Engelmann, Elisabeth

27.11.1917

Geigenlehrerin

Marburg/L., Schückingstr. 3

16

Griesing, Hildegard

08.10.1912

Ehefrau

Mühlheim/Ruhr, Ruhrstr. 52

17

Halbach, Anneliese

09.05.1916

Musiklehrerin

Remscheid-Lüttringh., Mittelgardshagen 5

18

Helmletzki, Trude

04.01.1912

Musikerzieherin

Krefeld, Ürdingerstr. 313

19

Herrfahrdt, Lisemarie

06.04.1922

Studentin

Marburg/Lahn, Am Weinberg 8

20

Hobohm, Dr. Freya

05.06.1904

Studienrätin

Marburg/L., Fr. Neumannstr. 9

21

Hömberg, Grete

12.09.1908

Hausfrau

Bamenohl b. Finnentrop

22

Kaus, Ursula

08.04.1926

Lehrerin

Lüdenscheid, Mittelstr. 5

23

Kikilius, Hilde

10.02.1927

Lehrerin

Bollwerk über Hagen

24

Kleine, Marie-Luise

24.08.1924

Volontärin

Voerde, Lohernockenstr. 2

25

Lind, Mare

23.07.1904

Gymn.-Lehrerin

Marburg/L., Schückingstr. 5

26

Moeseritz, Annekath.

02.05.1922

Stud. Ass.

Marburg/L., Kugelgasse 6

27

Müller-Leutert, Frau

30.08.1897

Hausfrau

Gießen, Marburgerstr. 35

28

Rohwer, Eva

23.12.1916

Lehrerin

Neumünster, Gartenstr. 38

29

Schmidt-Gonsior, Stefanie

05.02.1921

Kindergärtnerin

Wolfenbüttel, Harztorwall 13

30

Schmitz, Magda

29.10.1926

Apothekerin

Oberhausen, Falkensteinstr. 160

31

Sohnius, Maria

27.03.1924

Sud.päd.

Borken b. Kassel, Bergstr. 9

32

Spelsberg, Lotte

12.09.1925

Montiererin

Lüdenscheid, Sauerfelderstr. 26



Nr.

Name, Vorname

geboren

Beruf

Anschrift

1

Menzel, Dr. Wilhelm

08.01.1898

Oberstud.Rat u. Akademie-Dozent

Lünen, Pädag. Akademie

2

Cramer, Carlo

31.07.1906

Dipl. Ing.

Leer/Ostfriesland

3

Finger, Heinrich

28.04.1899

Kaufmann

Fronhausen/Lahn

4

Hömberg, Wilhelm

13.05.1903

Kauf. Angest.

Bamenohl b. Finnentrop

5

Koppenborg, Hans

21.04.1932

Schüler

Bottrop, Birkenstr. 31

6

Müller-Hoyer, Joseph

08.09.1900

DJH-Geschäftsführer

Menden, Jugendherberge

7

Offele, Hans Wolfgang

26.12.1928

Schüler

Wanne-Eickel, Verbindungsstr. 6

8

Stegelitz, Horst

05.10.1925

Gesangsstudent

Hohenlimburg, Jugendherberge

 

Arnim, Irma von

17.01.1891

Lehrerin der Schule

Stöfs, Kr. Lütjenburg

 

Endruschat, Rosemarie

08.02.1920

 

Süderschmedebu, Kr. Flensburg





gedrucktes Programm

Die Schule Schlaffhorst-Andersen
für Atem-, Sprech- und Gesangkunst
aus Ostdeutschland vertrieben, wird sich jetzt in Lieme/Lippe, vor den Toren
von Lemgo, erneut niederlassen. Semester Anfang im April 1949.

Am Donnerstag, dem 18. November findet in Lemgo ein
Einführungsabend
vor geladenen Gästen statt.

Ort: Oberschule für Jungen, im Rampendahl. ‑ Zeit 20 Uhr.

Mitwirkende:
Gesang: Irmgard von Harling, Lehrerin der Schule.
Klavier: Anna Bruckner, Lehrerin der Schule
Rezitation: Dr. Karl Pörschke, Dozent für Sprecherziehung an der
Pädgogischen Akademie in Bielefeld.
Einführende Worte: Dr. Maria Gräfin Bredow, Vorstandsmitglied der
Gesellschaft der Freunde der Schule.

Folge:

Begrüßung

„Musik des Weltalls“

Hermann Hesse

Phantasie C-Moll

Mozart

„Es ging ein Maidlein zarte ...“

4 Volkslieder

„In stiller Nacht ...“

 

„Da unten im Tale ...“

 

„Die Sonne scheint nicht mehr so schön ...“

 

Ys.

Agnes Miegel

2. und 3. Satz aus Sonate Es-Dur op. 7.

Beethoven

Seefahrt.

Goethe

Der Lindenbaum.

Schubert

Frühlingstraum.

 

Die Forelle.

 

Gott und die Bajadere.

Goethe

Inpromptu As-Dur.

Schubert

Hochzeitslied.

Goethe

Feldeinsamkeit.

Brahms

Auf dem Kirchhof.

 

Von ewiger Liebe.

 

Musik.

Ricarda Huch

Rapsodie G-Moll.

Brahms



Zu dieser Veranstaltung werden Sie hiermit freundlichst eingeladen. Am Schluß der Veranstaltung wird eine Spende für den Neuaufbau der Schule erbeten.




Original

Der Regierungspräsident                                                      Detmold, den 15. Februar 1949.

Akt..: II U 5                                      An die
Gesellschaft der Freunde der Schule
Schlaffhorst‑Andersen
in Lieme, Kreis Lemgo

Anbei übersende ich Ihnen die Erlaubnisurkunde zum Betriebe der Privatschule für Sprech- und Musikerziehung in Lieme, Kreis Lemgo.

Die Genehmigungen für die Leiterin und stellvertretende Leiterin der Schule liegen an. Beglaubigte Abschriften der Einreihungsbescheide für die Leiterin und stellvertretende Leiterin bitte ich mir noch einzureichen.

Für die Erlaubnis sind Verwaltungs- und Schreibgebühren von 18,20 DM an die Regierungshauptkasse Detmold unter K.R.Nr. III/1-746 zu entrichten.

In Vertretung:
gez. Sünkel
[Siegelstempel]       Beglaubigt:
                             Limberg
                             Büroangestellte





maschschr. Abschrift

Erlaubnisurkunde

Auf Antrag vom 2.12.1948 erteilen wir hiermit der Gesellschaft der Freunde der Schule Schlaffhorst-Andersen e.V. Sitz Celle, vertreten durch den Vorstand Dozent Dr. Wilhelm Menzel, Dr. Maria Gräfin Bredow, und Fräulein Anita Grauding, unter dem Vorbehalte des jederzeitigen Widerrufes die Erlaubnis, in Lieme, in dem Hause Liemergrund 105, unter Leitung von Frl. Hedwig Andersen und Anita Grauding eine Privatschule für Sprech- und Musikerzieher zu betreiben.

Die Schule hat den Namen zu führen: Schule Schlaffhorst-Andersen in Lieme/Lippe.

Der Schulträger ist verpflichtet, bei dem Betrieb der Privatschule die Bestimmungen der Bundesratsverordnung vom 2.8.1917 (R.G.Bl. S.683) und die in den Lippischen Anordnungen über das Privatschulwesen vom 13.11.1930 (Staatsanzeiger für das Land Lippe S. 469) getroffenen Bestimmungen sowie alle über die Privatschulen später ergangenen und noch ergehenden Vorschriften zu befolgen.

Der Schulbetrieb darf den Rahmen, der durch die eingereichten Unterlagen begrenzt ist, nicht überschreiten.

Kein Lehrer darf ohne meine Genehmigung eingestellt werden oder unterrichten. Alle Veränderungen im Lehrkörper bedürfen meiner Genehmigung. Die Lehr- und Stundenpläne dürfen ohne meine Genehmigung nicht geändert werden.

Zu jeder Veränderung oder Verlegung der Unterrichtsräume ist meine Genehmigung erforderlich. Sie ist so rechtzeitig zu beantragen, daß eine von mir angeordnete Beseitigung etwaiger Mängel durchführbar ist, bevor die Räume in Gebrauch genommen werden.

Die Jahresberichte sind nach dem doppelseitigen Muster der Anlage anzufertigen, alljährlich am 31. März abzuschließen und bis zum 1. Mai an mich einzureichen.

Diese Erlaubnis ist nicht übertragbar, sie kann weder vererbt noch veräußert werden.

Die Erlaubnisurkunde ist so aufzubewahren, daß sie bei jeder Besichtigung vorgezeigt werden kann.

Detmold, den 15. Februar 1949

Der Regierungspräsident

In Vertretung: gez. Sünkel.



Original

Der Regierungspräsident                                                      Detmold, den 15. Februar 1949.

Akt..: II U 5                                      An
Fräulein Anita Grauding
in Lieme
Kreis Lemgo

Im Sinne des § 1 Abs. 1 der Bekanntmachung des Bundesrats vom 2.8.1917 (R.G.Bl. S. 683) genehmige ich Sie als stellvertretende Leiterin der mit meiner Erlaubnisurkunde vom heutigen Tage betriebenen Privatschule für Sprech- und Musikerzieher, „Schule Schlaffhorst-Andersen in Lieme, Kreis Lemgo“

Verwaltungsgebühr 3,‑‑ DM.

In Vertretung:
gez. Sünkel
[Siegelstempel]       Beglaubigt:
                             Limberg
                             Büroangestellte




Fragebogen

über den für die Schule Schlaffhorst-Andersen in Lieme beantragten Zuschuss.

 

Beantragter Zuschuss:

 

1.

Für welche besonderen Aufwendungen soll der Zuschuss verwendet werden?

Einmaliger Einrichtungszuschuss.

2.

Warum können die Aufwendungen nicht aus eigenen oder Mitteln einer anderen Stelle bestritten werden?

A. Ostvertriebener Betrieb

B. Restlichen Mittel durch Währungsreform beseitigt.

3.

Sind Mittel bereits von anderer Seite bewilligt, für den beantragten Zweck in Aussicht gestellt oder beantragt?

Lt. Antrag ein einmaliger Zuschuß in gleicher Höhe als ostvertriebener Betrieb von Sozialministerium für Maurerlöhne, Dachdecker, Klempner, Baumaterial, Fenster, Türen, Fußböden

4.

Weshalb kann der Zweck des beantragten Zuschusses nicht durch Gewährung eines Darlehens erreicht werden?

Verzinsung und Rückzahlung können nicht aufgebracht werden.

5.

In welchem Verhältnis steht eine etwa beabsichtigte Zuwendung des Landes zu den eigenen Aufwendungen der empfangenden Stelle?

lt. Antrag sind ca. 14.000.‑ DM aus eignen Mitteln aufgebracht.

6.

Zu welchem Zeitpunkt wird der beantragte Zuschuss tatsächlich benötigt?

sofort.

Die Richtigkeit vorstehender Angaben wird mit der ausdrücklichen Erklärung bescheinigt, dass Anträge auf Zuwendungen für den gleichen Zweck weder an andere Stellen gerichtet noch beabsichtigt sind.

Lieme, den 23.III.49
Gräfin Bredow
(Geschäftsstempel und Unterschrift)




Maschschr. Formulardurchschlag

Finanzierungsplan

über den für die Schule Schlaffhorst-Andersen in Lieme beantragten Zuschuss in Höhe von 12.000.‑ DM.

= einmaliger Einrichtungszuschuss
( Für die Zeit vom 23. März 49 bis 31. März 49)

A.

Geldbestand am

23.III.49

47.85 DM

B.

Einnahmen

allgemein bis zum 31.III.49 aus Mitgliedsbeitägen

60.00 DM

 

 

aus Zuschüssen der Kreisverwaltung

====

 

 

aus Zuschüssen der Landesregierung

12.000.‑

 

 

aus sonstigen Quellen

 

 

 

insgesamt:

12.107.85 DM

C.

Ausgaben:

 

 

 

 

Persönliche Verwaltungsausgaben

200.‑

 

 

sächliche Verwaltungsaufgaben

150.‑

 

 

allgemeine Ausgaben = Handwerkerlöhne und Einrichtungsgegenstände

11.700.‑

 

 

insgesamt:

12.050.‑

D.

Beabsichtigte Verwendung des zu bewilligenden Zuschusses. (Die Zwecke der Ausgaben sind einzeln mit Angabe der Beträge hierunter zu erläutern.) siehe Anlage = Ergänzungsblatt I.

 

Die Richtigkeit wird mit dem Hinzufügen bescheinigt, dass die in vorstehendem Finanzierungsplan eingesetzten Beträge mit den Kassenbüchern übereinstimmen.

