Historisches

Unterricht

 


 

Aufzeichnungen Lili Usener

Aufzeichnungen von Lili Usener. Hustedt 1931 und 1935

Original 1999 im Besitz von Waltraut Seyd, Bergen-Sülze (Kopie in Bad Nenndorf)

(Vollständige Abschrift)

 

 

 

v.l.n.r.: Margarete Lentze, Dorothea Hölscher, Lili Usener, Waltraut Seyd. Hustedt 1931


 


[1]

Warum Singen wir?

Weil die Stimme dem Menschen sein Leben geben soll. Die Stimme ist eine natürliche Hemmung für die Ausatmung, was bewirkt, daß die Lunge nicht erschlafft bei der Ausatmung, und die Einatmung eine unwillkürlich vertiefte wird.

Wir müssen dafür sorgen, daß [2] wir (das) Leben zunächst in die Stimme bringen. Leben heißt den Rhythmus von Spannung, Abspannung, Lockerheit haben. Dies Leben in der Stimme können wir auf verschiedenen Wegen erreichen, die Hauptsache (Voraussetzung) ist natürlich, daß die Stimmbänder durchblutet sind:

1.)       durch die Septime,

2.)       durch crescendo und decrescendo auf einem Ton,

3.)       durch das nach vorn und [3] hinten schwingen der Stimme auf einem Ton.

Das Leben in der Stimme aber nur durch das Ge

Der Alt hat hinten die Spannung, ‑ eine lange Stimmritze, ‑ der Sopran vorn.

- - -

Jeder Ton, jede Septime hat seine bestimmte Luftfunktion. Die erste Septime braucht weniger Luft als die dritte. Die einzelnen Töne der Septime müssen auch so sein. Wir haben auf der Septime 5 Luftregister:

[4]

g     =  Ausschlagregister

a     =  Durchschlagregister

h     ü

c     ý =      Gegenschlagregister

d     þ

e     =  Oberzonenregister mit offener Glottis

f     =  Oberzonenregister mit geschlossener Glottis

g und a haben vorwiegend einseitige Luftabgabe, das [5] Nachströmen ist nicht so stark.

g hat die erste Koflersche Übung als Grundlage (unmittelbar und unwillkürlich).

a = die zweite (abgesetzt).

Bei h c d wird der Kampf zwischen Außen- und Innenluft größer, ‑ wo sie sich treffen, entsteht der Ton.

Bei den Tönen e u(nd) f muß das ganze Oberzonenregister[1] [6] mitschwingen.

f hat mehr innere Arbeit als e, weil die Glottis geschlossen ist.

Die Luftfunktionen für die einzelnen Töne sind:

auf  g  =     hauchen

       a   =     blasen

       h  =     stoßen   ü

       c   =     treiben   ý     [NT 1935: Glottis = schon eine Stimmtätigkeit? es muß schon eine Spannung vorausgegangen sein.]

       d  =     drängen þ

       e   =     fließen [NT 1935: strömen]

       f   =     saugen

[7]

Die lange Stimmritze gibt uns:

1.    Tiefgriff im Zwerchfell

2.)   Tiefgriff im Großhirn

3.)   Anschluß an den Primärzug

4.)   Stoffwechsel

5.)   physisches Wachstum

Den Stoffwechsel bringt allein die Stellknorpeltätigkeit zustande. Der Austausch der Gasfunktionen durch die Stell[8]knorpel ist das wichtigste, das der Arbeit zugrunde liegt. (Die Stellknorpel öffnen die) Die Stellknorpeltätigkeit ist für die Öffnung der Stimmbänder.

Warum öffnen sich die Stimmbänder?

Der Atemvorgang:

Das Blut empfindet den Sauerstoffmangel und innerviert [9] den Phrenicus (Zwerchfellnerv). Dadurch senkt sich das Zwerchfell, die Stimmbänder öffnen sich (keine Macht der Welt bringtdie Stimmbänder zum öffnen als das Zwerchfell), die Lunge füllt sich mit Luft und dehnt sich aus. Der Sauerstoffhunger des Blutes wird gestillt. Die Elastizität der Lunge (das heißt die selbsttätige Zusammenziehung) bewirkt ihre Entleerung.

Während des Singens darf die Einatmungstätigkeit nie [10] aufhören, es muß immer ein Nachströmen sein, somit ein immer Mitsprechen der Organe.

