Rotenburger Schule
Rotenburger Schule
für Kinder und Jugendliche
in Rotenburg a. Fulda
Die
Rotenburger Schule für Kinder und Jugendliche ist im Jahre 1918 aus dem Bemühen
erwachsen, die gesamte Rotenburger Arbeit, die von Clara Schlaffhorst und
Hedwig Andersen begonnen worden ist und auch heute noch in Hustedt bei Celle
fortgeführt wird und von einer Atem-, Sprech- und Gesangskunst ausgeht, der
Lebensbildung und dem Schulunterricht dienstbar zu machen.
Je kleiner das
Kind ist, desto ungestörter geht das sinnvolle Leben in seiner Einheit des
Leiblichen, Seelischen und Geistigen in ihm vor sich. Sobald das
menschlich-geistige Leben im Kinde stärker hervortritt, werden auch die
Hemmungen größer, die das sinnvolle Leben der Natur im Kinde stören. Gefährdung
des physischen Lebens, moralische Schwächen und mangelnde
Konzentrationsfähigkeit zeigen dies an. Um diese Störungen des einheitlichen
Wachstums im Kinde nach Möglichkeit zu vermeiden, ist eine Schule nötig, die
das leiblich-seelische Leben im Kinde ebenso berücksichtigt wie das geistige.
Für die
Jugendlichen muß es die Aufgabe der Rotenburger Schule sein, die vorhandenen
Hemmungen nach Möglichkeit zu beseitigen, sodaß das Bewußtsein einer in sich
einheitlichen Kraft lebendig und so der Lebenswille gestärkt wird, der auch
diese aus sich heraus die Richtung für den richtigen Lebensberuf gewinnt. Aus
dem zuletzt gesagten geht hervor, daß die Rotenburger Arbeit für Viele nicht
das Ziel, sondern nur der Weg sein wird, um sich Klarheit über eine
Zielstrebigkeit zu erlangen.
Es steht den
jungen Menschen auch der Weg offen, sich in der Rotenburger Arbeit auszubilden
und sie lehrend weiterzugeben. Hier die bestimmende Richtung für jeden zu
finden, muß der Persönlichkeit des Lehrers überlassen bleiben und ergibt sich
erst im Verlauf der Ausbildung.
Die
Rotenburger Schule für Kinder und Jugendliche erfährt am 1. Mai d. Js. insofern
eine Umgestaltung, als die Leiterin Frau Marie Selbmann-Schlaffhorst ihren
Wirkungskreis ins Johannesstift nach Spandau verlegt, Fräulein Krüger, die
langjährige Mitarbeiterin, führt die Schule in Rotenburg weiter.
Die Tätigkeit
im Johannesstift wird sich in dreifacher Richtung auswirken:
1. in der Arbeit mit den Erziehern und Kindern der
Heime des Stiftes,
2. an der Berliner Kirchenmusikschule (Ev. Schule
für Volksmusik),
3. in der Arbeit an Einzelpersonen, die für
beliebige Zeit Aufnahme finden.
Die Verbindung
mit der Arbeit der Kirchenmusikschule ermöglicht einen weiteren Ausbau des
musikalisch-theoretischen Unterrichts.
Einzelschüler
haben die Möglichkeit, die verschiedenen Fächer der Kirchenmusik zu belegen.
Es kann nicht
Aufgabe dieser kleinen Druckschrift sein, Sie ausführlich mit den inneren
Richtlinien unserer Arbeit bekanntzumachen. Wir dürfen wohl annehmen, daß alle,
die sich mit der Bitte um Aufnahmebedingungen an uns wenden, mit den
Grundsätzen unserer Arbeit bekannt sind. Trotzdem bleibt immer die Möglichkeit,
daß wir besondere Fragen, die Arbeit betreffend, eingehender beantworten.
Organisatorisches.
Aufnahme
finden Kinder in Rotenburg a. F. vom 6. Lebensjahre an. Es werden auch gerne
Kinder vor dem 6. Lebensjahre aufgenommen, wenn die dafür notwendige Hilfe zur
Verfügung steht. Nicht aufgenommen werden kranke und geistig anormale Kinder.