Lieme, den 23.III.49
Gräfin Bredow
(Geschäftsstempel und Unterschrift)






Maschschr. Durchschlag

23.III.49.

Ergänzungsblatt I. zum Antrag der Schule Schlaffhorst-Andersen an das Kultusministerium Nordrhein-Westfalen auf Gewährung eines einmaligen Einrichtungszuschusses in Höhe von 12.000.‑ DM

Höhe der Einrichtungskosten (Die Angaben sind ungefähre Werte, da die Einrichtungsgegenstände noch nicht bestellt werden konnten.)

A.

Für 50 Personen (40 Schüler, 1ß Lehr- und Verwaltungskräfte) für anteilige Einrichtungsgegenstände) Bettstellen, Sprungfedermatratzen, Matratzenschoner, Auflegematratzen, Arbeitstische, Kleiderschränke, Wäschespinde, anteilige Wirtschaftsschränke, anteiliges Geschirr, Beleuchtungskörper, Waschschüsseln usw. pro Person 243.80 DM x 50

12.190.‑

B.

8 größere und 16 kleinere Öfen mit Ofenrohr und Muffen

1.650.‑

C.

Wasch- und Bade-Closetanlagen

1.960.‑

D.

Kücheneinrichtung

1.200.‑

E.

Tische und Bänke für Essraum

700.‑

 

Summe

17.700.‑

 

Davon aus eigenen Mitteln

5.700.‑

 

Antragssumme

12.000.‑

Für die Richtigkeit obiger Angaben:

Gräfin Bredow.





Maschschr. Durchschlag

Lieme, den 23.III.49.

Ergänzungsblatt II. zum Antrag der Schule Schlaffhorst-Andersen in Lieme an das Kultusministerium Nordrhein-Westfalen auf Gewährung eines einmaligen Einrichtungszuschusses in Höhe von 12.000.‑ DM

Haushaltsvoranschlag für die Zeit vom 1. April 1949 bis zum 31. März 1950.

A Ordentlicher Haushalt

Einnahmen:

1.)       24 Semesterschüler x 1.050.‑                                           25.200.‑
2.)       7 Ferienkurse mit insgesamt 280 Schülern x 72            20.160.‑
3.)       Monatsschüler insgesamt 1.200 Tage x10.‑                   12.000.‑           57.360.‑

Ausgaben:

1.)       Pacht, Honorar und persönliche Verwaltungskosten     22.000.‑
2.)       Arbeitslöhne, z.T. als Werkstudium                                    7.200.‑

3.)       16.000 Verpflegungstage x 1.20                                     19.200.‑
4.)       Sonstige Haushaltskosten und Inventarergänzungen      2.400.‑
5.)       Licht, Feuerung, Allgemeine Unkosten                               3.600.‑
6.)       Steuern                                                                                   2.000.‑
7.)       Verschiedenes                                                                           900.‑          57.300.‑

B. Außerordentlicher Haushalt

Einnahmen:     Beiträge der Mitglieder der Gesellschaft
der Freunde der Schule Schlaffhorst-Andersen e.V.                        3.600.‑

Ausgaben:       Altersversorgung der Lehrkräfte                            1.200.‑
Studiendarlehen                                                          2.400.‑             3.600.‑

Für die Richtigkeit obiger Angaben:

Gräfin Bredow.




Maschschr. Durchschlag

Lieme in den Lippe, den 27.IV.49

Betrifft: Zusatz zum Antrag vom 23. Februar 49 auf Gewährung eines Einrichtungszuschusses für die Neubegründung der Schule Schlaffhorst-Andersen in Lieme in Lippe.

An den Kultusminister Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf

Die Einrichtung der Schule Schlaffhorst-Andersen in Lieme in Lippe ist vollzogen.

Als Erstes wurde vom 4.-16. April 49 der Pädagogische Osterkurs mit 34 Teilnehmern abgehalten.

Am Ostermontag, den 18. April fand die Eröffnungsfeier statt.

Am 25. April wurde die Semesterarbeit zunächst mit 15 Schülern aufgenommen.

Die Durchführung der Bau- und Einrichtungsarbeiten hat ergeben, dass der im Antrag vom 23. Februar mit 36.000.‑ DM angegebene Zuschuss in ganzer Höhe erforderlich ist.

Von diesem Zuschuss hat bereits übernommen:

Das Sozialministerium                                                                                12.000.‑ DM
verwandt zur teilweisen Deckung der Kosten für Fenster, Türen
und Fußböden

Das Kultusministerium aus Mitteln des alten Rechnungsjahres             12.000.‑ DM
                                                                                                                      24.000.‑ DM

Wir bitten hiermit das Kultusministerium Nordrhein-
Westfalen um Bewilligung des Restzuschusses in Höhe von                  12.000.‑ DM

Eine Aufstellung der Einrichtungskosten fügen wir bei.

Im Namen der Gesellschaft der Freunde der Schule Schlaffhorst-Andersen e.V.


Maschschr. Durchschlag [Anlage zur 2. Fassung des Flüchtlingskreditantrages auf den Namen der Gesellschaft der Freunde der Schule Schlaffhorst-Andersen; vgl. 21.V.49]

Schule Schlaffhorst‑Andersen                                                  Lieme in Lippe, den 29.IV.49
Lieme in Lippe

Ergänzende Angaben zum Antrag auf Gewährung eines Anlagekredites von                                             9.000.‑ DM

und eines laufenden Betriebskredites v.               7.000.‑ DM

insgesamt von      16.000.‑ DM

aus den Mitteln für gewerbliche Flüchtlingskredite.

1.      Die Schule Schlaffhorst hat bis 1945 in Seefeld, Kreis Saatzig-Stargard in Pommern, östlich der Oder gearbeitet und ist von dort im März 1945 durch den russischen Vormarsch vertrieben worden.

         Nachdem ihre Lehrkräfte vier Jahre hindurch einzeln an verschiedenen Orten gearbeitet haben, ist es jetzt gelungen, in Lieme in Lippe einen neuen Niederlassungsort zu finden und die Schule auch räumlich wieder zusammenzuschliessen. Der Schule gehören zur Zeit 34 ausgebildete Lehrkräfte an, die ihre Arbeit in den verschiedenen Zonen Deutschlands vertreten. Zweigschulen bestehen in Rotenburg/Fulda und in Weimar/Th.

2.      Der seit Ende Februar 1949 vorgesehene Kreditantrag konnte in endgültiger Form erst jetzt gestellt werden, da die schwankenden Preise eine bestimmte Angabe der Einrichtungskosten vor Durchführung der Bauarbeiten nicht erlaubten. Wir wären sehr dankbar, wenn trotz dieses späten Einreichungstermines dem Antrag noch aus Mitteln des alten Etatsjahres entsprochen werden könnte, damit eine fristgerechte Bezahlung der Lieferanten und Handwerker, vorwiegend aus Lieme und Lemgo stammend, erfolgen kann.

3.      Die Schule besteht seit 50 Jahren. Sie hat sich als reine Privatschule erhalten können und bisher niemals eine behördliche Geldbeihilfe in Anspruch genommen. Allein der Verlust ihrer wirtschaftlichen Grundlage in Seefeld samt allen Instrumenten und sonstigem Inventar und die erst vor Kurzem erfolgte Währungsreform, die die noch vorhandenen Mittel beseitigte und auch dem Kreis der Freunde der Schule eine großzügige Hilfe nicht erlaubt, macht es ihr jetzt unmöglich, den Neuaufbau aus eigenen Kräften zu bewirken.

4.      Die Arbeit der Schule beruht auf den Forschungen ihrer beiden Gründerinnen Clara Schlaffhorst (geb. 16. Oktober 1863 in Memel) und Hedwig Andersen (geb. 9. Juni 1866 in Memel) Sie ist gerichtet auf die Erschließung und Formung der ursprünglichen, schöpferischen Kräfte des Menschen durch mit der Atmung verbundene Sprech- Gesang- und Bewegungsübungen. Ihre Bedeutung liegt auf gesundheitlichem, künstlerischem, vor allem aber allgemein-menschlichem und darum insbesondere pädagogischen Gebiet. Es wird erstrebt, dass die künftigen Erzieher, vor allem die Lehrer an Grundschulen sowie die Sprech- und Musikerzieher die Arbeit kennen lernen. Dazu dienen sowohl die Arbeit während des Semesters wie die 14 tägigen Ferienkurse, von denen im laufenden Jahr sieben durchgeführt werden.

5.      Inhaberin der Schule ist die Gesellschaft der Freunde der Schule Schlaffhorst-Andersen e.V. (Erster Vorsitzender Dr. Wilhelm Menzel, Dozent für Deutsch und Sprecherziehung an der Pädagogischen Akademie Lünen ‑ weiteren Kreisen durch seine „Schlesischen Abende“ bekannt; zweite Vorsitzende Dr. Maria Gräfin Bredow, Eigentümerin des von ihr treuhänderisch für die Schule verwalteten Gutes Seefeld in Pommern.)

6.      Der Pachtvertrag, der die Mitarbeit der sehr strebsamen Verpächterfamilie Kochsiek begründet und sich in den vergangenen 6 Monaten des Aufbau bereits erprobt und bewährt hat; die Beiträge der Mitglieder der Gesellschaft der Freunde der Schule, die in der Vergangenheit rund 6.000.‑ RM im Jahr betrugen und diesen Betrag in absehbarer Zeit wieder erreichen werden, die anerkannte Arbeit der Schule und die günstige Lage lassen auch die wirtschaftliche Entwicklung der Schule als aussichtsreich erscheinen.

Für die Richtigkeit der Angaben:

[Stempel:]                      Schule Schlaffhorst-Andersen
                                                          Lieme / Lippe



Maschschr. Durchschlag

Schule Schlaffhorst‑Andersen                                                                Lieme, den 21.V.49
Lieme in Lippe

Nachtrag zum Kreditgesuch vom 21.April 49.

A. Historisches:

Die Schule Schlaffhorst-Andersen ist gegründet von Fräulein Clara Schlaffhorst, geb. 16. Oktober 1865 in Memel und Fräulein Hedwig Andersen, geb. 9. Juni 1863, ebenfalls in Memel.

Beide, die eine Gesanglehrerin, die andere Klavierlehrerin, wurden frühzeitig auf die Bedeutung der Atmung für jede menschliche Tätigkeit, insbesondere aber für die stimmliche Betätigung, aufmerksam und stellten ihr Leben ganz in den Dienst der Erforschung der Atmungs- und Stimmfunktionen. Nach anfänglicher Tätigkeit in Memel und Berlin arbeiteten sie von 1916-1926 in Rotenburg/Fulda und anschließend in Hustedt bei Celle. Ein wachsender Schülerkreis scharte sich um sie.

B. Die Gesellschaft der Freunde der Schule:

1926 wurde die Gesellschaft der Freunde der Schule Schlaffhorst-Andersen gegründet. Ein Exemplar der Satzungen fügen wir bei. 1934 wurde das Gut Seefeld in Pom. Kreis Saatzig-Stargart zur wirtschaftlichen Grundlage der Schule. Es stand formell im Eigentum von Dr. Maria Gräfin Bredow und wurde von ihr für die Schule verwaltet. Die vorgesehene Errichtung einer Stiftung in Art der Lietzschen Heimschulen musste während der Zeit des Nationalsozialismus wegen der sonst seitens der SS drohenden Enteignung zurückgestellt werden. Ein Teil der Lehrkräfte der Schule hielt sich seit 1934 bereits ständig dort auf, teils zur Erholung, teils zu Unterrichtszwecken. Im Frühjahr 1937 wurden Dr. Wilhelm Menzel, Professor an der Hochschule für Lehrerbildung in Hirschberg/Schlesien, und Dr. Maria Gräfin Bredow, Seefeld in Pommern, Vorsitzende der Gesellschaft. Das Schwergewicht der von der Schule geleisteten kulturellen Arbeit - Chorreisen, Singwochen und Kurse - wurde dadurch noch mehr als bisher schon nach dem Osten verlegt.