Die Atmung kann nur durch die Stimme belebt werden.

Die drei Septimen

Bruststimme
Alt

Mittellage
Mezzo

Kopfstimme
Sopran

 

[11]

Wir reden nicht von Kopf- und Bruststimme, denn wir trennen die beiden Begriffe garnicht. Es ist ja auch nur eine Frage der Resonanz. Die Bruststimme hat die Resonanz vorwiegend im Brustkorb, die Kopfstimme (Beteiligung der falschen Stimmbänder) mehr im Kopf.

Die Tongebung hängt vom Volumen der Luft ab, dann kommen Impulse.

Wenn man müde ist, kann [12] man nur schlecht singen, weil die Luftaufnahme geringer ist.

g (Spannung Alt) ist der Anfang allen Lebens

f (Spannung Sopran) ist das Ende.

Für den Tonumfang braucht man beide Extreme.

(Arbeitet)

[13]

Rhythmus

Mit dem Schrei beginnt das Leben (1), 2 ist die Ruhe und 3 ist (noch in) die Spannung, die Einatmung

[2]Einatmung    Spannung      3

Ausatmung    Abspannung   1

Ruhe              Lockerheit      2

Der Rhythmus wird geschaffen aus der Bewegung der Natur (Schöpfungsge[14]schichte): aufwachsen, blühen und vergehen.

Rhythmus muß in jedem Tun und Handeln sein, ‑

Nur Spannung führt zum Krampf, nur Abspannung zur Erschlaffung.

[15]

Kleinhirn, Großhirn und Leibhirn (Sympaticus) stehen sich im Rhythmus gegenüber.

[16/17]

                      Einatmung     Ausatmung    Ruhe

Spannung      Kleinhirn       Leibhirn         Großhirn

Abspannung   Leibhirn         Großhirn        Kleinhirn

Lockerheit      Großhirn        Kleinhirn       Leibhirn

[18-19: unbeschrieben; 20]

Das Kind hat keine natürliche Tonerzeugung, die braucht den Anschluß an den großen Blutkreislauf.

[21]

 

[Zeichnungen: Sprache ‑ Ton]

[22]

[23]

 

 

[Zeichnung: Psyche ‑ Physis]

[Zeichnung: Mensch]

[24]

zu Seite 23,

Mensch und Persönlichkeit

Viele Menschen kommen nur von ihrem eigenen ich, - von ihrem Ichbewußtsein, und müssen den Weg über die Stimme zum Blut finden, dadurch kommen sie zum Selbstbewußtsein.

Andere haben die Naturkraft und kommen über die Stimme [25] zum göttlichen Geist.[3]

Wenn sich nun das ich mit der Natur und das Blut mit dem göttlichen Geist verbindet, kommen wir zum Kern des Menschen, ‑ zur Seele.

Ehe wir nicht die Übereinstimmung von Körper, Geist und Seele haben, kommen wir nicht zur Natur.

[26]

Zu Seite 22

Wollen, Fühlen und Denken

Das Wollen, Fühlen und Denken der Natur sind Kräfte der Seele. Dafür muß aber der Rhythmus unbedingt gegeben sein.

Wir müssen Naturseele und Menschenseele (unbedingt) scheiden. Der Schmerz des Menschen ist für die Natur Lust (Weinen).

[27]

Die Freude des Menschen ist eine Unlust für die Natur.

U

Wollen = Spannung = Einatmung

I

Denken = Abspannung = Ausatmung

A

Fühlen = Lockerheit = Ruhe.

[28]

Für den Ton brauchen wir:

Fülle = durch das Gehirn

Wärme = durch das Sonnengeflecht

Kraft = durch die Lunge.

==========

Naturel ist die Beschaffenheit des Blutes, ‑ hat nichts mit Natur zu tun. (S. 31)

==========

[29]

Die Stimme, die das Blut bejaht, führt zu der Atmung die wohl tut.

Die falschen Stimmbänder sind zur Regelung der Luftfunktion (Einstellung vom Windrohr) auch zum flüstern.