Aufnahme ist während des ganzen Jahres und für beliebige Dauer möglich. Falls
es sich um einen Erholungsaufenthalt handelt, sind 4-5 Wochen genügend.
Ist es den
Eltern jedoch darum zu tun, den Kindern durch die Rotenburger Arbeit eine
Grundlage zu geben, die für ihr weiteres Leben bestimmend wirkt, so darf der
Aufenthalt nicht unter einem halben Jahr bemessen werden.
In unsere
Arbeit ist der Schulunterricht, der im wesentlichen von Atem-, Sprech- und
Gesangunterricht befruchtet wird. eingegliedert. Er wird in stofflicher
Hinsicht nach den Zielen derjenigen Schulen geleitet, welchen die Kinder
zugehören. Es bleibt vorbehalten, Art und Maß des Unterrichts bei jedem Kinde
zu bestimmen, sowie es aus Entwicklungsrücksichten heraus als notwendig
erscheint.
Gelegenheit
für Unterricht in den alten und neueren Sprachen ist vorhanden.
Die Ernährung
ist aus jahrelanger Erfahrung heraus nach bestimmten Grundsätzen aufgebaut, und
der Rhythmus der Mahlzeiten darf durch Zwischenmahlzeiten nicht gestört werden.
Es wird gebeten, den Kindern keine Pakete mit Süßigkeiten zu schicken.
Die Kinder
schlafen teils einzeln, teils zu mehreren, ihrem Alter und ihrer Eigenart
entsprechend und in Zimmern, welche denen der Erzieher benachbart sind.
Tagesräume sind in genügender Zahl und Größe vorhanden.
Morgen 8.00 Uhr finden Einzelübungen draußen im Garten statt.
9.00 ‘’ Frühstück.
9.30 ‘’ Beginn des Unterrichts (Einzelstunden in
Gesang, Klavier, Sprechen und Rhythmus. Schulunterricht nach Alter und Klasse).
Mittag 13.00 ‘’ Essen.
14.00-15.00 ‘’ Ruhe.
1500-17.00 ‘’ Allgemeiner Spaziergang, Erledigung der
Schularbeiten und Spielzeit.
18.30 ‘’ Abendbrot.
20.00 ‘’ Allgemeine Ruhe für die Kinder.
Der Preis
beträgt für die Pension wöchentlich 30 Mark. Für den Unterricht wöchentlich 15
Mk., mit Schulstunden 3.75 Mark mehr. Nebenausgaben betragen wöchentlich 2 Mk.
in besonderen Fällen sind wir gern bereit, Ausnahmen zu machen.
Mitzubringen
sind Hand- und Mundtücher, Bettwäsche, leichte Sandalen, feste Wanderschuhe,
ein Wäschesack. Alles muß gezeichnet sein, und ein Verzeichnis über alle Sachen
ist dringend erwünscht. Die Wäsche wird wöchentlich von einer Waschfrau
abgeholt und wiedergebracht und muß besonders bezahlt werden. Auf besonderen
Wunsch kann auch die Wäsche nach Hause geschickt werden.
Im Johannesstift in Spandau
haben die auswärtigen Schüler Gelegenheit, im Stift selbst oder in
unmittelbarer Nähe desselben zu wohnen. Die Beköstigung kann ‑ wie in Rotenburg
‑im eigenen Hause erfolgen.
Wir weisen zugleich darauf
hin, daß der alljährliche Sommer-Ferienkurs für Lehrer und Lehrerinnen von
jetzt ab im Johannesstift stattfindet. Den Termin können wir heute noch nicht
bestimmen, wir bitten aber um Voranmeldung und Angabe der passendsten Zeit.
Marie Selbmann-Schlaffhorst
ab 1. Mai Ev. Johannesstift,
Spandau
Ilse Krüger, Rotenburg a. F.
Ende Rotenburger Schule
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