C. Zwang zur vollständigen Übersiedlung nach Seefeld in Pommern.

Da die bald nach 1933 begonnene Anlage eines großen Flugplatzes in unmittelbarer Nähe der Schule den geplanten weiteren Ausbau der Schule verhinderte, und der zunehmende Flugverkehr den Unterricht sehr beeinträchtigte, wurde die Arbeit der Schule mehr und mehr nach Seefeld verlegt. Die für eine vollständige Verlegung erforderlichen Bauarbeiten wurden anfangs durch den Krieg aufgehalten, dann aber trotz der zunehmenden Erschwerung aller Bauvorhaben genehmigt, weil der weitere Betrieb in Hustedt offensichtlich unmöglich war. Zum 1. Juli 1942 wurde das Grundstück in Hustedt an die NSV abgegeben und der gesamte Schulbetrieb in Seefeld weiter geführt.

gez.: Dr. Wilhelm Menzel                      gez. Dr. Maria Gräfin Bredow





Maschschr. Formulardurchschlag (3. u. letzte Fassung)

Antrag
auf Bewilligung eines Flüchtlingskredits

1.)     Name, Vorname des Antragstellers: (Bei Gesellschaften und Genossenschaften sind anzugeben: Rechtsform, gesetzlicher Vertreter, haftende Gesellschafter, Sitz der Firma, Eintragung im Handelsregister)

         Dr. Maria Gräfin Bredow

2.)     Wohnort und Straße: Lieme in Lippe Liemergrund 105

3.)     Geburtsdatum: 11.III.99                         Geburtsort: Berlin-Charlottenburg

4.)     Beruf, Gewerbe: Landwirtin

5.)     Ständiger Wohnsitz, vor der Ausweisung oder Flucht (Ort und Kreis): Seefeld in Pommern Kr. Saatzig-Stargard

6.)     Erlernter Beruf: Landwirtschaft und Rechtswissenschaft

7.)     Zuletzt (vor der Flucht) ausgeübter Beruf: Landwirtschaft und Schulbetrieb

8.)     Flüchtlingsausweis Nr. 344                    Aufnahmegemeinde: Lieme in Lippe

9.)     Genehmigung des Gewerbes: Genehmigung der Regierung in Detmold am 15. Februar 1949

10.)   Zahl der Beschäftigten:    19

davon Flüchtlinge:           11

11.)   Es wird ein Kredit von 16.000 DM für folgenden Zweck beantragt: (genaue Angaben über die beabsichtigten Anschaffungen, z.B. Einrichtung und Ausstattung von Geschäftsräumen, Anschaffung von Maschinen, Geräten, Werkzeugen usw. mit Preis)

Über den seitens des Kultusministeriums erteilten Zuschuss in Höhe von 12.000.‑ DM hinausgehende Kosten für Ausstattung und Einrichtung von 5 Lehrer- 12 Schülerzimmern, Büro, Übungs- und Wirtschaftsräume in Höhe von 9.000 DM und 7.000 DM zur Finanzierung des laufenden Betriebes.

12.)   Von dem Kredit (Ziff. 11) entfallen also auf Anlagekredite

 (zur Anschaffung von Einrichtungsgegenständen)                            9.000 DM

Betriebskredite (zur Finanzierung des laufenden Betriebes)                 7.000 DM

13.)   Was besitzen Sie z.Zt. an verfügbaren Werten: (Hierunter fallen nicht Werte, die Sie in Ihrer Heimat zurückgelassen haben)

a)    Grundstücke und Gebäude

b)    Maschinen und Werkzeuge

c)    Inventar usw.                                                                           14.000 DM

d)    Roh- und Hilfsstoffe

e)    Bargeld, Guthaben bei Banken, Sparkassen, Postscheckkonto usw. 1.200 DM

f)    Wieviel entfällt davon auf

       Eigenkapital 15.200 DM                  II. auf geliehene Mittel

g)    Höhe des jetzigen monatlichen Nettoeinkommens                  ca. 3.000 DM

14.)   Für den Kredit werden folgende Sicherheiten angeboten: (genaue Angaben über Art und Wert)

Das vorhandene und aus den Mitteln des Anlagekredites angeschaffte Inventar im Wert von 23.000 DM

15.)   Angaben von Personen, die zur Auskunftserteilung über die Persönlichkeit und die frühere Tätigkeit des Antragstellers in der Lage sind:

Dr. Friedrich Meyer zu Schwabedissen. Bielefeld. Stieghorsterstr. 70

Fräulein Erika Wendland, Lehrerin in Lieme Lippe

16.)   Angaben über das frühere Vermögen und die Verpflichtungen des Antragstellers:

A  Schulinventar in Höhe von 24.000 DM      B  Grundbesitz und Gebäude
    Kapital in Höhe von ca.        8.000 DM           im Wert von ca. 700.000 DM

Ich versichere die Richtigkeit vorstehender Angaben.

Lieme, den 21. V. 1949

Gräfin Bredow




handschr. Abschrift

Das Kultusministerium des Landes Nordrhein-Westfalen

I A 1 / III K 3

Düsseldorf, d. 27. Juni 1949

An die Schule Schlaffhorst-Andersen
Lieme/Lippe

Mit Bezug auf die Besprechung am heutigen Tage bestätige ich Ihnen, daß die zugesagte Beihilfe von 10.000,‑ DM aus Mitteln des Rechnungsjahres 1949 in diesen Tagen überwiesen wird. Ein Bankkonto bitte ich mir anzugeben.

Ich mache darauf aufmerksam, daß bei der starken Inanspruchnahme meines Haushaltes weitere Beihilfen nicht gewährt werden können.

In Vertretung
gez. Koch



Maschschr. Dokument [Anfang September 1949]

Darstellung der Vorgänge, die die Ansprüche von Herrn Dipl. Kaufmann Bertram in Lemgo gegen die Schule Schlaffhorst-Andersen begründen.

Im Lauf des Juli suchte Gräfin Bredow die ihr vom Finanzamt Lemgo empfohlene Helferin in Steuersachen Frau Helga Scheidt auf, um sich von ihr wegen einer für die Schule Schlaffhorst-Andersen geeigneten Buchführung beraten zu lassen. Frau Scheidt teilte nach einer Woche die Anschrift des Vertreters der Taylorix Buchhaltung in Lemgo mit. Im Anschluss daran beauftragte Grfn. B. Frau Scheidt mit Aufstellung und Einreichung der Eröffnungsbilanz beim Finanzamt in Lemgo. Da Frau Sch. inzwischen in die Ostzone reisen musste, beantragte sie beim Finanzamt in Lemgo die Verschiebung des Abgabetermins bis zum 31. August. Nach ihrer Rückkehr, am 10. August, suchte Grfn. B. Frau Scheidt erneut auf und bat sie, nicht nur die Aufstellung der Eröffnungsbilanz, sondern auch die Fertigstellung der Buchführung zu übernehmen.

Frau Scheidt kam am 11. August erstmalig nach Lieme und arbeitete gemeinsam mit Grfn. B. an der Buchführung. Da die Geldmittel der Schule gering waren, stellte Frau Sch. die Fertigstellung der Buchführung auf die Mitarbeit von Grfn. B. ab, die nur in sehr geringem Umfang erfolgte. Frau Sch. war am 15. August erneut in Lieme und wollte am Freitag, den 19. Aug. wiederkommen. Da die Buchführung auf diese Weise zu langsam vorwärts rückte, drängten die Mitarbeiter auf eine andere Lösung. Frl. Bienko, Gärtnerin, erbot sich, am Freitag nach Lemgo zu fahren und Sparkassendirektor Epke um Rat zu fragen. Dieser empfahl unter anderem Herrn Dipl.Kaufmann Ernst Bertram, den Frl. Bienko anschließend aufsuchte und der zusagte, am andern Morgen nach Lieme zu kommen. Die bestellte anschließend, wie ebenfalls mit Grfn. Breow vereinbart, Frau Sch. für Freitag ab.

Herr Bertram kam am 20.8. (Samstag) Vormittag und wurde von Grfn. B. über den Geschäftsstand der Schule informiert. Er verschaffte sich anschließend einen Überblick über den Stand der Buchführung, legte sie mit den entsprechenden Unterlagen zur Abholung durch Boten bereit und sagte schnellste Fertigstellung zu. Auf die Frage nach den entstehenden Kosten nannte er den Preis von 400.‑ DM. Am Montag, den 22.Aug. wurde die Buchführung mit Unterlagen durch den Angestellten des Herrn Bertram, Herrn Pohl abgeholt. Am Dienstag, den 23. sprach Grf. B. in der Wohnung des Herrn Bertram vor, um sich nach dem Stand der Dinge zu erkundigen. Herr Bertram und Herr Pohl hatten sogleich am Montag an der Buchführung gearbeitet, und zwar in einer Weise, die von dem bereits erfolgten Beginn abwich und in der Grfn. B. sich schwer zurechtfand. Außerdem war Herr Bertram am Dienstag früh wegen Blinddarmentzündung ins Krankenhaus eingeliefert. Grfn. B. bat, zunächst an der Buchführung nicht weiterzuarbeiten und fuhr zu Fr. Scheidt- In der Besprechung mit ihr kam es Grfn. B., die sich nervlich in keinem guten Zustand befand, erst zum Bewusstsein, dass mit Frau Sch. bereits ein Vertrag auf Fertigstellung der Buchführung lief, auf dessen Erfüllung Fr. Sch. bestand. Grfn. B. fuhr daraufhin zur Wohnung von Herrn Bertram und ließ sich die gesamte Buchführung aushändigen, um sie zu Hause in Ruhe prüfen zu können und sagte, dass sie sich wegen alles weiteren mit Herrn B. selbst in Verbindung setzen werde. Am folgenden Tag, Dienstag, suchte Grfn. B. Herrn B. im Krankenhaus auf, um ihm den Tatbestand und die älteren Rechte von Fr. Sch. mitzuteilen und zu fragen, unter welchen Bedingungen er bereit sei, vom Vertrage zurückzutreten. Herrn B. nannte dabei eine Abfindungssumme von 200,‑ DM, die Grfn. B. zu hoch erschien im Verhältnis zur geleisteten Arbeit. Eine Entscheidung erfolgte nicht, sondern sollte am folgenden Tag abgegeben werden. An diesem, Mittwoch, den 24. begaben sich Grfn. Bredow und Frl. Irmgard von Harling zu Herrn Direktor Epke u. baten ihn, in persönlicher Besprechung die Sache zu schlichten. Herr Epke sagte dies zu, konnte es aber nicht ausführen, da Herr B. inzwischen am Blinddarm operiert war. Am 29. August traf ein Brief des Herrn B. bei Gräfin Bredow ein, in der dieser die volle Summe von 400,‑ DM verlangte, da er zu Ausführung der Arbeit bereit und im Stande sei und nur durch die Abholung der Buchführung daran gehindert sei. Am Donnerstag, den 1. Sept. fuhr Grfn. B. mit diesem Schreiben erneut zu Herrn Epke und bat ihn nochmals um Schlichtung der Dinge.


Original

Schule Schlaffhorst‑Andersen

Lieme /Lippe

Beschluß der Gläubigerversammlung vom 12. Sept. 49 vormittags 10 Uhr

1.      Es wird festgestellt, daß 75 % der Schuldner auf der Gläubigerversammlung vertreten sind.

2.      Alle anwesenden Gläubiger sind sich nach Darlegung der Verhältnisse darüber im Klaren, daß im Falle eines Konkurses 20 - 25 % Schuldzahlung möglich sein würden.

3.      Die Gläubiger nehmen seitens des Vertreters der Regierung, Herr Regierungsrat Schulz, zur Kenntnis, daß die Regierung bereit ist, die Schule Schlaffhorst-Andersen bei der Abwicklung der Schuldverbindlichkeiten so weit zu unterstützen, daß 60 % der Forderungen in allernächster Zeit, möglichst im Laufe d.., beglichen werden können. Die Regierung ist zu diesem Entgegenkommen nur im Hinblick auf die besondere Bedeutung der Schule bereit, in der Erwartung, daß die Gläubiger sich alle mit dieser Regelung einverstanden erklären.

4.      Zum Schutze der Gläubiger wird ein zweiköpfiger Gläubigerausschuß gebildet, der die Verteilung der eingehenden Mittel überwacht. (Gläubiger Herr Rottmann u. Herr Bobenhausen)

5.      Den Gläubigern wird in Aussicht gestellt, entsprechend den Reinerträgnissen der Schule, laufende Aufbesserungen ihrer Forderungen zu gewähren. (Besserungsschein)

6.      Die Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung, wird seitens der Regierung und des Gläubigerausschusses überwacht.

f.d.R. Gläubiger                                        Schule Schlaffhorst-Andersen
H. Chr. Bobenhausen                                                    Lieme/Lippe
                                                                                     I. von Harling





Original

Schule Schlaffhorst‑Andersen

Lieme /Lippe

Lieme, den 30. Sept. 49

Bericht über die Zusammenkunft des Gläubigerausschusses mit der Vertreterin der Schule Schlaffhorst-Andersen zur Durchführung des Gläubigerbeschlusses vom 12. Sept. 49.