--------------------

Das Ohr spannt die Stimmbänder

Das Seufzen der
Kreatur ist das
Geheimnis der Natur
um derentwillen
man sie lieben
muß


[30]

[31]

(Siehe S.28)

Mit dem Tat- und Bewegungsnaturell leben, wäre Idealzustand für alle Menschen, denn das Ruhe- und Ernährungsnaturell liegt mit darin.

==========

Eine unmittelbare Äußerung kann nur durch richtige Funktionen eintreten.

--------------------

Außer Stickstoff, Kohlensäure und Sauerstoff ist Schwingung in der Luft.

--------------------

[32]

7 Naturformen

Kugel        = das Blut (kreisende)

Kegel         = Lunge (Form)

Kristall      = Gehirn

Stab           = Knochenbau

Band          = Stimmband

Fläche        = Zwerchfell

Schraube    = eine Luftfunktion, die Luft entweicht schraubenförmig aus der Lunge.

[33]

Was sind Schwingungen?

Grenzen. Nichts kann unbegrenzt schwingen

--------------------

3 Luftgattungen:

Respirationsluft  = natürliche Ausatmung

Reserveluft         = kann man herauspressen

Residualluft        = Restluft, dauernder Bestand der Lunge

[34]

g   = Stein

a   = Pflanze

h  = Amphibie    ü

c   = Säugetier     ý Tier

d   = Vogel          þ

e   = Mensch

f   = Künstler

[35]

2 Tetraccorde

 

linkes Gehirn              rechtes Gehirn
fassen                         wiederholen

--------------------

Zum Singen brauchen wir Luft, ‑ Stimme, ‑ Laut.

Was ist der Laut?

Den Laut haben wir nur, wenn das Zwerchfell ge[36]spannt ist und wir durch die Luft bedrängt sind. Die Luftfunktion als solche ist noch kein Laut.

Der Laut ist hörbar gewordene Kraft.

[37]

Wir haben Klinger, Strömungskonsonanten, Diphthonge, Naturlaute.

Die Naturlaute sind a, u und i, weil sie im Lachen, Husten und Niesen zum Ausdruck kommen.

a   hat  die  Lockerheit    im Zwerchfell

u             Spannung              

i              Abspannung          

[38]

Zu den Klingern gehören: m, n, r, w, j, l

m    =  Resonanz im Brustkorb

n     =                in der Nase

r     =                im Kopf

w    =                in Kehlkopf + Brust

j      =                in der Speiseröhre

Strömungskonsonannten: s, f, v

Diphthonge (Doppellaute): Ei, au, eu

[39]

Explosivkonsonanten: p, b, d, t, g, k

Den Explosivkonsonanten muß immer ein Hauch folgen.

Beispiele Hey’scher Verse:

1. I.

Wie sie friedlich, sinnig blickt,
sie die still die Himmel minnt
mißverdienstlich ihr Beginnen,
sie wird nie die Stillgesinnte!

2.) W.

Wie wär’s wohl, wenn wir weilten, wo wogende Wellen weich winken, wo wonniges Wehen im Walde, wenn Westwinde wiegen und weben. Wohl werden wir weilen, wo Wald wehen, wo wallende Wellen sich wiegen, weil Waldwonnen Wunder wohl wirken, wenn Weh weiße Wangen wollt welken.

[40]

3. S

Sieh, es senkt sich sacht die Sonne,
sanft säuselt`s längs dem Flusse,
leis singt selbst emsge Drossel,
rings Sehnsucht süß entfesselnd.

4.) Eu - au - ei

Ein leuchtender Tau
weilt heut auf der Au
der Eichbaum beut Rast
sein Laut beugt den Ast
Ein säuselnder Hauch
streuft leise euch auch.

5. k

Kummerkrank kauernd, kaum karge Kost, krumm geknebelt, kalte Kette des Kerkers, keine Kunde vom kranken Kinde, ‑ kommt kecker Kerl und kündet kühnem Krieger künft’gen Kampf.

[41]

Eine der menschlichen Gehirnhälften faßt, die andere wiederholt. Das wiederholen ist eine Kraft, und zwar die Gedächtniskraft.

Zum Oktavensingen brauchen wir Schwungkraft, müssen dabei aber den Laut behalten..

Der Gleichgewichtston ist c. Er liegt in der Mitte, also müssen wir nach hinten, zur Seite und nach vorne und wieder zur Mitte den Ton schwingen lassen. Um aber nicht immer beim gleichen zu bleiben, nehmen [42] wir es so, daß wir, wenn wir ganz hinten sind in die Oktave mit Schwungkraft + Laut gehen.