Am 30. Sept. 49 vormittags 830 Uhr trafen sich die Vertreter des Gläubigerausschusses Herr Rottmann, Lemgo, und Herr Bobenhausen, Lemgo, mit der Vertreterin der Schule Schlaffhorst-Andersen Fräulein Irmgard Marbach. Grund der Zusammenkunft war die Durchführung der Gläubigerbestimmung vom 12. Sept. d.J.. Es wurde festgestellt, daß die Summe der 60%igen Auszahlung 14.751,18 DM beträgt. Die Auszahlung wurde vorbereitet und kann nach Genehmigung der Regierung bestätigt werden. Folgenden Herren Gläubigern wird die schuldige Summe in Form eines Schecks ausgefertigt:

Brune                                     435,60 DM

Bunte & Denn                        363,60 DM

Dörentr. Tonwerke                  480,‑ DM

Haberbeck                               184,43 DM

Hinz                                       588,91 DM

Kesting                                   749,41 DM

Metall-Fabrik                          374,40 DM

Müller & Co                            182,16 DM

R.W.-Anzeigen                       169,92 DM

Schulenburg                         1.401,60 DM

Schumacher                              82,08 DM

Wehmeier                               364,99 DM

Die Summe der in Schecks ausgezahlten Gelder beträgt: 6.377,10 DM.

Den anderen Herren wird die Summe in bar ausgezahlt:

Althöfer                                  987,18 DM

Angenete                                177,60 DM

Bobenhausen                        1.477,73 DM

Cramer                                    300,‑ DM

Frische                                    148,99 DM

Kehrer                                    937,69 DM

Kise                                        580,80 DM

Mengersen                              353,40 DM

Raabe                                       62,37 DM

Ramm                                     102,75 DM

Rottmann                             1.636,56 DM

Sander                                    587,67 DM

Steinmeier                                92,16 DM

von Unruh                              558,‑ DM

Weege                                     371, 18 DM

Die Summe der Barzahlungen beträgt: 8374,08 DM.

Gläubigerausschuß                                             Vertretg. der Schule
P. Rottman                                                                 Irmg. Marbach
H. Chr. Bobenhausen

Vertreter der Regierung
Kroderhausch[?]
ap. Reg.-Inspektor




Maschschr. Durchschlag

Kl/Kr.            16.9.1949.

30259.

Herrn
Regierungsrat Schulz

Detmold
Regierung

Sehr geehrter Herr Regierungsrat!

Als persönlichen Bekannten der Schule Schlaffhorst / Andersen hat mich Fräulein Marbach gebeten, ihr bei der Formulierung des mit der Familie Kochsiek neu zu schließenden Vertrages behilflich zu sein. Sie selbst hatten gebeten, zur Vorbereitung der künftig noch mit der Familie Kochsiek zu führenden Verhandlungen darüber unterrichtet zu werden, wie der neue Vertrag in etwa lauten soll.

Ich erlaube mir daher, Ihnen im Nachstehenden kurz die Wünsche der Schule darzustellen und dabei die Punkte zu unterscheiden, über die bereits eine Einigung erzielt ist, und ferner diejenigen Punkte, über die eine Einigung noch erzielt werden muss.

Ueber folgende Punkte besteht bereits Einigkeit:

1. Bei dem künftigen Vertrag kommt jede Mitarbeit der Familie Kochsiek in Fortfall. Die Familie Kochsiek tritt in Zukunft lediglich als Vermieter auf, sodass dadurch im Gegensatz zu bisher erhebliche Beträge gespart werden.

2. Auch die Haushaltsführung ist in Zukunft restlos getrennt, während ja bisher die Familie Kochsiek von der Schule mit verpflegt wurde.

3. Ueber die künftige Raumverteilung besteht Einigkeit. Die Schule erhält das gesamte alte Haus und im neuen Haus die untere Etage, außer einem Küchenraum und einem Viehstall. Die erste Etage des neuen Hauses verbleibt der Familie Kochsiek, während die Schule noch zwei Giebelzimmer des neuen Hauses erhält.

4. Die bisherige Verpachtung des Gartenlandes und des Obstgartens an die Schule kommt in Wegfall. Die Schule behält lediglich ein Stück Spargelland und liefert der Familie Kochsiek dafür die Abfälle zum Zwecke der Viehfütterung, ohne dass für das Spargelland ein besonderer Zins berechnet wird. Die Familie Kochsiek gestattet der Schule ferner, den Garten zu Schwingübungen und zu Spaziergängen zu benutzen.

5. Ueber die Waschküchenbenutzung besteht ebenfalls Einigkeit, ferner darüber, dass der Mietzins künftig durch die Preisbehörde festgesetzt wird, was bereits beantragt ist.

6. Die Schule hat bekanntlich für den Ausbau des alten Hauses 22.000 DM bezahlt; Zum Ausgleich für diese Zahlungen ist Herr Kochsiek bereit, eine Schuld der Schule gegenüber der Regierung in Höhe von 10.000 DM zu übernehmen, zu verzinsen und hypothekarisch auf dem Grundstück des alten Hauses sichern zu lassen. Die Schule hat damit hinsichtlich des alten Hauses einen verlorenen Baukostenvorschuss von 12.000 DM gezahlt, der an sich sehr hoch ist. Die Höhe dieses verlorenen Zuschusses erscheint jedoch in etwa gerechtfertigt, da das alte Haus ja ausschließlich für Zwecke der Schule instandgesetzt worden ist.

Ueber folgende Punkte muss noch verhandelt werden:

1. Die Schule hat für die Fertigstellung des neuen Hauses 11.000 DM Zuschüsse geleistet. Es besteht noch keine Einigkeit darüber, in welcher Höhe Herr Kochsiek diese Zahlungen als Schuld gegenüber der Schule anerkennt. Da der Neubau im Interesse der Familie Kochsiek begonnen wurde, und die Fertigstellung des Neubaues in erster Linie im Interesse der Familie Kochsiek lag, muss versucht werden, hinsichtlich des neuen Hauses einen verlorenen Zuschuss möglichst gering zu halten, zumal die Schule bei dem alten Haus einen ungewöhnlich hohen Zuschuss hat. Sobald feststeht, welche Schuld Herr Kochsiek anerkennt, muss ferner eine Vereinbarung über die Verzinsung dieser Schuld und die Sicherstellung der Forderungen der Schule erzielt werden. Ferner muss darüber Einigkeit erzielt werden, ob die Verzinsung dieser Schuld mit dem laufenden Mietzins verrechnet wird oder ob die Schuld dadurch amortisiert wird, dass jeweils ein Teil des neuen Mietzinses nicht ausgezahlt wird. Auf den vorstehenden Punkt müssen sich die Verhandlungen in erster Linie konzentrieren, wobei im Interesse dieses wichtigsten Punktes hinsichtlich der weiteren noch streitigen Punkte großzügig verfahren werden mag.

2. Die Schule erstrebt, dass der neue Vertrag mit Wirkung vom 1.9.1949 abgeschlossen wird, wenn auch die Festsetzung des Mietzinses durch die Preisbehörde noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Die Familie Kochsiek hat im September so gut wie nichts mehr für die Schule gearbeitet, ist andererseits aber bisher noch mitverpflegt worden. Die getrennte Haushaltsführung wird wahrscheinlich von der nächsten Woche ab möglich sein, sobald Spülbecken und Wasserleitung angelegt worden seien. Diese Neuanlagen sind notwendig, um getrennte Küchenführung zu ermöglichen, und müssen m.E. von der Schule getragen werden, da sie in deren Interesse liegen.

3. Ferner muss noch Einigung darüber erzielt werden, in welcher Höhe der Familie Kochsiek eingemachtes Obst zurückzugeben ist, da die Familie Kochsiek früher der Schule die eigenen Vorräte zur Verfügung gestellt hatte.

Wenn es Ihnen recht ist, würde ich gern bei der noch ausstehenden Verhandlung mit der Familie Kochsiek zugegen sein. Herrn Kochsiek müsste dann rechtzeitig der Zeitpunkt der künftigen Rücksprache mitgeteilt werden, um ihm Gelegenheit zu geben, auch seinen Anwalt beizuziehen, von dem er sich inzwischen hat beraten lassen.

Hochachtungsvoll!

Rechtsanwälte Wacke u. Klasing
durch    gez. Klasing
Rechtsanwalt





Maschschr. Durchschlag

9. August 49.

Betrifft Ihre Anerkennung als Fachschule vom 28.5.49   9 Vt 26 Tpeis.

Aufgrund Ihres oben angeführten Bescheides fertigen wir für den darin bezeichneten Personenkreis ordnungsgemäß Anträge für Schülerfahrkarten aus, die gerade für die Besucher unserer Fortbildungslehrgänge wesentliche Erleichterung bringen, stoßen aber immer wieder auf Fälle, eben erneut in Düsseldorf und Hamburg, in denen die Anerkennung unserer Schule unbekannt ist, und in denen deshalb die Ausgabe von Schülerfahrkarten verweigert wird. Was ist zu tun?

Grfn. Bredow





Abschrift aus: Niedersächsisches Schulverwaltungsblatt, Dezember 1949 [noch an der Quelle überprüfen!]

Erlaß der Niedersächsischen Kultusministers:

Die Schule Schlaffhorst-Andersen für Atem- Sprech- und Gesangskunst in Lieme/Lippe dienst der Forschung und Lehre auf dem Gebiet der Atem- und Stimmfunktionen.

Da der Unterricht ‑ vor allem in den heutigen Klassen ‑ erhebliche Anforderungen an die Stimmorgane stellt, sollte jeder Lehrer seine Sprechweise pflegen und überprüfen, um Erschöpfungserscheinungen oder organische Schädigungen zu vermeiden. Ferner sind die in 50jähriger Arbeit gewonnenen Erkenntnisse der Schule Schlaffhorst-Andersen in besonderem Maße geeignet, die Erziehung der Schulkinder zu einem richtigen Atmen und Sprechen zu fördern.

Die Schule Schlaffhorst-Andersen führt regelmäßig Lehrgänge und Ferienkurse durch. Alles Nähere über Zeit, Dauer und Kosten der Kurse ist durch die Leitung der Schule zu erfahren. Adresse: Schule Schlaffhorst-Andersen, Lieme in Lippe. Die Teilnahme an den Kursen wird den Lehrern aller Schularten empfohlen.

Ich bin bereit, im Rahmen der verfügbaren Mittel Beihilfen zu geben. Anträge sind auf dem Dienstwege an mich einzureichen. Wenn die Kurse in die Schulzeit fallen, muss vermerkt sein, daß die Vertretung geregelt ist.


Maschschr. Durchschlag [ohne Datum; 1949/59]

Vereinbarungen über den Besuch des „Musischen Jahres“ der Schule Schlaffhorst-Andersen

§ 1. Arbeitszeit.

Die Schule Schlaffhorst Anderen, Haupthaus Lieme in Lippe nimmt .......... als Jahresschüler des Musischen Jahres an.

Das Musische Jahr beginnt am .......... endet am  .......... und umfaßt nach Abzug der Ferien 8 Arbeitsmonate. Die ersten 6 Wochen, also die Zeit vom  .......... bis  .......... gelten als Probezeit.

§ 2.

Die Schule Schlaffhorst-Andersen, Lieme nimmt  .......... für diese Zeit in ihr Schulheim auf, gewährt regelmäßigen Unterricht, angemessene Unterkunft (Zimmer mit 2, 3, im Höchstfall 4 Betten; Bettzeug ist mitzubringen) und ausreichende Verpflegung.

Erstrebt wird eine Musische Grundausbildung ausgehend von der Arbeit an Atmung und Stimme, Sprecherziehung, Stimmbildung, Rhythmische Bewegung, Musikerziehung und Klavierspiel.

§ 3.

Der Jahresschüler verpflichtet sich zur regelmäßigen Teilnahme am Unterricht und zur Innehaltung der Haus- und Schulordnung. Außer der Reinhaltung des von ihm bewohnten Zimmers leistet er praktische Mitarbeit in Haus und Garten, jedoch nicht über 2 Stunden täglich hinaus.

Er verpflichtet sich am Beginn eines jeden Arbeitsmonates 150.‑ DM für Honorar, Unterkunft und Verpflegung zu zahlen, sowie die anteiligen Heizungskosten des von ihm bewohnten Zimmers.

§ 4.

Am Ende des Jahres erhält der Schüler eine Bescheinigung über den Besuch des Musischen Jahres, über seine Kenntnisse und Fähigkeiten. Auf Wunsch erfolgt eine Abschlußprüfung in einzelnen Fächern, deren Ergebnis in der Bescheinigung vermerkt wird.

§ 5.

Das Musische Jahr gewährt keine Unterrichtsberechtigung. Auf eine anschließende Ausbildung zur Lehrerin für Atmung und Stimmbildung wird es voll angerechnet.