Wir brauchen beim Singen eine ungeheure Drüsentätigkeit, die angeregt werden muß, denn erst dann ist eine Kraft in dem Ton vorhanden.

Es muß auch beobachtet werden, daß wir Außen- und Innenluft zum Singen brauchen.

Nur die individuelle Atmung kann uns weiterbringen.

[43]

Allgemeine Std. am 15. II.

Das äußere Fassen (sichtbare, hörbare, riechbare Dinge) geschieht durch die Sinne. Das innere Leben können wir in den Schwingungen der Stimme wahrnehmen, die sowohl dem Menschen als auch der Natur angehört.

Schwingungen werden aber nur durch ein schwingungsfähiges Gehirn gefaßt (Künstler). Die Musik ist die höchste Kunst. Schwingungen verhelfen uns zum Rhythmus, zur Bewegung, daraus zur Form, zum Inhalt = geistige Ausdruckskraft.

 

1935

[44]

Durch geschlossene Stimmbänder kommen wir los von der Hochatmung und zum wahren Impuls [Am Rand: Umweg !]

Wodurch bekomme ich Klangschönheit + Volumen in die Stimme?

Klangschönheit erfordert Spannung + Durchblutung. Ein schlecht durchbluteter Organismus schafft es durch Innervation. Volumen kommt durch die richtige Einstellung vom Wind- und Ansatzrohr, dadurch Schwingung, was nichts anderes ist, als Anschluß an die Luft.

5 Lebensarten Primitiv (Schleimhaut)
Primär (Anschluß a. d. Organe)
normal
natürlich
ideal

[45]

                                           Äußerung

Wurzelgefühle:   Haß       a   lachen   L
Liebe     i   niesen   A
Hunger  u  husten   S

--------------------

Engländer + Deutsche verschieden in der Atmung: d(eut)sch = unter der Zunge einatmen, Ausatmung drüber.

--------------------

Tonhöhe kennt nur der Mensch. Das Tier hat keine.

--------------------

4 Luftfunktionen (Winde)

Oben:  Luft aus dem Kopf

vorne: Einatmung (Nase, Mund)

unten: aus der Lunge

hinten:           aus der Speiseröhre

[46]

Austausch in der Lunge

Ausgleich in der Stimme

Ausdruck in der Artikulation

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Obertöne

1.      Grundton

2.)     Oktave

3.)     Quint/Quart

4.)     Oktave

5.)     Terz/Sext

6.)     Verdoppelte Quint/Quart

7.)     Septime/Sekunde

8.)     Oktave

9.)     None

[47]

Eigentöne

a     =    b

ä     =    d + g

e     =    f + b

i      =    f + d

ü     =    f + g

o     =    b

u     =    f

ö     =    f + cis

[48]

Einatmung = inspiratorische Dehnung

Ausatmung = expiratorische Dehnung

So viel einatmen, wie Selbstbewußtsein

Beim Schwingen

Hinten: Einatmung bei geöffneten Stimmbändern, dann Schluß

nach vorne schwingen, und die Lunge erst ausatmen lassen durch den Widerstand des andern, ‑ in der Lockerheit zurück.

Auch im tgl. Leben soll die Lunge ausatmen, nicht der Mensch, und zwar muß die Lebendigkeit erhalten bleiben, wenn die Ausatmung auch durch die Nase geht.

[49]

Beim Singen mit „Ideen“ arbeiten:

hinten                   vorn

Vergangenheit       Zukunft

hell                       dunkel

g’                          f

Keine Tonhöhen, ‑ alles aus Obertönen heraus.

Raum schaffen ! Keimplasma, Drüsen, ‑ seufzen lassen..

nachdem Ton Hauch: beim Vokal unter der Zunge, beim Konsonanten über der Zunge, bei Klingern durch die Nase.

[50]

Wer macht den Hauch? Nicht die Lunge, sondern die Stimme, die die Kohlensäure durchläßt.

Sitz der Töne im Kehlkopf

g     = Ringknorpel           ý Zäpfchen

a     =Schildknorpel          þ

h b  = Muskelfleisch         ü

c     = Stellknorpel           ý Stimme

d     = Santorinische K     þ

e     = Wriesbergsche K    ü

f     = Kehldeckel             ý Zwerchfell

[51]

Artikulation kommt vom Temperament.