Druck [ca. 1950]

Schule Schlaffhorst-Andersen
für Atmung und Stimme

Die Arbeit der Schule Schlaffhorst-Andersen wendet sich an den Menschen in seiner Gesamtheit. Atmung und Stimme sind von so zentraler Bedeutung für den Menschen, daß jede Schwächung und Störung sich verhängnisvoll, jede Belebung sich wohltätig für den ganzen Organismus auswirkt. Ausgehend von der Erkenntnis des natürlichen Lebensrhythmus (Spannung - Abspannung - Ruhe) weist die Schule Schlaffhorst-Andersen auf Grund dieser gesetzmäßigen Ordnung der Funktionen neue Wege für die Pädagogik, für die Medizin und für die Kunst. Sie erschließt jedem Menschen Möglichkeiten der geistigen, seelischen und leiblichen Kräftigung und Gesundung.

Die Atem- und Stimmschulung kann ergeben:

I.      eine Kräftigung der inneren Muskulatur, der Organe und Nerven, Beseitigung von Störungen des Stoffwechsels, des Kreislaufs, der Luftwege und der Atmungsorgane,

II.     natürliche und geordnete Bewegungen, die eine Überanstrengung und Störung der organischen Funktionen durch Krampf und Schlaffheit (z.B. bei Arbeit, Spiel und Sport) vermeiden lernen und darum zu dauernder Leistungsfähigkeit führen,

III.    eine schwingende, also modulationsfähige Stimme, die selbst bei kräftiger Tonerzeugung nicht überanstrengt wird, und die seelischen Gehalt, Kraft und Gemütstiefe in Sprache und Gesang zum Ausdruck bringt. Sie schafft die Grundlage für jede künstlerische Weiterbildung (Bei Stimmschäden und Sprechstörungen, z.B. Stottern sind sehr gute Erfolge erzielt worden),

IV.    ein Zusammenfassen und Ordnen aller im Menschen wirkenden Kräfte, das zu einer erwünschten sicheren seelisch-geistigen und körperlichen Haltung wesentlich mithilft.





maschschr. Original mit eigenhändigen Unterschriften

Gemeindeverwaltung
Lieme Krs. Lemgo

Lieme, den 14. März 1950

An die
Schule Schlaffhorst-Adnersen
Liemergrund

Betr.: Wohnraum bei Herrn Wehmeier, Lieme Nr. 117.

Über o.a. Wohnungsangelegenheit wurde in der letzten Sitzung des Wohnungsausschusses nochmals verhandelt. Es wurde in der Sitzung abgelehnt, Ihrer Schule das Zimmer weiterhin zur Verfügung zu stellen, da es einmal dringend für die Unterbringung von Personen gebraucht wird und zum andern, bei der Eröffnung der Schule grundsätzlich festgestellt wurde, daß sie außer den beiden Häusern in Liemergrund, keinen weiteren bewirtschafteten Wohnraum in der Gemeinde Lieme beanspruchen können.

Ich muß Sie deshalb auffordern, das besagte Zimmer bei Herrn Wehmeier bis zum 31. März 1950 zu räumen, damit es am 1. April 50 einer Familie als Wohnraum zugewiesen werden kann.

Es wird bedauert, Ihnen keinen günstigeren Bescheid geben zu können, aber die zur Zeit sehr ungünstige Wohnraumlage zwingt uns zu dieser Maßnahme.

Siekmann
Bürgermeister

Vermerk:

Am 16.3.50 gemeinsame Unterredung mit dem Bürgermeister, bei der Gegenvorstellungen erhoben werden, weil die Weiterbenutzung des Zimmers für die Schule eine dringende Notwendigkeit ist. Es seien nicht genügend Zimmer für Unterricht und Übungszwecke vorhanden, das Klavierzimmer daher unentbehrlich. Außerdem werde „kein weiterer bewirtschafteter Wohnraum beansprucht“, da das Zimmer bei Wehmeier damals bereits der Schule zur Verfügung stand.

Der Bürgermeister stellt zunächst anheim, beim Kreiswohnungsamt (Sachbearbeiter Herr Teichmann) vorstellig zu werden und teilt auf Befragen mit, daß Wohnungssachen beim Regierungspräsidenten in Detmold durch Herrn Lipinski bearbeitet werden. zuletzt erklärt er sich jedoch bereit, den Fall mit dem Wohnungsausschuß nochmals zu beraten, ob die Angelegenheit nicht bis zum Winter hinausgeschoben werden kann, weil im Sommer die Schülerzahl ansteigen wird.

Lieme, 16.3.50

Frhr. Schenk                      Grfn. B.





maschschr. Durchschlag

Schule Schlaffhorst-Andersen                                                                 den 18. März 1950.
Lieme in Lippe

An die Gemeindeverwaltung Lieme Kr. Lemgo

Betr.: Wohnraum bei Herrn Wehmeier, Lieme Nr. 117.- Ihr Schreiben vom 14.III.50.

Auf obiges Schreiben tragen wir hiermit folgende Gegenvorstellungen vor und bitten auf Grund der vorgebrachten Tatsachen Ihre Entscheidung nochmals zu überprüfen:

2.) Das zur Frage stehende Zimmer hat nur eine Größe von 3.50 x 3.50 m und liegt damit hart an der Grenze der Bewirtschaftung; zudem hat es an 2 Seiten je ein Fenster und an den beiden anderen Seiten je eine Tür, ist also für die Unterbringung von Personen nicht sehr geeignet.

2.) Das Zimmer war bereits seit Februar 1949 durch einen Hilfsarbeiter der Schule, Herrn Albrecht Lucanus, und anschließend im März durch eine Assistentin der Schule, Fräulein Christa Angenete, besetzt. Dieser Zustand bestand bereits vor der Anfang April erfolgten Eröffnung der Schule, so daß die Schule nach ihrer Eröffnung keinen weiteren bewirtschafteten Wohnraum beansprucht hat.

3.) Der durch die Räumung des Zimmers erreichte Nutzen steht in keinem Verhältnis zu dem der Schule dadurch zugefügten Schaden. Die Schule benutzt nämlich dieses Zimmer nicht nur als Unterkunftsraum, sondern zugleich als Unterrichts- und Übungszimmer. Aus akustischen Gründen kann dieser Unterricht nicht noch zu dem dort bereits erteilten in eines der beiden Häuser Liemergrund verlegt werden; es kann auch nicht Ersatz durch Mietung eines im Dorf Lieme gelegenes Zimmer beschafft werden, weil die Unterrichtsstunden aneinander anschließen und deshalb in weiter entfernten Räumen nicht erteilt werden können. Das fragliche Zimmer aber ist nur einige Minuten entfernt von den beiden Schulhäusern gelegen, so daß es in den Stundenplan miteinbezogen werden kann. Das Zimmer ist entsprechend seinem Zweck mit einem Klavier ausgestattet, und die Schule hat buchstäblich keine Möglichkeit, dies Instrument in einem der beiden Schulhäuser aufzustellen.

Die Entziehung des Zimmers würde also die Abhaltung ordnungsgemäßen Unterrichts gefährden.

4.) Diese Schädigung währe im gegenwärtigen Zeitpunkt besonders empfindlich, weil die Schülerzahl wegen der stark besuchten Ferienkurse im Frühjahr, Sommer und Herbst beträchtlich ansteigt. Zum Osterkursus, der am 3. April beginnt, liegen bereits 28 Anmeldungen vor, und die Unterbringung einer solchen Zahl von Schülern fällt selbst mit Einbeziehung des fraglichen Zimmers nicht leicht.

5. Die Schule hat sich nach Überwindung anfänglicher Schwierigkeiten gut entwickelt. Sie wurde im ersten Jahr ihres Bestehens bereits von rund 200 Schülern und Kursteilnehmern, darunter eine große Anzahl von Lehrern, mit gutem Erfolg aufgesucht. Gerade jetzt wird im Regierungsbezirk Detmold ihre vermehrte Einbeziehung in die Lehrerfortbildung in Angriff genommen und zugleich seitens der Regierung Detmold alles getan, um die Schule durch Bereinigung der aus Bau und Einrichtung herrührenden Restschulden wirtschaftlich zu festigen.

Die Entziehung des fraglichen Zimmers würde allen diesen Maßnahmen direkt zuwider laufen.

 

Die Schule ist sich des großen, bisher stets gezeigten Wohlwollens und Verständnisses für ihre kulturelle Bedeutung seitens der Gemeindeverwaltung Lieme dankbar bewußt. Sie vertraut auf die Fortsetzung dieses guten Verhältnisses und bittet daher, es in bezug auf das genannte Zimmer bei dem bisherigen Zustand bis auf Weiteres zu belassen.

A.G.                                             Grfn. B.


maschschr. Original mit eigenhändiger Unterschrift

Schweinsberg, den 31. März 1950
Kreis Marburg/L (Oberhof)

Sehr verehrte Frau Gräfin!

Für Ihr Schreiben vom 23. März danke ich Ihnen und übersende Ihnen anbei den Rotkreuzantrag sowie die Karte des Amtsgerichts Celle. Von dem Gesuch verspreche ich mir nichts, da solche Anträge persönlich mit hohen Beziehungen übermittelt werden müssen, um Aussicht auf Erfolg zu haben. Indessen wollte ich nichts unversucht lassen. Vielleicht ergibt sich wenigstens ein Briefwechsel mit den Schweden, aus dem Hilfe in bescheidenerem Umfang der Schule zufließen kann.

Daß das Helferinnenzimmer bei Wehmeier der Schule erhalten blieb, freut mich. So war die aufgewendete Zeit des letzten Arbeitsvormittags doch nicht verloren!

Wie hoch ist der Prozentsatz der Gläubiger, welche jeden Verzicht ablehnen?

Ist Frau Schulzes Ablehnung noch der dem 20. eingegangen? Sonst müßte man eigentlich das Mitgliederschreiben später datieren, wenn es schon nicht vervielfältigt ist.

Von Wilhelm Schenck erhielt ich Nachricht. Die Satzungen der Lehrervereinigung und die Liste stehen vor der Drucklegung. Fräulein Toepfer hat hinhaltend geantwortet, da sie mit ihren Mitarbeitern Rücksprache nehmen will und Fräulein v. Metzsch in der Schweiz lebt. Letztere will nicht in die Lehrerliste aufgenommen werden. Ob Fräulein Toepfer zu ähnlichem Resultat kommt? Ihr gedruckter Briefkopf lautet: „Ilse Toepfer, Unterricht in Atmung, Sprache und Gesang“, auf die Schule Schlaffhorst-Andersen ist nicht Bezug genommen. Immerhin steht Wilhelm Schenck dem Problem „Toepfer“ nicht mehr so ablehnend gegenüber wie bisher. Er will die Entstehung von verschiedenen Gruppen und Lagern innerhalb der Gesamtschule möglichst vermeiden und hat seine bisherigen Ansichten etwas revidiert. Dies darf Frl. v. Harling als Erfolg für sich buchen. Vielleicht trifft Frl. Toepfers endgültige Antwort ein, bevor die Drucklegung der Lehrerliste abgeschlossen ist. Ich werde versuchen, Ihnen einen Fahnenabzug zusenden zu lassen.

An die Tage meines Aufenthalts in Lieme denke ich oft und gern zurück und danke Ihnen sowohl wie den anderen leitenden Damen, daß Sie sich die Mühe nicht verdrießen ließen, mich in das schwierige und mir fremde Arbeitsgebiet einzuführen. Es war mir eine Freude, daß alle Meinungsverschiedenheiten so schnell geklärt und überwunden werden konnten und ich nehme dies als guten Auftakt unserer zukünftigen guten Zusammenarbeit. Herr v. Dobrogoiski fragt, wo Fräulein Kalk sich Ostern aufhalten wird.

Mit verbindlichsten Grüßen an Sie und alle Liemer Lehrkräfte verbleibe ich
Ihr sehr ergebener

W. Schenk zu Schweinsberg




maschschr. Durchschlag

Jahresbericht der Schule Schlaffhorst Andersen
für die Zeit vom 1. April 1949 bis zum 31. März 1950.

1.) Erlaubnisurkunde vom 15. Februar 1949.

2.) Sitz: Lieme/Lippe

3.) Inhaber: Gesellschaft der Freunde der Schule Schlaffhorst-Andersen e.V.

4.) Leiterin: Fräulein Anita Grauding.

5.) An der Schule unterrichteten im Betriebsjahr:

I. hauptberuflich:

 

 

Wöchentliche Stundenzahl

Eintritt

Austritt

1.)

Fräulein Anita Grauding

36

1.IV.49

 

2.)

Fräulein Irmgard v. Harling

‘’

‘’

 

3.)

Fräulein Anna Bruckner

‘’

‘’

 

4.)

Frau Irma von Arnim

‘’

‘’

31.V.

5.)

Frau Lotte Bleul

‘’

20.V.49

6.8.

6.)

Fräulein Dorothea Kalk

‘’

26.VII.49

 

7.)

Renate Gräfin Eckbrecht-Dürkheim

‘’

1.IV.49

15.X.

II. nebenberuflich

1.)

Dr. med. Rudolf Leutiger

1

 

 

2.)

Dr. Wilhelm Menzel

kursweise

Sommersemester

 

3.)

Fräulein Waltraut Seyd

‘’

 

 

6.) Gesamtzahl der Schüler, die im Betriebsjahr die Schule besucht haben:

männlich    27    davon unter 18 Jahren    4    über 18 Jahre     23
weiblich    151                                          3                           148

7.) Außer der Hauptschule in Lieme bestehen folgende Zweigschulen:

Kinderhaus Krüger               Weimar Th
Haus Schulze                       Rotenburg/Fulda
Haus Selbmann/Schlaffhorst Rotenburg/Fulda

8.) Im Betriebsjahr abgehaltene Kurse:


 

 

Zahl

 

Zahl d. Schüler

 

Dauer des Kursus

Bezeichnung

der

Nr. d.

männl.

weibl.

 

Schul-

Beginn

Schluss

 

wöch.

Lehrer

üb.

unt.

üb.

unt.

Sa

geld

 

 

Std.

 

18 Jahre

18 Jahre

 

 

Jahreskurse

20.IV.49

20.III.50

Musisches Jahr

30

sämtl.

 

1

 

5

6

1.050

Halbjahreskurse

20.IV.49

20.VII.49

S/Semester

30

sämtl. ausser Nr. 6.)

 

 

 

5

5

450

20.X.49

20.III.50

W/Semester

30

1.) 2.) 3.) 6.)

 

1

 

5

6

600

14tägige Kurse

4.IV.49

16.IV.49

Osterkurs

30

1. 2. 3. 4. 5. 7.

 

5

 

26

32

72

25.VII.

6.VIII.49

1. Sommerkurs

30

1. 2. 3. 5. 6. 7.

 

2

1

14

18

72

8.VIII.

20.VIII.49

2. ‘’

30

1. 2. 3. 6. 7. II.2

1

4

2

12

18

‘’

22.VIII.

3.IX.49

3. ‘’

30

2. 6. 7.

 

1

1

7

8

‘’

19.IX.

3.X.49

1. Herbstkurs

30

1. 2. 3. 6. 7.

 

3

 

7

10

‘’

3.X.

15.X.49

2. ‘’

30

1. 2. 3. 6. 7.

1

2

 

16

19

‘’

28.XII.49

10.I.50

Weihnachtskurs

30

1. 2. 3. 6. 7.

 

2

 

14

16

‘’

Besucher mit einer Aufenthaltsdauer von 1-6 Wochen

30

sämtliche

 

4

 

36

40

220
pro M.

Am Einzelunterricht in Sprechen und Singen nahmen von den Besuchern der Ferienkurse der überwiegende Teil, von den anderen Kursen sämtliche Schüler, am Klavierunterricht der größte Teil der Schüler teil.


maschschr. Durchschlag mit eigenhändiger Unterschrift

Schule Schlaffhorst-Andersen                                                      Lieme, den 15. April 1950.
für Atem- Sprech- und Gesangskunst
Haupthaus Lieme in Lippe

Bericht über den Osterkurs vom 3. 15.April 1950.

Die 30 Teilnehmer (26 weiblich, 4 männlich) kamen aus:

Nordrhein-Westfalen             11             Schullehrer                        5
Privatmusiklehrer               2
Musikstudierende (Köln)    2
cand. phil.                          1
Schüler                              1

Niedersachsen                       13             Schullehrer                       11
Privatmusiklehrer               1
ohne Beruf                         1

Hamburg                                4             Schüler                              4

Hessen                                   2             Schullehrer                        1
Schüler                              1

Hauptarbeitsgebiete waren: Atemlehre, Sprecherziehung, Stimmbildung.

Gearbeitet wurde in 4 Gruppen zu 7-8 Teilnehmern.

Jede Gruppe erhielt täglich 4 Stunden. Außerdem erhielt eine große Anzahl von Teilnehmern, vor allem diejenigen mit Stimmschwierigkeiten, auf Wunsch zusätzliche Einzelstunden.

8 Teilnehmer hatten bereits im Vorjahr an einem Ferienkurs teilgenommen und waren in Haltung, Atemführung, Sprache und Stimmgebrauch deutlich vorgeschritten. Die 22 Neulinge zeigten anfangs fast ausnahmslos die typischen Fehler: Schlechte Haltung, fehlerhafte Atmung, zum Teil Heiserkeit.

Als sehr fruchtbar erwies sich wieder die Arbeit mit den Schullehrern. Sie kamen fast alle in einem völlig erschöpften Zustand an und zeigten sich dankbar für die Möglichkeit zum Wiederaufbau ihrer Kräfte, für die Anweisungen und Übungen im richtigen Stimmgebrauch und für die Belebung ihrer durch die Arbeit in den übervollen Klassen sehr herabgeminderten Berufsfreudigkeit.

Besonders eingegangen wurde auch die Anwendung des Erlernten im Unterricht. Die Vorgeschrittenen berichteten über gute Erfahrungen damit, einige über erhebliche Verbesserungen der Leistung im Lesen und Sprechen, alle über regere Anteilnahme und größere Ruhe in den Klassen.


Original

Deutsche Bundesbahn
Der Vorstand des Eisenbahn-Verkehrsamts Hameln

An die
Schule Schlaffhorst-Andersen
Lieme (Lippe)

Ihre Nachricht vom 18.4.50                                                           Hameln, Bahnhofsplatz 1
25.04.50

Betr.: Bescheinigung des Schulleiters auf den Anträgen auf Ausgabe von Schülerfahrkarten.

Um alle Zweifel über die Anerkennung Ihrer Schule zu zerstreuen, empfehle ich, bei Ausfertigung von Schülerfahrkarten, das Geschäftszeichen der Eisenbahndirektion Hannover zu vermerken, wonach die Eisenbahnverwaltung Ihre Schule als Fachschule im Sinne des Tarifs anerkannt hat. Als Vermerk bitte ich folgenden Wortlaut zu wählen:

„Die Schule ist laut Verfügung ED Hannover - folgt Geschäftszeichen - eisenbahnseitig anerkannt.“

Wenn die von Ihnen ausgefertigten Anträge vorstehenden Vermerk tragen, wird kein Schüler beim Kauf seiner Fahrkarte Schwierigkeiten haben.

Tiemer[?]

9 Vt 26 Tpeis

veröffentlicht im Amtsblatt der ED Hannover 498/49




maschschr. Original mit eigenhändiger Unterschrift

Gesellschaft der Freunde der Schule                                 Schweinsberg, den 27. April 1950
Schlaffhorst-Andersen                                                     Krs. Marburg/L. (Oberhof)

Sehr verehrte Frau Gräfin!

Ihr zweites Schreiben in der Angelegenheit Mitgliederrundschreiben hat sich mit meinem Brief an Fräulein Grauding so gekreuzt, daß ich hoffte, die Fristenfrage war damit geklärt und das Rundschreiben ist inzwischen hinausgegangen.

Bei der Beantwortung des Kochsiek-Briefes und seines sonderbaren Hausordnungsentwurfes bemerke ich, daß mir die Abschriften der Verträge und sonstigen Urkunden fehlen. Wenn ich sie gehabt hätte, wären manche Wendungen meiner Antwort präziser ausgefallen.

Hat der zugezogene Notar sich mit dem Amtsgericht in Celle inzwischen geeinigt, in welcher Form die Änderungen im Vorstand gemeldet werden müssen? Kann man sein Büro bitten, einen Durchschlag mehr anzufertigen?

Wie weit ist die Verständigung mit den Gläubigern gediehen? Haben die Ministerien schon etwas reagiert auf unsere Anträge? Hoffentlich ist Regierungsdirektor Sünkel inzwischen wieder im Dienst.

Frau v. Dobrogoiski regte an, ob man in Hessen nicht ähnliche Verbindung zum Kultusministerium herstellen könnte, wie in Westfalen und Niedersachsen. Vielleicht könnte die Liemer Schulleitung einen Brief an mich richten, der einen diesbezüglichen Wunsch enthält. Dem Brief müssten die Erlasse der beiden anderen Länder im Wortlaut (mit Aktenzeichen) als Anlage beigefügt sein ‑ ob gedruckt oder Maschinenschrift ist gleichgültig ‑ . Ich bin bereit, auf Grund eines solchen Briefes, und im Einvernehmen mit Anka Schulze an den Regierungsdirektor, Professor Schafft, in Kassel heranzutreten, der mir seit langen Jahren persönlich bekannt ist. Frau v. Dobrogoiski nannte außerdem einen Herrn Spira in Wiesbaden, welcher vortreffliche Beziehungen zum hessischen Kultusministerium unterhalte.

Mit herzlichen Grüßen
Ihre sehr ergebener

W. Schenk zu Schweinsberg

[umseitig: Abschrift]

Sehr verehrter Freiherr Schenk zu Schweinsberg

Das Kultusministerium Niedersachsen hat mit Erlass vom Dez.49 (s. Anlage) und der Regierungspräsident Detmold mit entsprechendem Erlass vom Juni 49 den Lehrern aller Schularten den Besuch unserer Schule empfohlen und Kostenzuschuß in Aussicht gestellt. Wir würden es außerordentlich dankbar begrüßen, wenn die hessische Schulverwaltung entsprechend verfahren würde, und zwar sowohl hinsichtlich des Besuches der Kurse im Haupthaus Lieme wie insbesondere auch des Besuches der Zweigschulen Haus Schulze und Haus Selbman in Rotenburg/Fulda, damit den Lehrern Hessens im steigenden Umfang die Ergebnisse der Forschungen Clara Schlaffhorsts und Hedwig Andersens zu Gute kommen können.

Ein Manuskript, in dem die Bedeutung dieser Forschungen für den Schulunterricht behandelt wird, fügen wir bei und sind mit herzlichen Grüßen


maschschr. Durchschlag

Schule Schlaffhorst-Andersen                                                         Lieme, den 5. Mai 1950.
für Atem- Sprech- und Gesangskunst
Haupthaus Lieme

An
Frau Ellen Tiselius
Vicepräsidentin des Schwedischen Roten Kreuzes

Hochverehrte Frau Tiselius!

Mit Begeisterung und Dankbarkeit lasen wir vor einigen Wochen von den drei Lehrlingsheimen, die das Schwedische Rote Kreuz dem Land Nordrhein-Westfalen schenkt.

Die Hilfe, die Schweden gerade der deutschen Jugend leistet, ist wie ein warmer Strom und weckt Leben und Mut.

Und so wagen wir hiermit die Bitte um ein Schulheim.

Unsere Schule hütet und übermittelt das geistige Erbe der beiden Forscherinnen Clara Schlaffhorst und Hedwig Andersen. Dies Werk ist aus der ja immer vorhandenen, nur in den letzten Jahrzehnten so unterdrückten mütterlichen Kraft des deutschen Volkes geboren und dazu angetan, seine leibliche und seelische Gesundung zu unterstützen. Unsere Aufgabe ist, es der Jugend zugänglich zu machen. Der Weg führt über die Lehrer, die in diese Arbeit einzuführen sind und als Schüler zu uns kommen.

Und es ist vor allem die Nachricht, daß die Lehrlingsheime mit Einzelzimmern eingerichtet sind, die uns die Bitte ins Herz gab.

Unsere Schüler üben sich vornehmlich im Sprechen und Singen auf der Grundlage einer natürlichen und richtigen Atmung. Für diese Übungen sind Einzelzimmer notwendig, sonst stört einer den andern. In unserm früheren, durch den letzten Krieg verlorenen Schulheim Seefeld in Pommern hatten wir Einzelzimmer. jetzt, im armen Deutschland, sind sie, trotz des Wohlwollens und der Unterstützung der Regierung, aus eigenen Kräften nicht zu schaffen.

Wir brauchen ein Unterkunftshaus für 30 Schüler und 6 Lehrkräfte und ein Gemeinschaftshaus mit Küche, Speiseraum und einem Raum für rhythmische Übungen und Vorführungen. Unter Umständen kann das Unterkunftshaus auch kleiner sein und durch Hütten mit je zwei Zimmern ergänzt werden.

Wir tun diese Bitte nicht leichten Herzens. unsere Schule hat früher stets aus eigner Kraft bestehen können; ein Kreis von Freunden und ein Landgut bot ihr starken wirtschaftlichen Rückhalt. Es ist uns schon schwer gefallen, die Regierung um Beistand für unsere im Frühjahr 49 erfolgte Neubegründung zu bitten; das große Verständnis und Entgegenkommen der Regierung Detmold und des Kultusministeriums in Düsseldorf hat uns diesen Schritt dann sehr erleichtert und unsere Niederlassung ermöglicht. Aber abgesehen davon, daß Einzelzimmer fast ganz fehlen, liegen die beiden Häuser unmittelbar an einer Hauptverkehrsstrasse,  und der Lärm der Fahrzeuge stört Unterricht und Ruhe sehr.