Nur im Wandel sitzt das Werden. An der Faulheit der Seele liegt der Mangel des Lebens.

Der Vokal ist nicht an die Stimme gebunden, sondern an den musculus vocalis).

Der Vokal muß wach in Körper, Geist + Seele sein.

Die Höhe des Tones hängt jeweilig von der Innervation ab.

 

[Zeichnung: Körper ‑ Geist ‑ Seele]

[52]

Die Behandlung der Stimme ergibt sich aus dem Grade der Musikalität.

Die Bedeutung der Zahl in unserer Arbeit.

1       Punkt, Stimme, ‑ der Mensch hat nur 1Stimme

2       Schwingen ‑ 2 Grenzen

3       Rhythmus  Spannung = Kraft ‑ Leben
Abspannung = Stärke ‑ Tod
Lockerheit = Macht ‑ Auferstehung
3Tonansätze: gefaßt, gehaucht, weich

5       Impulse:    Schwingen
Kreisen
Rhythmus
Atmen
Tönen

[53]

7       Septime

9       Sprachen:
1 Lautsprache (Anschluß a. d. Laut = hörbar gewordene Kraft)
2 Wortsprache (Sprache des tgl. Lebens, keine Vokal etc.p.)
3 Atemsprache (Lebensatem)
4 tönende Sprache (durch Klinger und Vokale)
5 Tonsprache
6 Luftsprache
7 Gesangsprache
8 Sprachgesang
9 Musiksprache
    (10 Bronchien
    11 Artikulatorische Sprache
    12 Stimme)

[54]

3 Bewegungen in der Atemfläche

a.) Lebensatem

b.) Tiefgriff

c.) Flächenatem

 

 

m, n, l   = Vollklinger

r, j, w    = Halbklinger

 

Stockhausen

die Zahl   der Schwingungen bestimmt die Tonhöhe

die Weite                                                 Tonstärke

die Form                                                  Klangfarbe

[55]

Anatomie     Nov. 1935

Der Sympaticus ist das älteste Nervensystem, hat ursprünglich keine Verbindung mit dem Kopf, läuft längs des Rückgrats, und entspringt ganz selbständig ungefähr am obersten Wirbel, und sendet Fasern ins Gehirn, ‑ und geht durch das Zwerchfell hindurch (Sonnengeflecht).

--------------------

Cerebro spinale ist das Hirn und Rückenmarkssystem.

Der Rhythmus des Herzens wird durch den Sympaticus geregelt.

Der Lungen-Magennerv = nervus vagus = herumschweifender ist der Antagonist des Sympaticus, er sendet 2 Stränge, einen zur Lunge und einen ins Herz, für ersteres ein motorischer Nerv, fürs 2. ein Hemmungsnerv, der bewirkt, daß die Lunge sich zusammenzieht, und das Herz aus der Spannung i. d. Absp(annung) übergeht.

[56]

Das Großhirn hat die umgekehrte Nervensubstanz wie das Kleinhirn, ‑ das Großhirn ist innen weiß und außen grau, das Kleinhirn ist innen grau und außen weiß.

Alle Sinneseindrücke seelischer Funktion gehen durch den Talamus, er regelt die seelische Anteilnahme.

Das Kleinhirn hat die Aufgabe, die Funktionen des Großhirns und des Nervensystems im Gleichgewicht zu halten.

Der ganze Mensch ist umgeben von einer Lederhaut, die sehr zäh und dick ist. Nur Lippen, innere Nase und untere Ausgänge bestehen aus einer Schleimhaut. Diese besteht aus winzig kleinen Flimmerzellen. Die falschen Stimmbänder bestehen auch aus Schleimhaut, [57] dagegen die wahren aus Pflasterzellen. Beim Katarrh (griech.: fließen) sondern die Schleimhäute zu viel Flüssigkeit ab.

Durch Reduzierung der großen Atmung kommt man zur Flimmerzellenatmung. Z.B. bei kalten Füßen od. so.