Wir wissen auch, daß viele Bitten bei Ihnen vorgebracht werden, mehr als Schweden bei aller großzügigen Hilfsbereitschaft erfüllen kann.

Wir sehen aber, daß Schweden große Sorgfalt darauf verwendet, die Hilfsmittel so wirksam wie irgend möglich einzusetzen und sie deshalb vor allem der Jugend zufließen lässt.

Neben der Fortbildung der Lehrer ist die Hauptaufgabe unserer Schule die Berufsausbildung geeigneter junger Menschen zu Lehrerinnen für Atmung und Stimmbildung, die diese Fächer im freien Beruf und an den Hochschulen und Akademien für Lehrerbildung unterrichten können.

Diejenigen, die unsere Arbeit kennen, sind von ihrer Bedeutung für die Zukunft überzeugt. Gewiss ist sie kein Allheilmittel, sondern nur eines der Mittel zur Erneuerung, Aber nur, wenn die verschiedenen guten Bestrebungen sich suchen und finden, kann der Weg der Menschen sich zum Besseren wenden.

So haben wir es denn, nachdem wir uns einige Zeit bedacht haben, gewagt zu bitten. Einige Berichte über unsere Schule fügen wir bei.

Durch die Hilfe würde ein Kern für Gesundheit und neues, besseres Leben geschaffen.

Die zuständige Regierung in Detmold und das Kultusministerium Nordrhein-Westfalen werden bereit sein, Auskunft über unsere Schule zu geben und unsere Bitte zu unterstützen.

Von Anfang Juli bis Ende August laufen bei uns Ferienkurse. Wir bitten Sie herzlich um Ihren Besuch während dieser Zeit, damit Sie sehen, um was es geht.

In aufrichtiger Verehrung!

gez. Irmgard von Harling                   gez. Anita Grauding

Schulleiterinnen

Anlage  1 = Übersichtsblatt über Berufsausbildung und Ferienkurse der Schule
2.= Erlaß des Niedersächsischen Kultusministers.
3.= Gutachten Dr. Trüper und Frau Prof. Elly Ney.
4.= Gutachten Prof. Vogler.
5.= Bericht stud. theol. u. phil. Horand Gutfeldt
6.= Bericht Studienrätin Wally Ballhorn
7.= Atmen, Sprechen, Singen im Schulunterricht.
8.= Bilder des verlorenen Schulheims, Seefeld/Pommern.





maschschr. Reinschrift mit handschr. Korrekturen und eigenhändigen Unterschriften

Schule Schlaffhorst-Andersen                                                      Lieme/Lippe, den 13.V.50.
für Atem- Sprech- und Gesangskunst
Haupthaus Lieme

Sehr geehrter Herr Professor Heinrich!

Sie erhalten anbei ein Übersichtsblatt über die Arbeitsmöglichkeiten unserer Schule, insbesondere über die Ferienkurse. Wenn diese Kurse auch in erster Linie für die Lehrer der verschiedenen Schularten der Hochschulen bestimmt sind, so halten wir doch gern einige Plätze für Dozenten und Studenten der Hochschulen frei und würden es begrüßen, wenn an der Kant Hochschule in Braunschweig Interesse und Möglichkeit zur Beteiligung bestünde.

Mit verbindlichem Gruß!

Anita Grauding                            Irmgard von Harling

               [Siegelstempel]                   Schulleiterinnen




maschschr. Durchschlag

Schule Schlaffhorst-Andersen                                                               Lieme, den 17.V.50.
für Atem- Sprech- und Gesangskunst
Haupthaus Lieme

Sehr verehrter Herr Professor Haase!

Anliegend ein Bericht über den hiesigen Osterkurs. Der verhältnismäßig hohe Anteil niedersächsischer Lehrer zeigt die gute Wirkung Ihres Dezember-Erlasses.

Während beim Osterkurs nicht alle Anmeldungen berücksichtigt werden konnten, sind die Anmeldungen für die Sommerkurse bisher noch nicht ausreichend. Vielleicht ändert sich das noch, denn es sind noch 6 Wochen bis zum Beginn des ersten Kurses, aber es wäre schade, wenn Plätze unbesetzt blieben.

Wir wären Ihnen deshalb dankbar, wenn Sie überlegten, auf welche Weise in Niedersachsen auf einen Besuch der Kurse hingewirkt werden könnte.

Die weitere Ausbreitung unserer Arbeit hängt von der Gewinnung und Ausbildung geeigneten Nachwuchses ab. Für die Auslese solchen Nachwuchses sind die Ferienkurse das Gegebene. So legen wir großen Wert darauf, faß junge Menschen, die vor der Frage der Berufswahl stehen, also Schülerinnen der letzten Klasse der höheren Schulen vor allem, die Ferienkurse besuchen. Meist sind diese Schülerinnen der letzten Klassen recht überanstrengt, sodaß ihnen die Erholung hier in jedem Fall förderlich ist. Ich könnte mir auch denken, daß unter den vielen, die auf den Päd. Hochschulen nicht angenommen werden, einzelne durchaus für die hiesige Arbeit geeignet wären, weiß aber nicht, ob Einwirkungsmöglichkeiten auf Empfehlung der Kurse in den höheren Schulen bestehen.

In 1. Linie liegt uns wegen der Auswirkung der Arbeit im Unterricht am Besuch von Lehrern, darunter besonders den Schulmusikern. Falls ein erneuter Hinweis im nächsten Schulverwaltungsblatt noch möglich ist ‑ vielleicht unter Angabe der Daten der 4 Sommerkurse - so würde er den Besuch wesentlich fördern.

Drittens ist die Beteiligung von Besuchern der Päd. Hochschulen erwünscht. Es hapert hier aber fast stets am Geld und würde wohl nur mit Zuschuss möglich sein. Ich könnte mir vorstellen, daß 40 DM Zuschuß ausreichen würden. Wenn es sich machen ließe, daß jede Hochschule 1-2 musisch veranlagte Studenten auswählte, die späterhin vielleicht sprecherzieherisch eingesetzt werden könnten, so wäre das ein Schritt vorwärts. Ein Blatt mit den Daten der Sommerkurse füge ich bei.


maschschr. Durchschlag

Schule Schlaffhorst-Andersen für Atem- Sprech- und Gesangskunst
Haupthaus Lieme                                                                     Lieme/Lippe, den 8. Juni 50.

x 1822

In unserer Heimschule ist durch unvorhergesehenen Fortgang eines der beiden Haushaltslehrlinge die Stelle einer Haustochter frei geworden. Die Haushälterin, Fräulein Anneliese Löns, ist Haushaltslehrerin und erteilt eine gründliche Ausbildung in allen im Haushalt vorkommenden Arbeiten, besonders in sorgfältigem, neuzeitlichem Kochen. Der Betrieb ist mittelgroß mit 20 - 40 Personen am Tisch. Es herrscht ein freudiger, harmonischer Geist. Die Arbeit ist nicht übermäßig; beim Abwaschen trocknen die Schüler ab und zur Wäsche und zum wöchentlichen Reinemachen kommt eine Frau zur Hilfe. Die Schule kommt aus dem Osten und hat erst im vorigen Frühjahr ihre Arbeit an neuer Stelle begründen können. Der Anfang war wirtschaftlich nicht leicht, und die Wirtschaftsräume sind keineswegs ideal (Küche klein - Vorratsräume im Keller.) Das Taschengeld beträgt in den ersten 6 Monaten 5.‑ DM, dann 10. DM. Wäsche wird hier gewaschen. Bettwäsche, Kissen, Decken müssen mitgebracht werden.

Voraussetzung für die Einstellung sind: Strebsamkeit, Arbeitsfreudigkeit und zuverlässiger Charakter.

Falls die Stelle Sie lockt, bitten wir um Zusendung eines kurzen handschriftlichen Lebenslaufs. Lichtbild und etwaige Zeugnisabschriften erwünscht.

Mit freundlichem Gruß

A.G.
Schulleiterin




Original

Der Niedersächsische
Kultusminister                                                           (20a) HANNOVER, den 27. Juni 1950
Nr. IV (1) 2715/50                                                                                Am Schiffgraben 7-9

Betr.:     Zuschüsse für Kurse in Sprecherziehung,

Bezug:   Ihr Schreiben vom 7.6.1950.

Die in Ihrem Schreiben erwähnten Teilnehmerinnen an dem Osterkursus haben Beihilfen erhalten mit Ausnahme von Frl. Naemi Hoffmann, Hannover und Frau Rosalind Voelskow, Sillium. Von diesen sind mir Anträge nicht vorgelegt worden. Die Zuschüsse haben sich zwischen 50,‑ und 100,‑ DM bewegt.

Besondere Richtlinien für die Gewährung von Beihilfen sind nicht aufgestellt worden. Die Bewilligung erfolgt nach Prüfung des dienstlichen Interesses und der Bedürftigkeit des Antragstellers.

Auf Grund der geringen mir für 1950 zur Verfügung stehenden Mittel bin ich leider gezwungen, einen strengen Amtsstab bei der Bewilligung anzulegen.

Grundsätzlich muss ich erwarten, dass die Kosten der Teilnahme an den Kursen von den Lehrern selbst getragen werden.

[Siegelstempel]           Im Auftrage:
                                 gez. Dr. Haase

                                   Beglaubigt:
                                       Rahm
                            Kanzlei-Angestellter

An die
Leitung der Schule Schlaffhorst-Andersen
in Lieme/Lippe




maschschr. Original mit eigenhändiger Unterschrift

Gesellschaft der Freunde der                                            Schweinsberg, den 24. Juli 1950
Schule Schlaffhorst-Andersen                                          Krs. Marburg/L. (Oberhof)

An die
Schulleitung Schlaffhorst-Andersen
Lieme/Lippe

In der Zeit vom 9. bis 16. August 1950 werde ich an einem Lehrgang des Arbeitskreises für Hausmusik teilnehmen und in der Jugendherberge Lemgo wohnen. Anschließend würde ich für 8 bis 10 Tage nach Lieme kommen können. Dann wird sich Gelegenheit bieten, alle aufgelaufenen Fragen zu besprechen. Der Berichtigungsantrag an das Amtsgericht Celle soll gemeinsam von Dr. Menzel und mir unterschrieben werden, anläßlich seines Besuches in Marburg am 25.7. Bei gleicher Gelegenheit werden wir die im Protokoll vom 17. Juni uns vorbehaltene Regelung der Schulleitungsgehälter treffen. Ich werde den Beschluß diesem Schreiben als Anlage beifügen.

Da ich in der Angelegenheit Kochsiek nichts mehr hörte, wage ich zu hoffen, daß auch ohne Hausordnung der Streit beigelegt ist.

In den letzten Wochen war ich derart in Anspruch genommen, daß ich die Anstellungsverträge noch nicht ausgearbeitet habe. Ich hoffe, sie im August mitbringen zu können. Wie ist die Fühlung mit den Kassen ausgegangen?

In der Angelegenheit Satzungsabschrift habe ich zu Unrecht einen Vorwurf gegen Gräfin Bredow erhoben, denn der Fehler in der Abschrift wurde nicht erst jetzt gemacht, sondern schon bei der Drucklegung der 2. Satzung, als seinerzeit der Name Rotenburger Schule angelegt wurde. Da die Satzung auch sonst manche Mängel aufweist, schlage ich vor, der Mitgliederversammlung im April eine Neufassung vorzulegen.

Das Schreiben der Hamburger Krankengymnasten hat meine Frau und mich sehr interessiert, umso mehr als unser Besuch bei Dr. Rohrbach in Kassel-Wilhelmshöhe uns gezeigt hatte, daß dieser, der Leiter einer stattlich anerkannten Ausbildungsschule für Massage, der Schule Schlaffhorst-Andersen freundlich gegenübersteht. Er hat Fräulein Schlaffhorst noch persönlich gekannt, wußte jedoch im übrigen noch sehr wenig über unsere Bestrebungen. Es wäre erwünscht, ihn mit Dr. Leutiger zusammen zu bringen. Wo hält Fräulein Genthner sich gegenwärtig auf?

Das Protokoll vom 17. Juni habe ich in der Urschrift unterschrieben und die Abschrift für meine Akten behalten.

An Fräulein Andersen habe ich wegen des Wechsels der Schulleitung noch nicht geschrieben, will dies vielmehr mit einem Schreiben in Sachen Breitkopf & Härtel verbinden.

W. Frhr. Schenk zu Schweinsberg

Dr. Wilh. Menzel
25/7.


maschschr. Original mit eigenhändigen Unterschriften

Gesellschaft der Freunde der Schule Schlaffhorst-Andersen

Beschluß

Das Grundgehalt der Schulleiterinnen, welche das Haupthaus Lieme der Schule Schlaffhorst-Andersen leiten, wird bis auf weiteres auf DM 100,-- festgesetzt.

Schulleiterinnen sind derzeit Fräulein Anita Grauding und Fräulein Irmgard v. Harling. Die genannten Schulleiterinnen sind damit in ihren Bezügen bis auf weiteres den übrigen Mitarbeitern gleichzustellen. Sobald die Finanzlage der Schule es zuläßt, soll ihnen für ihre erhöhte Arbeitsleistung und die damit verbundene Verantwortung ein Zuschlag bewilligt werden.

Marburg, den 25. Juli 1950

Der Vorstand

                      Dr. Wilh. Menzel                                 Frhr. Schenk zu Schweinsberg
                       1. Vorsitzender                                               2. Vorsitzender





Original

Deutsche Bundesbahn
Eisenbahndirektion Kassel

An die
Schule Schlaffhorst-Andersen
für Atem- Sprech- und Gesangskunst
Lieme (Lippe)

8 Vt 12 Tpeis                                                                                         Kassel, den 23.9.50

Betr.: Schülerfahrkarten, hier Ferienkursus in Rotenburg (Fulda).

Ihre Schreiben vom 23.8. und 16.9.1950. Unser Schreiben vom 14.8.190 - 8 Vt 12 Tpeis

Der Ihnen am 14.9-1950 zur Ausfertigung übersandte Fragebogen mit den darauf vermerkten Unterlagen ist zwar noch nicht wieder bei uns eingegangen, eine Beurteilung Ihres Antrages ist uns jedoch bereits auf Grund der inzwischen durch Vermittlung des Eisenbahn-Verkehrsamtes Hameln eingesandten Unterlagen (Jahresplan 1949/50 und Abschrift der Erlaubnisurkunde des Regierungspräsidenten Detmold) möglich.

In Ergänzung unseres Schreibens vom 14.9.1950 teilen wir Ihnen daher mit, daß nach den Tarifbestimmungen die Schülerermäßigungen außer an Studierende und Schüler im engeren Sinne nur noch an Besucher von solchen Fachschulen und Fachlehrgängen gewährt werden dürfen, die schulmäßig betrieben werden, auf denen besondere Fachgebiete gelehrt werden und deren Besuch dem Schüler die erste Ausbildung für einen bestimmten Beruf oder die fachliche Weiterbildung darin vermittelt. Zum schulmäßigen Betrieb gehört u.a. daß Abschlußprüfungen abgehalten werden Leistungszeugnisse erteilt werden und daß der Unterricht klassenmäßig erteilt wird.

Nach Seite 15 Ihres Jahresprogrammes werden die Ferienkurse zur Einführung in die Arbeit der Schule veranstaltet. Zur Ausbildung für einen bestimmten Beruf sind sie daher nicht vorgesehen. Diesem Zweck dient der Vollbesuch Ihrer Schule in Lieme. Weiter entnehmen wir Ihrem Jahresplan, daß die Teilnehmer bei den morgendlichen Übungen Einzelunterricht erhalten und an dreißig Gruppenstunden und allgemeinen Stunden teilnehmen können. Der klassenmäßige Unterricht ist danach freiwillig. Abschlußprüfungen und Leistungszeugnisse sind überhaupt nicht erwähnt. Die Ferienkurse sind in die staatliche Genehmigung (Erlaubnisurkunde vom 15.2.1949) nicht einbezogen.)

Wir bedauern bei dieser Sachlage, für den genannten Zweck auch bei aller Würdigung der vorgetragenen Gründe - keine Schülerfahrkarten gewähren zu können und bitten, die Teilnehmer auf die Fahrpreisermäßigung für Urlaubskarten zu verweisen.

[Unterschrift]


maschschr. Durchschlag

27.9.50

Deutsche Bundesbahn
Eisenbahndirektion Kassel

Betr. Schülerfahrkarten für Ferienkurse in Rotenburg/Fulda.

Ihre Schreiben vom 14. u. 23.September. 8 Vt 12 Tpeis

Wir bitten zunächst um Entschuldigung, daß bei Eingang Ihres Schreibens vom 23.9. der am 14.9.50 zugesandte Fragebogen noch nicht zurückgesandt war. Ursächlich dafür ist folgendes Mißverständnis:

Etwa 14 Tage nach Abgang unseres Schreibens vom 23.8.50 baten wir das Verkehrsamt in Hameln um Bescheid, da die Zusendung der Papiere an die Kursteilnehmer dringlich wurde. Das Verkehrsamt Hameln ließ uns daraufhin durch den örtlich zuständigen Bahnhofsvorstand Hörstmar/Lippe mitteilen, daß der endgültige Bescheid noch ausstände, daß wir aber die Papiere heraussenden könnten; notfalls müßten sie nachträglich abgeändert werden. Wir entschlossen uns daraufhin, die Papiere noch nicht abzusenden, sondern den endgültigen Bescheid abzuwarten. Am 15. September benachrichtigte uns der Bahnhofsvorstand Hörstmar im Auftrage des Verkehrsamtes Hameln, daß die Angelegenheit nunmehr geregelt sei ‑ es bedürfe nur noch der Einsendung der Erlaubnisurkunde des Regierungspräsidenten Detmold sowie eines Lehrplans. Diese Unterlagen sowie die Papiere an die Teilnehmer wurden am 16.September abgesandt. Als nunmehr Ihr Schreiben vom 14. September am 17. September 50 hier einging, nahmen wir an, daß es durch den uns übermittelten Bescheid überholt und die Angelegenheit in Ordnung sei. Zu unserm Schrecken ersehen wir aus Ihrem Schreiben vom 23.9.50, daß dies keineswegs der Fall ist, ja, im Gegenteil Ihre Genehmigung verweigert wird.

Wir würdigen die im Schreiben vom 23.9.50 angeführten Gründe durchaus und verstehen, daß Sie nach dem Bescheid der Eisenbahndirektion Hannover und den Angaben des Jahresplans 1949/50 zu dieser Entscheidung kommen mussten, glauben aber, daß folgende ergänzenden Ausführungen und Unterlagen geeignet sein könnten, eine Überprüfung der Entscheidung zu veranlassen:

1.)   In dem im Frühjahr 1949 an die Eisenbahndirektion Hannover gerichteten Gesuch war die Zusammensetzung unserer Schülerschaft folgendermaßen aufgegliedert:

a.)   Semesterschüler zur beruflichen Ausbildung = 20-30 Personen.

b.)   Teilnehmer an Ferienkursen (überwiegend Pädagogen aller Art, daneben Künstler u. Angehörige gesundheitspflegerischer Berufe) zur beruflichen Fortbildung. = ca. 200 Personen.

c.)   Auswärtige Lehrkräfte der eignen Schule = ca. 30 Personen.

Dem Antrag wurde in Bezug auf a.) und b.) entsprochen, während c.) abschlägig beschieden wurde. Es sind also die Teilnehmer an den Ferienkursen ausdrücklich in die Anerkennung als Fachschule eingeschlossen ‑ allerdings im Zweifel nur ‑ und daher unsere Anfrage vom 23.8.50, sowie diese Kurse im Haupthaus Lieme abgehalten werden, was bisher ‑ ab Frühling 1949 - Sommer 1950 ‑ ausschließlich der Fall war. Insbesondere war eine Einbeziehung von etwa in anderen Eisenbahndirektionsbezirken abgehaltenen Kursen, wie Sie in Ihrem Schreiben vom 14.9. auch angeben, zuständigkeitshalber nicht angängig.

2.)   Wenn nun im Jahresplan S. 15 steht, daß diese pädagogischen Ferienkurse zu Einführung in die Arbeit der Schule Schlaffhorst /Andersen veranstaltet werden, so ist das von unserer Schule aus gesehen zutreffend, denn es kann keine Rede davon sein, daß auf einem 14täg. Lehrgang auf einem so schwierigen Gebiet wie die Atemlehre, Sprecherziehung und Stimmbildung es sind, etwas anderes als eine Einführung vermittelt werden kann. Ebenso richtig ist aber, daß diese Lehrgänge für alle pädagogischen, künstlerischen und gesundheitspflegerischen Berufe eine ausgesprochene Berufsfortbildung darstellen, die z.B. auch steuerrechtlich stets als solche anerkannt wird.

3.)   Wenn im Jahresplan steht, daß die Besucher der Ferienkurse an 30 Gruppenstunden teilnehmen können, so ist auch das zutreffend. Wir üben sogar bei unsern jugendlichen Semesterschülern, geschweige denn bei den Besuchern der Ferienkurse, meist in langjähriger Berufsarbeit stehenden Pädagogen, keinerlei Zwang zum Stundenbesuch aus. Das wäre pädagogisch ganz verfehlt. Die Kursarbeit ist auch derart eingreifend, daß es dem einzelnen Teilnehmer und insbesondere dem Älteren, überlassen bleiben muss, ob er an einzelnen Gruppenstunden, z.B. der recht lebhaften Bewegungsstunde oder dafür Unmusikalische zuweilen schwierigen Chorübung teilnehmen will oder nicht. Diese Freiheit erhöht Eifer und Pflichtgefühl, und es ist kein Zweifel, daß die Besucher der Ferienkurse, die zum Teil Zuschüsse aus öffentlichen Mitteln erhalten, die Teilnahme an den Stunden als Pflicht ansehen und dementsprechend handeln.

4.)   Abschlußzeugnisse sind für Semesterschüler auf S.7 Abs. 1. des Jahresplanes erwähnt. Für Teilnehmer an 14tägigen Ferienkursen kommen sie nicht in Frage. Diese erhalten lediglich eine Teilnahmebescheinigung als Unterlage für den Zuschuß aus öffentlichen Mitteln.

Unsere Sachbearbeiterin, Dr. Maria Gräfin Bredow, fährt heute Abend nach Rotenburg/Fulda und wird, da sonst sein Eintreffen an der zuständigen Stelle durch die Postverteilung vielleicht etwas verzögert werden könnte, diesen Brief persönlich überbringen ‑ und bereit sein, etwaig erforderliche Rückfragen zu beantworten.

 

Schulleiterin

Anlagen:

1.)     Anerkennung als Fachschule seitens der Reichsbahndirektion Hannover im Original.

2.)     Erlaß des Regierungspräsidenten Detmold vom 5. Juli 49 in Abschr.

3.)     Schulverwaltungsbl. 49, Heft 11 = Niedersachsen mit Bekanntgabe des Fortbildungskurses in Schwöbber = S.247

4.)     Erlaß des Kultusministers Niedersachsens vom Dez. 49 in Abschr.

5.)     Ausschnitt aus Heft 6/50 des Schulverwaltungsbl. f. Niedersachsen

Diese Anlagen erbitten wir nach Einsichtnahme zurück.

außerdem

6.)     Ein Übersichtsblatt über die diesjährige Kursarbeit.

7.)     Ein Exemplar einer Teilnahmebescheinigung, wie sie lt. 4.) an die Kursteilnehmer ausgegeben werden.


Original

Der Regierungspräsident                                                   Detmold, den 30. Dezember 1950.

An die
Schule Schlaffhorst-Andersen
für Atem- Sprech- und Gesangskunst
- Haupthaus Lieme -
in Lieme/Lippe

Ich habe davon Kenntnis genommen, dass die bisherige Leiterin der Hauptschule in Lieme, Fräulein Hedwig Andersen, aus gesundheitlichen Gründen ihr Amt niedergelegt hat.

Im Sinne des § 1 Abs. 1 der Bekanntmachung des Bundesrates vom 2.8.1917 (R.G.Bl. S.683) genehmige ich mit Einverständnis des Vorstandes der Gesellschaft der Freunde der Schule Schlaffhorst-Andersen e.V. als Schulträger vom 12. November 1950, daß die Leitung der Schule Fräulein Anita Grauding und Fräulein Irmgard von Harling übertragen wird.

Im Auftrage:
[Unterschrift]

Urschriftlich der Vorsitzenden der Lehrervereinigung vorgelegt, mit der Bitte um gefl. Kenntnisnahme.

Schweinsberg, d. 25.Jan. 1951
W. Frhr. Schenk

Kenntnis genommen:

Anka Schulze
Wilhelm Schenck z.S.



Ende Neubeginn (Hohenlimburg, Lieme, Lehrervereinigung)
 

 


10. Neubeginn (Hohenlimburg, Lieme, Lehrervereinigung)

 

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