Bei der Einatmung 3 Muskelsysteme:

äußere   Zwischenrippenmuskeln

Rippenheber / Kehlkopfatemmuskel = Ringkn. = Stellknorpelmuskel

Zwerchfell

Drüsen innere Sekretion

Schilddrüse (Sekret für die Gehirndrüse)
Zirbeldrüse
Gehirnanhang

[58]

Die Lunge ist ein ledernes Gewebe, besät mit lauter Nervenzellen =  Sechseckbecherchen (wie Bienenwaben)

Der Geschmack entsteht erst beim Schlucken durch die Verbindung mit der Nase.

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Psyche + Seele

Psyche = griech. Seele, Seele vom Hirn. Es ist die Fähigkeit des menschlichen Gehirns zu denken, zu fühlen und zu wollen, was die Tiere unbewußt durch den Instinkt haben. Der Hauptsitz ist in der Rinde des Großhirns und im Talamus.

Seele

Die Seele ist das schaffende Prinzip im Organismus, das mit dem ersten Atemzug des Kindes einzieht, und bis zum [59] letzten wirkt. Die Kraft, die wir Seele nennen, ist göttlich. Sie ist ein Teil von dem Uranfang, ‑ sie hat alles geschaffen, was lebendig ist, ‑ Tiere, Pflanzen, ‑ ja auch Mineralien, Elemente, Steine.

Die Seele hat ihren Sitz in der Atmung, die Lunge ist ihr Schauplatz, wo sich der ewige Wechsel von Leben, Tod und Auferstehung sich abspielt. Ihren Lebensknoten oder Punkt hat sie im verlängerten Mark.

Das kleine Kind entwickelt sich von der Seele aus, bis die Psyche einsetzt, in dem es durch Schreien aufgenommen sein will. Wenn es sitzen, sich aufrecht halten und gehen lernt, ist dies eine große Willensaktion, und durch die veränderte Lage setzt eine andere Atmung ein, aufpassen auf Hochatmung. Sowie die Psyche erwacht ist, setzt ein dauernder Kampf zwischen ihr und der Seele ein. Das Ichbewußtsein der Psyche [60] kämpft gegen das Selbstbewußtsein der Seele. Im Schlaf soll die Psyche naturgemäß Abspannung haben, aber wenn der Mensch schwer träumt, dann ist der Rhythmus verloren gegangen, keine Abspannung d. Psyche.

Die 3heit von Körper, Geist + Seele ist das Problem des Lebens. Welches ist das wichtigste? Diese Frage tut sich schon im Volksmärchen kund: die 3 Schwestern (Aschenbrödel) oder die 3 Brüder (Dummer Hans).

Körper + Geist spielen immer die Hauptrolle, die Seele ist zurückgedrängt und nicht gleichberechtigt, ‑ aber letzten Endes löst immer sie die Aufgabe und das Wirrsal.

[61]

Natur ist all das, was in uns schafft, dirigiert von der Seele

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Temperament + Naturel

Temperament

ist von der Rasse unabhängig, ‑ die Rasse ist konstant, Temperament wechselnd.

4 Temperamente:

Phlegma             (Lymph-Drüsen) apathisch

Choleriker          (Tat u. Bewg., gelbe Galle) Tobsucht

Melancholiker     (schw. Galle) Schwermut

Sanguiniker        (leicht beweglich, Blut fröhlich aufatmend) Schwindsucht

Das Temperament kann im Laufe eines Lebens wechseln.

[62]

Naturel (Beschaffenheit des Blutes)

3 Naturelle

Tat und Bewegung

Ruhe und Ernährung

Empfindung

Sie sind zurückzuführen auf die embryonale Entwicklung: 3 Deckhäute

1.) Äußeres Keimblatt    Nervensystem, Gehirn

2.) Mittleres Keimblatt  Knochen- und Muskelsystem

3.) Inneres Keimblatt     Ernährung, Verdauung, Lymphdrüsensystem

Eines dieser Keimblätter ist immer stärker entwickelt, daraus entwickelt sich dann das Naturell

1. stärker entwickelt = Empfindung

2. stärker entwickelt = Tat + Bewegung

3.) stärker entwickelt = Ruhe + Ernährung

[63]

Beim Schwingen: Je länger die Arme, desto kürzer ist das Zwerchfell.

Schwingungen

Transversale Schwingungen

Breitenschwingung

Längenschwingung

Standschwingung

Partielle Schwingungen

Anphotere[?] Töne (Luft)

Impulse

durch    Ohr
Blut
Kehlkopf
Tonnerv
Luft

[64]

Körper = Fleiß
Geist = Blut

Seele = Luft

Die Zahl der Schwingungen der Länge nach durch das Denken

Das hinten nach vorn « schwingen = Idee durch Vergangenheit = hell, Zukunft = Dunkel

Schwingungen für die Sprache

transversal          = eu

Breitenschwing.  = u

Längenschwing. = au, ei

Randschwing.     = ä

Partiell               = i

Luft                   = o, e

Tonschwingungen wahrnehmbar von 32 - 30.000

[65]

Chaos und Kosmos

Die regelmäßigen Schwingungen sind kosmisch. Die unregelmäßigen Schw. sind chaotisch. Das Chaos kommt vom Blut, ‑ es sehnt sich nach Kosmos (Kohlensäure).

Bei der Stimme kann man sprechen von Höhe und Tiefe (gestützt auf den Ring(knorpel). Die absolute Höhe kommt durch absolutes Tonbewußtsein. Die Tiefe durch Lösung des Krampfes od. Festigkeit aus der Schlaffheit.

[66]

Spannkraft im Tiefgriff, sonst nie Spannung der Stimme.

zu h c d am ehesten zu finden

bei g + f nötig

bei a + e schwierig

(ei, ei, a (Hey S. 14) Schwungkraft nach der Einatmung.)

Was in der Sprache der Explosivkons. ist, ist beim Singen das Staccato = Stoßkraft.

[67]

Der Ablauf des Rhythmus gibt die Möglichkeit zur Melodie

Stimmung ist abhängig vom Charakter + Gemüt

Stimme      ist abhängig vom Gehör, Musik, Gefühl

Bestimmt   sind wir durch den ersten Schrei, das Leben wollen, es sollen ist von Gott.

Es ist eine unmittelbare Erzeugung, das doppelte der Luftfunktion ist schon darin, = die Aus+ Einatmung zu gleichen Zeit, 1. weil die Nase Verbindung zum Zwerchfell hat, dadurch d. Zwf. in seiner Aktivität weiter geleistet, Ablaut = [68] 2.) weil die inspiratorische Dehnung zur expiratorischen übergeht, = Tiefgriff. Durch die Bestimmung halten wir uns gesund (unmittelb. Äußerung)

Das Ohr gibt Spannung, ‑ keine Bewegung! (Skelettbewegung d. Stimme).

Gehirnaktivität b. Singen durch Verstellung, Fantasie, Einbildung + Ideen

[69]

Drüsen

1.) Die Schilddrüse

Ihre Ausscheidung Colloid enthält Jod. Wird die Schilddrüse entfernt, verfällt der Körper. Das Wachstum wird gehemmt, die Geschlechtsdrüsen versiegen, die geistigen Fähigkeiten schwinden.

2.) Zirbeldrüse

Sie liegt als einzige Ausstülpung des Zwischenhirns auf der Oberfläche des sog. Vierhügels, 0,2g schwer, 8 mm lang und 6 mm breit. Von gewaltiger Bedeutung für die geistige Entwicklung.

[70]

Man nimmt an, daß die Zirbeldrüse Einfluß auf die Keimdrüsen ausübt, bei ihrem Ausfalle  sexuelle Frühreife und gesteigerte psychische Leistungsfähigkeit auftritt.

3.) Die Hypophyse

Ihre 3 winzigen Lappen im Gewicht von 5 gr. liegen der Schädelbasis an. Ihr Einfluß kommt am deutlichsten in der Körpergestaltung zum Ausdruck.

4.) Nebennieren

Den Nieren aufgelagerte, halbmondförmige Organe von 10-15 g. Gewicht. 2-3 cm Breite + 5 cm Länge.

[71]

Ihre Ausscheidung ist das Adrenalin. Entfernt man sie, treten Störungen der Drüsen und Nerven, fortschreitende Entkräftung ein. Als Nebenerscheinung eine starke, broncefarbene Pigmentierung der Schleimhäute + der Haut.

5. Thymusdrüse

Im kindl. Alter im Verhältnis zum Gesamtgewicht am größten, übt bis zur Pubertät großen Einfluß auf die Körperentwicklung aus. Ohne ihre Produkte können die Geschlechtsdrüsen sich nicht ent[72]wickeln. Hat sie ihren Zweck erfüllt, nimmt sie rapid an Umfang + Gewicht ab u. ist beim erwachsenen Mensch + Tier verschwunden klein.

[73]

9 Musen

Klio                    Geschichte

Euterpe              Musik

Thalia                 Komödie

Leukromele[?]    Tragödie

Therpsychore      Chorlyrik

Erato                  Liebeslyrik

Polyhymnia        Tanz

Urania                Astronomie

Kaliope               Epos + Elegie

[74]

Schema

 

[75]

f     jubelnd             verzweifelt

e     begeistert         trostlos

d     freudig             klagend

c     dankbar            gedrückt

h     heiter               verjagt

a     getrost              veränderlich

g     zufrieden          gleichmütig

[76]

1925 5 Impulse: Ohr, Blut, Kehlkopf, Luft, Tonnerv

1935 7 Impulse: Sprachnerv, Skelettbewegung.

7 Kräfte

Schwerkraft

Schwungkraft

Spannkraft

Zeugungskraft

Gestaltungskraft

Plastische Kraft

Schöpferkraft

[77]

Frl. Schlaffhorst 1925

Die Lunge ist gespannt, wenn die Seele bedrängt ist.

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Die Kehlkopfstellung wird unterstützt durch die Mitarbeit der Brustmuskulatur.

--------------------

g + a      Artikulation

h c d      Stimme

c f         Bronchien

[78]

Lange Brücke verlangt unmittelbare Ausatmung, Rückströmen durch die Nase, Anschluß an die Speiseröhre, Schwingung des Gehirns

Kurze Brücke verlangt zurückhalten der Luft durch Stimmbandschluß, ‑ heben des Zäpfchens durch den ausströmenden Luftstrom.

--------------------

i        h c d      Dummheit

u       g + f      Klugheit

a       a + e      Abspannung

[79]

Tönung führt zu dramatischer Wucht.

Ton führt zu Ausdruckskraft.

Tonsprache ohne Tonbewußtsein nicht möglich.

 

[Zeichnung: Schriftsprache ‑ Wortsprache ‑ erinnern ‑ Fassen]

[80]

Was ist schwer?

Gesetz für die Seele
Stil für die Kunst
Freiheit für den Geist

finde

--------------------

Der Ton ist Wiederherstellung des Vokalklanges.


Inhalt

1           Warum singen wir, Durchblutung

3           Luftfunktionen

7           lange Stimmritze

7           Stellknorpeltätigkeit

8           Atemvorgang

10         Die 3 Septimen

13         Rhythmus

15         Die 3 Hirne

20         Schema für die Töne

22+26    Wollen, Fühlen, Denken

23         Mensch (Persönlichkeit)

28-31     Kleine Formeln

32         7 Naturformen

33         Schwingungen und 3 Luftgattungen

35         2 Tetraccorde, der Laut

37-40     Klinger etc. pp.

41-42     Gesangsformeln

43         Schwingungen, ‑ Weg zum „Inhalt“

44         Klangschönheit + Volumen

45         Wurzelgefühle, 4 Luftfunktionen

46         Obertöne

47         Eigentöne

50         Kehlkopf

52         Die Bedeutung der Zahl i. d. Arbeit

53         9 Sprachen

54         3 Bewegungen d. Atemflächen

55-57     Anatomie

58-60     Psyche ‑ Seele

61         Temperament

62         Naturel

65-64     Schwingungen, Impulse

65         Chaos + Kosmos

67         Stimme, Stimmung, Bestimmung

69-72     Innersekr. Drüsen

73         9 Musen

74         Schema

75         Stimmung (Septime)

76         5 (7) Impulse, 7 Kräfte

77         Aussprüche



[1]          Oberzonenregister = der ganze Raum oberhalb der Stimmbänder: Mongaginschen[?] Taschen, falsche Stimmbänder, Muskelfleisch u.s.w.mit Kopfresonanz.

[2]          Zwerchfell - Spannung, Abs(pannun)g, Lockerh(eit)

[3]          Dann sing „es“, dann lebt „es“ ohne ein Dazutun des Menschen. Der Mensch schafft „unwillkürlich“.



Ende Ende Aufzeichnungen Lili Usener
 

 


Unterricht

 

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